Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Karin Mack, Bügeltraum Nr. 4, 1975, Inkjet-Print
Foto: Albertina, Wien, © Bildrecht, Wien 2021

Karin Mack "Bügeltraum Nr. 4", 1975, zu sehen in der Ausstellung "Schiele und die Folgen", in der Albertina Modern in Wien

Die Kunst der Woche in Amsterdam, Berlin, Bonn, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Halle, Kassel, Köln, Leipzig, New York, Wien und Zürich

Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website.


Van Goghs "Kartoffelesser" in Amsterdam

Fünf Personen sitzen in einer engen Küche beim Abendessen. Die Gesichter grob und verzerrt. Knollige Nasen, knochige, verknorpelte Hände. Alles ist dunkel, düster: "Die Kartoffelesser" ist eines der ersten Meisterwerke von Vincent van Gogh (1853-1890). Doch weltberühmt wurde der niederländische Maler mit den "Sonnenblumen" und lichtdurchfluteten südfranzösischen Landschaften.

Erstmals befasst sich das Amsterdamer Van Gogh Museum in einer Ausstellung ausschließlich mit diesem besonderen frühen Bild des Malers. Etwa 50 Gemälde, Skizzen, Zeichnungen und Briefe sind ab Freitag zu sehen. Sie sollen die Geschichte des Bildes erzählen. Eine "Geschichte von Ambition und Durchhalten", wie Museums-Direktorin Emily Gordenker sagt. "Das Bild wurde nie verkauft und zu Lebzeiten von van Gogh nie ausgestellt." Heute aber sei es weltberühmt und gelte als ein Schlüsselwerk für die Entwicklung des Malers.

Vincent van Gogh malte "De aardappeleters" 1885 während einer stürmischen Periode, die er bei seinen Eltern in Nuenen, im Südosten der Niederlande, verbrachte. Er hatte zahlreiche Studien und Skizzen dazu gemacht. Es sei eines der "meist durchdachten Bilder" van Goghs, sagt Bregje Gerritse, Konservatorin des Museums.

Der Maler selbst bezeichnete es als "Meisterprüfung" und wollte nach den Worten der Konservatorin damit seinen Durchbruch machen. Doch das Bild fiel durch. Van Gogh wurde heftig kritisiert - vor allem wegen der sehr düsteren Farben und der verzerrten Darstellung der Personen.

Van Gogh hatte fünf Personen einer Bauernfamilie gemalt - beim Abendessen im Schein einer Öllampe. Vor ihnen steht auf dem groben Holztisch eine Schüssel mit dampfenden Kartoffeln. Eine Frau schenkt Kaffee ein. Das Museum ließ nun ein lebensgroßes und begehbares Modell dieser Szene nachbauen.

Van Gogh wollte die harte Wirklichkeit des Bauernlebens darstellen, ein Leben, das er selbst bewunderte. Er zeigte die Personen bewusst mit groben Gesichter und knochigen Arbeitshänden, sagte Gerritse. "Van Gogh wollte die Bauern in ihrer ganzen Rauheit zeigen." Die Farben waren erdig, dunkel wie die Erde, so schrieb er. Die Farbe der Gesichter sei die "einer gut staubigen Kartoffel, ungeschält natürlich."

Doch das Bild führte nicht zum ersehnten Durchbruch auf dem Pariser Kunstmarkt. Sein Bruder, der Kunsthändler Theo, fand es nicht gut, und auch sein Freund, der Maler Anthon van Rappard urteilte knallhart, es sei hässlich und grob.

Doch van Gogh blieb dabei und hielt es sein ganzes Leben lang für eines seiner besten Werke - und sicher eines der wichtigsten. Die Botschaft sei wichtiger als die korrekte Anatomie und technische Perfektion, hatte er erklärt. Kunst müsse nicht schön sein, sondern ehrlich. "Ich will malen, was ich fühle und fühlen, was ich male." Am Ende seines Lebens erwog er sogar, eine neue Version der "Kartoffelesser" zu malen. (dpa)

"Vincent Van Gogh: Die Kartoffelesser", Van Gogh Museum, Amsterdam, bis 13. Februar 2022

Vincent van Gogh, "Die Kartoffelesser", April-Mai 1885 im Van Gogh Museum in Amsterdam
Foto: Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)

Vincent van Gogh "Die Kartoffelesser", 1885


"The Sun Machine Is Coming Down" in Berlin

Ein Kunstprojekt haucht dem seit sieben Jahren stillgelegten Internationalen Congress Centrum Berlin vorübergehend neues Leben ein. Die Ausstellung "The Sun Machine Is Coming Down" hat sich das riesige Gebäude im Westen Berlins, mit 80 Sälen für bis zu 5000 Menschen einst eine der weltweit größten Kongresshallen, für zehn Tage erschlossen. Die Festspiele Berlin feiern mit Installationen, Performances, Artistik, Konzerten und Filmen von Donnerstag an bis zum 17. Oktober ihr 70-jähriges Bestehen.

Für den scheidenden Intendanten Thomas Oberender kommt der 1979 mit fast einer Milliarde Mark teuerste Bau West-Berlins einem Raumschiff gleich, das in Corona-Zeiten nun als eine Art Arche Noah die Kunstschaffenden in sich aufnimmt. Die für das Projekt wiederbelebten roten und blauen Leuchtelemente im Erdgeschoss scheinen Blutbahnen gleich Energie in den 300 Meter langen Bau zu pumpen.

Im einstigen Kontrollraum des ICC hat der in Berlin lebende französische Künstler Cyprien Gaillard vor den alten Überwachungsmonitoren Skulpturen aus Cofalit platziert, das aus Asbest des einst verseuchten Baus umgewandelt wurde. Die russische Bildhauerin und Performancekünstlerin Joulia Strauss widmet zwei Arbeiten dem Medientheoretiker Friedrich Adolf Kittler. Im Foyer schwebt sein Bildnis als Drahtgestell über dem ICC-Modell. In einem der Konferenzräume hat sie in einer Pflanzenkonstruktion eine Sirenen-Skulptur auf Basis von Kittlers Totenmaske platziert.

Auf dieser Ebene scheinen die große Glasvitrinen von Markus Selg, unterstützt von Klängen des Sound-Künstlers Richard Janssen, in andere Räume und Zeiten zu gleiten. Die corona-bedingten Einschränkungen thematisieren Monira Al Qadiri und Raed Yassin mit einer bizarren Installation, in der die Köpfe eines roboteranimierten Paares und eine ebenfalls mechanisch sprechende Katze über ihre Situation reflektieren. Im gigantischen Saal eins - jeder Sitz ausgestattet mit Leselampe und Soundsystem, läuft ein Screeningprogramm der Julia Stoschek Collection. Nebenan wechseln Konzerte im Stundentakt.

Der Titel der Ausstellung stammt aus dem Song "Memory of a Free Festival" von David Bowie. Die Zeile "The Sun Machine Is Coming Down" steht am Ende des Lieds. Der zweite Teil des Bowie-Satzes klingt wie eine Vorschau auf das Ausstellungsprojekt: "and we're gonna have a party" - wir werden eine Party feiern.

Eine Review zu der Ausstellung lesen Sie hier.

"The Sun Machine Is Coming Down": Internationales Congress Centrum (ICC) Berlin, bis 17. Oktober

Einblick in die Ausstellung "The Sun Machine Is Coming Down" im ICC in Berlin
Foto: dpa

Einblick in die Ausstellung "The Sun Machine Is Coming Down" im ICC in Berlin


Joseph Beuys in Bonn, Dortmund, Düsseldorf und Krefeld

Endspurt im Beuys-Jahr: Mit weiteren hochkarätigen Ausstellungen in Nordrhein-Westfalen geht das Beuys-Jubiläumsjahr in die Zielgerade. Ein Höhepunkt dürfte die Schau "Beuys & Duchamp. Künstler der Zukunft" im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld mit rund 150 internationalen Leihgaben werden - sie öffnet am Freitag (bis 16.1.2022). Joseph Beuys - geboren 1921 in Krefeld und gestorben 1986 in Düsseldorf - wäre am 12. Mai dieses Jahres 100 Jahre alt geworden.

Die Krefelder Ausstellung stellt das Werk von Beuys dem Oeuvre des Objektkünstlers Marcel Duchamp (1887-1968) gegenüber. Beide Künstler veränderten den Begriff von Kunst radikal. Keinen anderen Künstler erwähnte Beuys in Interviews häufiger als Duchamp. Dieser führte mit seinen ab 1913 entstandenen "Readymades" Alltagsgegenstände wie das Pissoir oder Kleiderhaken in die Kunst ein. Auch Beuys bediente sich bei Gegenständen des täglichen Gebrauchs.

In der legendären Aktion von 1964 "Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet" setzte sich Beuys künstlerisch mit Duchamp auseinander. Während Duchamp sich wenig öffentlich und gar nicht politisch äußerte, suchte Beuys die Öffentlichkeit geradezu für seinen Diskurs.

Im Kunstmuseum Bonn ist seit Mittwoch eine Ausstellung mit Multiples von Beuys zu sehen (bis 9. Januar 2022). Diese seriell hergestellten Auflageobjekte sollten sein Denken quasi in jeden Haushalt tragen. Binnen 20 Jahren schuf Beuys 556 Multiples, von denen sich über 400 in der Sammlung des Kunstmuseums befinden. Darunter sind auch Tüten mit getrocknetem Hasenblut und politische Manifeste. Außerdem werden die Beuys-Arbeiten in Bonn in einen Dialog mit zeitgenössischen Werken von Katinka Bock, Christian Jankowski und Jon Rafman gesetzt.

Der Dortmunder Hartware Medienkunstverein (HMKV) zeigt ab Samstag die Ausstellung "Technoschamanismus" (bis 6. März 2022). Dabei geht es um aktuelle Kunst, die von der Figur des Schamanen inspiriert ist, die Beuys Zeit seines Lebens kultivierte.

Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf erforscht in der Ausstellung "Mein ganzes Leben war Werbung. Wie Beuys zu Beuys wurde" die Rezeptionsgeschichte von Beuys (bis 20. Januar). Gezeigt werden in der von dem Beuys-Fachmann Eugen Blume kuratierten Schau Kataloge und Plakate, Radio-, Film- und Fernsehbeiträge. (dpa/monopol)

Beuys 2021: "Beuys & Duchamp. Künstler der Zukunft", Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld, bis 16. Januar 2022

"Ticket to the Future", Kunstmuseum Bonn, bis 9. Januar 2022

"Technoschamanismus", Hartware Medienkunstverein, bis 6. März 2022

"Mein ganzes Leben war Werbung. Wie Beuys zu Beuys wurde", Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, bis 20. Januar

Joseph Beuys, aus: 3-Tonnen-Edition, 1973-1985
Foto: Lothar Wolleh, Städtische Museen Heilbronn, Depositum Ernst Franz Vogelmann-Stiftung, Städtische Museen Heilbronn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Lothar Wolleh Estate, Berlin

Joseph Beuys, aus: 3-Tonnen-Edition, 1973-1985


Max Liebermann in Darmstadt

Mit mehr als 100 Gemälden zeigt das Landesmuseum in Darmstadt eine großangelegte Ausstellung zum Werk des Impressionisten Max Liebermann. In fünf Räumen ist die Entwicklung von frühen realistischen Gemälden hin zum Impressionismus mit seinen Reflexionen des Lichts zu sehen. "Wir haben zwei Jahre an der Ausstellung gearbeitet, was vergleichsweise kurz ist", sagt der Museumsdirektor und Kurator Martin Faass. Faass war zwölf Jahre lang Direktor der Berliner Villa Liebermann, bevor er nach Darmstadt kam. Die Ausstellung "Ich. Max Liebermann - Ein europäischer Künstler" ist im Landesmuseum bis 9. Januar zu sehen.

Anfangs habe er nach seiner Zeit in Berlin nicht unbedingt an eine Ausstellung über Liebermann (1847-1935) gedacht, sagt Faass. In Kooperation mit dem Kunstpalast Düsseldorf habe man sich dann aber doch für ein chronologisch in den fünf Räumen geordnetes Gesamtbild entschieden. Liebermann sei für ihn noch nicht auserzählt. "Das ist schon eine ganz besondere Chance, die ich dann auch gerne ergriffen habe."

Gerade einmal vier der gezeigten Gemälde, davon zwei des deutschen Impressionisten, gehören zum Fundus des Landesmuseums. "Es sind über 60 Leihgeber, die zu der Ausstellung beigetragen haben", sagt Faass. Darunter seien Museen im In- und Ausland, aber auch private Sammler, die neben Liebermann-Gemälden auch die Werke anderer Künstler wie Claude Monet oder Max Beckmann gegeben hätten, um Liebermann auch in der Kunst seiner Epoche zu zeigen. (dpa)

"Ich. Max Liebermann - Ein europäischer Künstler", Hessisches Landesmuseum, Darmstadt, bis 9. Januar 2022

Max Liebermann, Polospieler im Jenischs Park, 1903
Foto: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Max Liebermann "Polospieler im Jenischs Park", 1903


Deutsch-deutsche Designgeschichte in Dresden

Eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums Dresden und des Vitra Design Museums (Weil am Rhein) geht der Designgeschichte der Nachkriegszeit in beiden deutschen Staaten nach. "Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte" ist nach der Premiere in Baden-Württemberg ab kommenden Freitag auch in der sächsischen Elbestadt zu sehen, wie die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) mitteilten. Es gehe darum, die ost- und westdeutsche Designgeschichte ineinander zu spiegeln und das Gesamtbild eines "Deutschen Designs" und seiner Werte herauszuarbeiten.

Die Spanne der 390 Exponate reicht von Möbeln und Leuchten über Grafik und Inneneinrichtung bis zu Mode, Textilien, Schmuck und Fahrzeugdesign. Darunter sind Klassiker wie das Moped Simson S50 (1975) von Karl Clauss Dietel oder der "Schneewittchensarg" genannte kleine Plattenspieler (1956) von Dieter Rams, Neuentdeckungen und Raritäten wie Luigi Colanis Schlaufensessel Poly-COR (1968). Auch Protagonisten wie Rudolf Horn, Margarete Jahny oder Egon Eiermann sind vertreten, ebenso wie der Deutsche Werkbund und das Bauhaus.

Der Blick auf das deutsche Design zwischen 1949 und 1989 sei von Antagonismen zwischen Ost und West sowie damit verbundenen Klischees geprägt, sagte der Direktor des Vitra Design Museums, Mateo Kries. Die Ausstellung zeige, dass die Realität komplexer war und dass es neben Trennendem viele Verbindungen gab. Sie wird in Dresden von einer Präsentation der Online-Plattform German Design Graduates mit zeitgenössischem Positionen von Design- und Kunsthochschulen sowie Podiumsdiskussionen an einem "Runden Tisch" begleitet - der Name ist der Wendezeit 1989/90 entlehnt und das Möbel extra angefertigt in den Deutschen Werkstätten Hellerau. (dpa)

"Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte": Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden, bis 20. Februar 2022

Stuhl Känguruh oder Z-Stuhl, Ernst Moeckl, 1971
Foto: Jürgen Hans, © Vitra Design Museum

Stuhl Känguruh oder Z-Stuhl, Ernst Moeckl, 1971


Rembrandt in Frankfurt am Main

Das Frankfurter Städel-Museum rückt in diesem Herbst einen der größten niederländischen Künstler in den Fokus. Die Ausstellung "Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam" widmet sich dem Aufstieg und Durchbruch von Rembrandt van Rijn (1606-1669) und zeigt dessen Werdegang vom jungen ambitionierten Künstler aus Leiden zum berühmten Barockmaler in Amsterdam.

Dabei treten um die 60 Werke Rembrandts in Dialog mit Bildern anderer Künstler seiner Zeit. Zu sehen gibt es insgesamt rund 140 Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen von Rembrandt und seinen Zeitgenossen.

Nach wie vor sei Rembrandt eine internationale Marke, sagt Kurator Jochen Sander. "Die Fähigkeit, seine dargestellten Figuren psychologisch so überzeugend zu durchdringen, ist bis heute sein Markenzeichen".

In der Ausstellung sind Arbeiten aus dem Frankfurter Bestand - wie beispielsweise "Die Blendung Simsons" (1636) - ebenso dabei wie internationale Leihgaben, etwa aus Dresden, London oder Madrid. Die Schau ist eine Kooperation mit der National Gallery of Canada in Ottawa und läuft im Städel bis zum 30. Januar 2022.

"Nennt mich Rembrandt!", Städel-Museum, Frankfurt am Main, bis 30. Januar 2022

Einblick in die Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel Museum
Foto: dpa

Einblick in die Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel Museum


Paula Modersohn-Becker in Frankfurt am Main

Zu Lebzeiten hat sie vier Werke verkauft - heute ist sie eine der bekanntesten Malerinnen der klassischen Moderne in Deutschland: Paula Modersohn-Becker (1876–1907). Die Frankfurter Kunsthalle Schirn zeigt bis 6. Februar 2022 eine umfassende Retrospektive ihres Schaffens. Bis zu ihrem frühen Tod mit 31 Jahren schuf sie über 700 Gemälde und rund 1500 Zeichnungen. 116 Werke sind von diesem Freitag an in Frankfurt zu sehen.

"Wegweisend, kompromisslos, radikal" nannte Schirn-Direktor Philipp Demandt Modersohn-Beckers Bilder. Zu den Werken, die an petrolfarbenen und dunkelgrauen Wänden hängen, gehört auch das 1906 gemalte "Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag", eine Aktdarstellung mit gewölbtem Bauch, die zu einer "Ikone der Kunstgeschichte" wurde, wie Demandt sagt.

Kuratorin Ingrid Pfeiffer hat Modersohn-Beckers Werk nicht chronologisch geordnet, sondern nach Werkgruppen: Selbstporträts, Porträts von Kindern, Müttern, Bäuerinnen, Akte, Landschaften, Stillleben. Das Besondere an ihren Porträts sei "eine große Direktheit, eine extreme Unmittelbarkeit", sagte Pfeiffer: "Sie rückt die Menschen nah an uns heran."

Aber ihre Kinderbilder seien nie niedlich, ihre Bäuerinnen wirkten wie Göttinen, ihre Landschaften seien extrem reduziert, erklärte Pfeiffer. Die letzte Abteilung der Schau versammelt Bilder, die wie herangezoomt wirken. Ihr Mann, der Maler Otto Modersohn, fasste das Werk seiner Frau so zusammen: "Paula hasst das Konventionelle."

Paula Modersohn-Becker: Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main, bis 6. Februar 2022

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag, 1906
Foto: Museen Böttcherstraße, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen

Paula Modersohn-Becker "Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag", 1906


Willi Sitte in Halle

Als Teil des sozialistischen Systems ist Willi Sitte bis heute umstritten - der Maler Sitte gilt jedoch als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. In Halle (Saale) ist anlässlich seines 100. Geburtstages eine 250 Werke aus sieben Jahrzehnten umfassende Retrospektive zu sehen, die sich mit dem Gesamtwerk Sittes auseinandersetzt.

"Wir müssen beginnen, ihn neu zu sehen", sagt einer der Kuratoren, Paul Kaiser, im Kunstmuseum Moritzburg Halle. Über den Maler Sitte gebe es viele Meinungen, aber "wenig Wissen". Man finde kaum wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wirken Sittes.

Der Autodidakt Sitte war Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR und saß zeitweilig in der Kulturkommission des Zentralkomitees der SED. Wegen seiner Verflechtungen mit dem DDR-Regime ist er umstritten. Dennoch solle man mit Urteilen über den Künstler vorsichtig sein, betonte Kurator Eckhart Gillen. Er sehe in Sitte einen "neugierigen, kampfeslustigen und polemischen" Charakter, der als Kulturpolitiker in der DDR zum strengen Funktionär wurde und ehemalige Freunde wie den Liedermacher Wolf Biermann öffentlich denunziert habe. "Er hatte sicher auch unangenehme Seiten", sagte Gillen.

Die absolute Gleichsetzung Sittes als Repräsentant des DDR-Regimes habe ihm nach der Wiedervereinigung große Ausstellungen verhagelt, erklärte Kaiser. Dabei sei Sittes Kunst von internationaler Bedeutung. "Wer sich dem verschließt, hat auch unsere Kunstgeschichte nur anteilig rezipiert", sagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Der Maler sei auch ein Abbild der Widersprüchlichkeit des vergangenen Jahrhunderts - Widersprüche, die viele historische Personen auszutragen hätten. Wer eine solche Ambivalenz ignoriere, werde vieles "der Gesamtproblematik des Zusammenwachsens nicht verstehen", betont Haseloff.

Die Ausstellung auf etwa 1500 Quadratmetern versteht sich den Kuratoren zufolge als Beitrag zur Aufarbeitung "der als Staatskunst apostrophierten Kunst" Sittes.

Der Maler wurde am 28. Februar 1921 in Kratzau (Chrastava in Tschechien) geboren. An seinem langjährigen Arbeits- und Wohnort in Halle starb er am 8. Juni 2013 im Alter von 92 Jahren. (dpa)

"Sittes Welt. Die Retrospektive", Kunstmuseum Moritzburg, Halle, bis 9. Januar 2022

Willi Sitte "Selbstbildnis mit Pinseln", 1981
Foto: Punctum, Bertram Kober, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Willi Sitte "Selbstbildnis mit Pinseln", 1981


Toba Khedoori in Kassel

Toba Khedooris erste Einzelausstellung kommt nach Kassel. Gezeigt wird die Entwicklung der Künstlerin vom Jahr 1994 bis heute. Ausgewählte Werke zeigen dabei die Vielfalt und Entwicklung ihres zeichnerischen und malerischen Schaffensprozesses.

Bekannt wurde sie mit ihren großen Blättern aus wachsbeschichtetem Papier. Ihre Arbeiten sind das Resultat eines langjährigen Fertigungsprozesses und können durch die Nutzung verschiedener Medien auch an der Grenze zwischen Zeichnung und Malerei verortet werden. Als Grundlage ihrer Hervorbringungen fungieren in der Regel mit Wachs bearbeitete Papierbahnen, die derart nebeneinander arrangiert sind, dass sie zusammenhängende Bildträger von monumentalem Format ergeben.

Seit 2008 produziert die Künstlerin ebenfalls Malereien auf Leinwänden, die im Verhältnis zu den beschriebenen Papierarbeiten deutlich kleiner angelegt sind. In ihnen ist die Auseinandersetzung mit den im Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Natur anzusiedelnden Themen weiter fortgesetzt. Im Fridericianum ist die Ausstellung bis zum 20 Februar 2022 zu sehen.

Toba Khedoori, Fridericianum, Kassel, bis 20. Februar 2022

Toba Khedoori: Untitled, 2021, Öl, Graphit und Wachs auf Papier
Foto: © Toba Khedoori, Courtesy the Artist, Regen Projects Los Angeles, and David Zwirner

Toba Khedoori "Untitled", 2021


Die Tricks großer Maler in Köln

Hatte Rembrandt auch eine Comedy-Seite? Auf jeden Fall scheint er sich auf einem seiner bekanntesten Selbstporträts halb tot zu lachen. Lange fragte sich die Kunstwelt, was genau ihn wohl so sehr amüsiert. Ein Röntgenbild liefert die Antwort auf diese Frage: Da sieht man, dass sich der Meister in einem früheren Stadium mit Pinsel in der Hand an einer Staffelei dargestellt hatte. Das wiederum spricht stark dafür, dass er sich in der Rolle des griechischen Malers Zeuxis zeigen wollte. Dieser Zeuxis soll sich zu Tode gelacht haben, als er das Bildnis einer komischen alten Frau sah.

In einer am Freitag beginnenden Ausstellung mit dem Titel "Entdeckt! - Maltechniken von Martini bis Monet" enthüllt das Kölner Wallraf-Richartz-Museum lauter solche Entdeckungen dank moderner Forschung. So erfahren die Besucherinnen und Besucher viel Neues über die Maltechniken von Meistern wie Lucas Cranach, Caspar David Friedrich, Max Liebermann und Claude Monet. Zu sehen sind rund 200 Gemälde. (dpa)

"Entdeckt! - Maltechniken von Martini bis Monet", Wallraf-Richartz-Museum Köln, bis 13. Februar 2022

 Kunststudierende zeichnen Modelle in der Sonderausstellung "Entdeckt!" des Wallraf-Richartz-Museums in Köln und lernen die geheimen Maltechniken von Meistern wie Cranach, Rembrandt, Friedrich und Monet
Foto: dpa

Kunststudierende zeichnen Modelle in der Sonderausstellung "Entdeckt!" des Wallraf-Richartz-Museums in Köln und lernen die geheimen Maltechniken von Meistern wie Cranach, Rembrandt, Friedrich und Monet


Caspar David Friedrich in Leipzig

Erstmals wird das Werk Friedrichs in einer Ausstellung gemeinsam mit Gemälden und Zeichnungen jener Zeitgenossen, Kollegen und Konkurrenten präsentiert, die ihm zu Lebzeiten in der Gunst der Kunstrichter und des Publikums den Rang abgelaufen haben. Neben zahlreichen Werken der Düsseldorfer Romantiker werden auch zeitgenössische Maler der Dresdener Romantik gezeigt.

In der Ausstellung werden rund 120 Gemälde und Zeichnungen präsentiert, darunter etwa 60 Werke Friedrichs mit bedeutenden internationalen Leihgaben aus Paris, Oslo und Wien sowie aus Hamburg, Berlin und Karlsruhe. Caspar David Friedrichs Werke werden gemeinsam mit Arbeiten anderer Dresdener Maler – wie Carl Gustav Carus, Ludwig Richter, Johann Christian Clausen Dahl und Ernst Ferdinand Oehme – den Düsseldorfer Malern Andreas und Oswald Achenbach, Carl Friedrich Lessing, Johann Wilhelm Schirmer und anderen gegenübergestellt. Hierdurch wird nicht nur eine faszinierende Fülle an herausragender Landschaftsmalerei der Romantik in Deutschland gezeigt, sondern zugleich die Originalität der Werke und der künstlerischen Haltung Friedrichs erkennbar.

"Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker": Museum der Bildenden Künste, Leipzig, bis 9. Januar 2022

Caspar David Friedrich, Felsenriff am Meeresstrand, um 1824
Foto: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Caspar David Friedrich "Felsenriff am Meeresstrand", um 1824


Wassily Kandinsky in New York

In seiner berühmten Rotunde zeigt das New Yorker Guggenheim Museum eine große Ausstellung mit Werken des russischen Künstlers Wassily Kandinsky (1866-1944). Mehr als 80 Werke des Künstlers, der auch lange Zeit in Deutschland lebte, seien in der Rotunde zu sehen, teilte das Museum mit. «"Die Präsentation überdenkt Kandinskys Karriere neu - nicht als festgesetzten Weg vom Repräsentativen zum Abstrakten, sondern als kreisförmige Passage durch anhaltende Themen, immer im Streben nach dem dominanten Ideal: dem Impuls nach spirituellem Ausdruck." Die Ausstellung "Vasily Kandinsky: Around the Circle" soll bis zum 5. September 2022 zu sehen sein.

"Vasily Kandinsky: Around the Circle", Guggenheim Museum, New York, bis 5. September 2022

Eine Besucherin betrachet das Werk "White Center" von Wassily Kandinsky im New Yorker Guggenheim Museum
Foto: dpa

Eine Besucherin betrachet das Werk "White Center" von Wassily Kandinsky im New Yorker Guggenheim Museum


Egon Schiele trifft zeitgenössische Kunst in Wien

Die Albertina Modern zeigt bis zum 23. Januar die Ausstellung "Schiele und die Folgen" und macht sich laut eigener Aussage "auf eine geheimnisvolle Reise zum Selbst". Ausgangspunkt dafür sind 21 von Egon Schieles bahnbrechenden Körper- und Selbstbildnissen. Der Künstler, der erst in der Nachkriegszeit über die USA Bekanntheit erlangte, bereitete den Boden für Generationen bedeutender KünstlerInnen. Seine Kunst ist in ihrer Schonungslosigkeit eine radikale Abwendung vom Schönheitskult der Wiener Secession des Fin de siècle. Schieles Selbstbildnisse zeigen den Künstler als artiste maudit, als glücklosen, ausgestoßenen Künstler.

Dem Verlangen, ihr Innerstes darzustellen, sind seit Schiele zahlreiche KünstlerInnen der Moderne nachgegangen. In der Ausstellung mit über 130 Werken werden Schiele zwölf KünstlerInnen der Gegenwart gegenübergestellt: Georg Baselitz, Günter Brus, Jim Dine, Valie Export Elke Krystufek, Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Cindy Sherman, Karin Mack, Adriana Czernin, Eva Schlegel und Erwin Wurm. Die Ausstellung ist vom 10. September 2021 bis 23. Januar 2022 zu sehen.

Schiele und die Folgen", Albertina Modern Wien, bis 23. Januar 2022

Egon Schiele, Selbstbildnis mit herabgezogenem Augenlid, 1910
Foto: Albertina, Wien

Egon Schiele "Selbstbildnis mit herabgezogenem Augenlid", 1910


Das neue Kunsthaus in Zürich

Früher waren Museen Tempel, ihre Energiebilanz war egal. Wie man Ausstellungshäusern das nötige Update verpasst, führt jetzt der von David Chipperfield entworfene Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich vor. Er besteht aus 90 Prozent Recyclingbeton und treibhausgasreduziertem Zement und erfüllt die Ziele der sogenannten 2000-WattGesellschaft. Das energiepolitische Modell, zu dem sich die Stadt Zürich bereits vor 13 Jahren verpflichtet hat, sieht eine Reduktion des Energieverbrauchs auf 2000 Watt pro Bewohner pro Sekunde vor.

Im Inneren betonen eine zentrale, luftige Halle und ein "Garten der Kunst" die Idee des Museums als urbanem Treffpunkt und moderner Agora. Mit gut 5000 Quadratmetern neuer Ausstellungsfläche wird das Kunsthaus zum größten Kunstmuseum der Schweiz. Inhaltlich steht im Chipperfield-Bau die Kunst ab den 1960er-Jahren im Fokus, ergänzt um Wechselausstellungen. Zum Auftakt gezeigt wird die Schau "Earth Beats, Naturbild im Wandel", die Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten mit aktuellen Fragestellungen zum Klimaschutz verknüpft. Chipperfields so eleganter wie ökologisch korrekter Bau ist dafür die ideale Adresse.

Eine kritische Auseinandersetzung zur umstrittenen Sammlung Bührle im Kunsthaus Zürich können Sie hier lesen.

Kunsthaus Zürich, Eröffnung am 9. Oktober

Kunsthaus Zürich, Chipperfield-Bau Ansicht Heimplatz mit Installation "Tastende Lichter" (2020) von Pipilotti Rist
Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich, © Pipilotti Rist

Kunsthaus Zürich, Chipperfield-Bau Ansicht Heimplatz mit Installation "Tastende Lichter" (2020) von Pipilotti Rist