Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Herbert Lists Fotografie "Pablo Picasso mit `Chouette dans un intérieur`" aus dem Jahr 1946 ist ab dem 14. Mai im Hamburger Bucerius Kunstforum zu sehen
© Herbert List Estate / Magnum Photos / Agentur Focus

Herbert Lists Fotografie "Pablo Picasso mit `Chouette dans un intérieur`" aus dem Jahr 1946 ist ab dem 14. Mai im Hamburger Bucerius Kunstforum zu sehen

Die Kunst der Woche in Basel, Berlin, Dresden, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, London, Moers, Münster und Paris

Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. In den meisten Bundesländern entfällt inzwischen die Maskenpflicht in Innenräumen, Museen können diese jedoch in ihren Häusern weiter beibehalten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website.

 

Emmanuel Van der Auwera in Basel

In der Ära des Digitalen fällt es zunehmend schwer, das sogenannte Reale und das Virtuelle voneinander zu trennen. Standardfragen: Was sehe ich, wie sehe ich es, kann ich meinen Augen überhaupt trauen? Der Belgier Emmanuel Van der Auwera knöpft sich aktuelle Medienereignisse vor, richtet den Blick auf Tragödien und Tabus, die im digitalen Raum zutage treten, oder analysiert Entwicklungen in den sozialen Medien.

Was der 1982 geborene Künstler aus dem Netz fischt, sammelt und neu sortiert, wird Teil seiner eindrucksvollen Bildtableaus und Videoskulpturen. Für seine erste Einzelausstellung in der Schweiz hat Van der Auwera gleich mehrere neue Arbeiten produziert, die im Baseler Haus der elektronischen Künste (HEK) zum ersten Mal zu sehen sein werden.

Der Titel seiner Schau – "Seeing is Revealing" – beschreibt zugleich das aufklärerische Programm des Medienkünstlers: Van der Auwera verhandelt drängende Fragen unserer Zeit, die von der schwindenden Pressefreiheit über die Ausweitung des Überwachungsstaats bis zur Bildpolitik des Militärs reichen, getrieben von der "Suche nach der kollektiven menschlichen Erfahrung", die Van der Auwera nach seinen eigenen Worten im Kunstraum inszenieren will. Jens Hinrichsen

Emmanuel van der Auwera: "Seeing is Revealing", HEK Basel, 14. Mai bis 7. August

Emmanuel van der Auwera „The Sky is on Fire“, 2019, Videostill
Foto: Courtesy Emmanuel Van der Auwera and Harlan Levey Projects

Emmanuel Van der Auwera „The Sky is on Fire“, 2019, Videostill

 

Heinrich Schliemann in Berlin

Vielleicht ist ein Buch an allem schuld. In der "Weltgeschichte für Kinder" entdeckte der siebenjährige Heinrich Schliemann (1822-1890) eine Zeichnung von der brennenden Burg Trojas. Das soll den Forscherdrang in ihm geweckt haben. So zumindest später die Darstellung des als Archäologe bekannt gewordenen Schliemann. Eine Ausgabe des Buches markiert den Auftakt der Ausstellung "Schliemanns Welten. Sein Leben. Seine Entdeckungen. Sein Mythos" in der James-Simon-Galerie und dem benachbarten Neuen Museum Berlin. Dort werden mit rund 700 Objekten die Stationen des Weltenbürgers 200 Jahre nach seiner Geburt nachgezeichnet.

Sein wechselvolles Leben führte Schliemann nicht direkt nach Troja. Nach trister Kindheit mit acht Geschwistern in Mecklenburg folgte eine Kaufmannslehre. Als junger Mann wechselte Schliemann nach Hamburg, kämpfte mit Krankheit und Geldmangel. Eine Auswanderung nach Venezuela scheiterte 1841 mit Schiffbruch vor Texel. Nach Stationen in verschiedenen Handelshäusern kam auch finanzieller Erfolg in Russland und den USA - erst Kolonialwaren, später Kriegsmaterial machten Schliemann zu einem reichen Mann.

Solche Etappen werden in der Ausstellung mit ausgewählten Objekten illustriert, bis hin zur Rekonstruktion von Teilen seines Arbeitszimmers. In Filmszenen schlüpft die Schauspielerin Katharina Thalbach in die Rolle Schliemanns, ihr Vortrag seiner Texte gibt einen Einblick in Fantasie und Erzählkraft des Weltreisenden.

In der James-Simon-Galerie steht die erste Lebenshälfte im Mittelpunkt mit Einblicken in die Lebenswelt des 19. Jahrhunderts. Im Neuen Museum sind die als spektakulär geltenden Funde der Königsgräber in Mykene und der Trojanischen Sammlung Schliemanns zu sehen. dpa

"Schliemanns Welten: Sein Leben. Seine Entdeckungen. Sein Mythos", James-Simon-Galerie Berlin und Neues Museum Berlin, bis 06. November

Ein seidenes Theaterkostüm aus China in der James-Simon Galerie
Foto: Oliwia Nowakowska/dpa

Ein seidenes Theaterkostüm aus China in der James-Simon Galerie

 

Oskar Zwintscher in Dresden

Mit der Ausstellung "Weltflucht und Moderne" im Dresdner Albertinum und danach in Wiesbaden wollen die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) die Bedeutung von Oskar Zwintscher für die Kunst um 1900 international sichtbar machen.

"Es ist die größte Retrospektive seit seinem Tod", sagte Generaldirektorin Marion Ackermann am Freitag vor der Eröffnung. Die Schau soll dazu beitragen, den wichtigen Künstler des Fin de Siècle wiederzuentecken, in der Kunstgeschichte der Moderne zu verankern und damit eine lange klaffende Lücke in der europäischen Kunstgeschichte zu schließen.

Zwintschers Oeuvre befindet sich überwiegend in ostdeutschen Sammlungen, sagte Albertinum-Direktorin Hilke Wagner. In der westdeutschen Kunsthistoriografie der Nachkriegszeit sei er weitgehend unbeachtet geblieben und so auch in der globalen Kunstgeschichte übersehen worden. Nun führen 48 Gemälde und zwei Aquarelle sowie 25 Zeichnungen das facettenreiche Werk zwischen Jugendstil und Symbolismus in seiner ganzen Breite vor Augen.

54 Bilder und zehn Skulpturen von Künstlerkollegen sowie Fotografien, Illustrationen, Bücher und Zeitschriften zeigen ihn laut Wagner in neuem Licht und in einer Reihe mit Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler, Franz von Stuck oder Gustav Klimt - und bieten zugleich einen Rückblick auf die Epoche des Fin de Siècle.

Zwintscher wuchs in Leipzig auf, studierte dort und in Dresden, arbeitete dann freischaffend in Meißen und lehrte ab 1903 in Dresden. Zu Lebzeiten erfuhr er große Anerkennung, bis zu einer Einzelausstellung 1910 auf der Biennale in Venedig - aber auch heftige Ablehnung. dpa

Oskar Zwintscher "Bildnis der Frau des Künstlers", 1901
© Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Oskar Zwintscher "Bildnis der Frau des Künstlers", 1901

 

Ausstellung zum Phänomen Fake in Dresden

Mit der besonderen Ausstellung "Fake" beleuchtet das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden (DHM) das Verhältnis von Lüge und Wahrheit. "Fake-News, Fake-Profile und Fake-Produkte, Lüge, Gerüchte und Verschwörungen, kurzum, all das Falsche scheint in unserem Leben immer präsenter zu werden und nahezu alle Lebensbereiche zu umfassen", sagte Direktorin Iris Edenheiser am Freitag. "Aber ist Lüge immer schlecht und Wahrheit stets gut?" Das Publikum kann ab Samstag selbst den Lügen auf den Zahn und der Wahrheit den Puls fühlen.

Für die Schau machte Kurator Daniel Tyradellis das DHM zum "Amt für die ganze Wahrheit". Die Besucher durchlaufen es auf einem Parcour, bei dem das Wechselspiel von Lüge und Wahrheit aus immer neuen Perspektiven betrachtet wird. "Die Wahrheit braucht dich!", fordert der Schauspieler Martin Wuttke sie in einem Video-Clip zum Auftakt auf, das eigenes Verhältnis dazu zu finden. Die Besucher checken mit einem digitalen Ausweis ein und können darauf am Ende ablesen, "wie sie es selbst mit Wahrheit und Lüge halten", sagte Tyradellis.

Eine täuschend echte Plüschrobbe als eine Art Sozialkontakt für einsame Menschen in Pflegeheimen, die lustigsten Top-Lügen, gefälschte Kunst illustrieren die Spanne ebenso wie Daten zum Umgang mit der Corona-Pandemie, Trump Tweets und die Propaganda im Ukraine-Krieg. Das opulente Begleitprogramm reicht von einer Show zum Verfall des Lügens über ein Forum zum Umgang mit Fake News in der Schule bis zu einer Langen Nacht der falschen Wahrheit.

Die Schau solle spielerisch Lust machen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Es sei mit dem Appell verbunden, dass es auf jeden Einzelnen ankommt. "Denn die Verantwortung und der Umfang mit dem schmalen Grat von Wahrheit und Lüge darf nicht delegiert werden." Jeder sei gefordert, vermeintliche Informationen zu deuten und weiterzugeben oder nicht, auch wenn das angesichts der Informationsüberflutung schwierig sei. dpa

"Fake. Die ganze Wahrheit", Deutsches Hygiene-Museum Dresden (DHM), 14. Mai bis 5. März

Eine Mitarbeiterin des Deutschen Hygiene-Museums Dresden sitzt in der Ausstellung "Fake. Die ganze Wahrheit" zwischen zwei Lügendetektoren
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Eine Mitarbeiterin des Deutschen Hygiene-Museums Dresden sitzt in der Ausstellung "Fake. Die ganze Wahrheit" zwischen zwei Lügendetektoren


Ukrainische Video-Arbeiten in Essen

Mit der Ausstellungen "Visions of Ukraine" zeigt das Museum Folkwang in Essen an zwei Orten – als Online-Ausstellung und in der sogenannten "Filmbox" des Museums – zeitgenössische Video-Arbeiten von ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern. Darunter sind Yarema Malashuk, Roman Himey, Dana Kavelina, Jana Bachynska und Fantastic Little Splash. Gastkurator und Künstler Mykola Ridnyi ist auch mit einer eigenen Arbeit vertreten.

Im Kontext der seit 2014 andauernden kriegerischen Aggression Russlands präsentiert das Folkwang-Museum dreizehn filmische Arbeiten aus den letzten zehn Jahren. Sie thematisieren die Geschichte der Ukraine, ihre kulturelle Selbstbestimmung und die sozialen und politischen Gegensätze im Land.

Die Filmausstellung ist in zwei Kapitel gegliedert. Im ersten Teil, "Performing Trauma, Conflict and Utopia" (Aufführung von Trauma, Konflikt und Utopie) werden die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler gezeigt, die Verbindungen zwischen der Vergangenheit und Gegenwart herstellen. Insbesondere werden hier die Zukunftsvisionen des Einzelnen, aber auch die des ganzen Landes thematisiert. Das zweite Kapitel "Raw Cut of War" (Rohschnitt des Krieges) widmet sich dem visuellen Storytelling in den sozialen Medien.

Online: "Visions of Ukraine", Museum Folkwang Essen, verfügbar auf Website und Youtubekanal des Museums

Vor Ort: "Visions of Ukraine", Museum Folkwang Essen, 20. Mai bis 21. August.

Fantastic Little Splash "Armed and Happy", 2019
© the Artists

Fantastic Little Splash "Armed and Happy", 2019

 

Frankfurt ehrt den König der Kunstbücher

Seit mehr als 50 Jahren ermutigt der Buchhändler und Verleger Walther König Künstlerinnen und Künstler dazu, Bücher zu machen. Viele davon sind bleibende Meilensteine für deren Karrieren, der Verlag und die künstlerischen Ideen wuchsen seit den 1960erJahren gemeinsam.

Die frühesten und bahnbrechenden Künstlerausgaben haben heute selbst den Status von Kunstwerken, man denke an Stanley Brouwns „This way Brouwn“ aus den 1960erJahren. Er hielt Passanten Zettel und Stift hin und bat sie, ihm den Weg zum Bahnhof aufzuzeichnen. Die faksimilierte Sammlung wurde zum Künstlerbuch und Walther König bekannt dafür, auch scheinbar abseitige Ideen zwischen zwei Buchdeckeln möglich zu machen.

Heute gibt es knapp 50 König-Filialen, die meisten davon in großen Museen. Das Stammhaus in der Kölner Ehrenstraße, nach eigenen Angaben die größte Kunstbuchhandlung der Welt, hat längst selbst den Charakter eines Ausstellungsorts. Künstlerinnen und Künstler, die dem Verlag verbunden sind, und das sind fast alle, richten dort Schaufensterausstellungen ein.

Die Abteilung Buchkunst und Grafik des Museums Angewandte Kunst widmet dieser außergewöhnlichen kreativen Liaison jetzt eine Ausstellung, in der sich ganz klar zeigt, was Künstlerbücher von Ausstellungskatalogen unterscheidet und wie eine gelungene Zusammenarbeit sie zu eigenständigen Kunstwerken machen kann. Silke Hohmann

"Erfolgsprogramm Künstlerbücher. Der Verlag der Buchhandlung Walther König", Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, bis 27. August

Sascha Weidner „The Far Flowered Shore“, 2017
Foto: Günzel/Rademacher, © Museum Angewandte Kunst

Sascha Weidner „The Far Flowered Shore“, 2017

 

Herbert List in Hamburg

Erotische Bilder von jungen Männern, Fotografien von antiker Architektur in Griechenland und Aufnahmen vom Straßenleben in Italien: Im Rahmen der 8. Triennale der Photographie präsentiert das Bucerius Kunstforum eine Retrospektive über den Hamburger Fotografen Herbert List (1903–1975). Bis zum 11. September bieten rund 240 Vintage Prints, Erstausgaben von Publikationen und selten gezeigte Reportage-Fotografien einen Einblick in das Werk des Magnum-Fotografen, teilte das Kunstforum am Donnerstag mit. Die Ausstellung wurde zusammen von Kathrin Baumstark, der Direktorin des Bucerius Kunst Forums, und Ulrich Pohlmann, dem Leiter der Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum, kuratiert.

Herbert List, 1903 als ältester Sohn eines Kaffeehändlers in Hamburg geboren, ging seinem frühen Interesse für Kunst und Fotografie ab 1930 intensiver nach. 1936 entschied er sich für eine Fotografen-Laufbahn. Die Bedrohung durch die Nationalsozialisten als homosexueller Mann mit einem jüdischen Großvater veranlasste ihn 1936, Deutschland zu verlassen und nach Paris zu gehen. 1937 brach er für einige Monate nach Griechenland auf. Im Laufe seines Lebens kehrte er immer wieder dorthin zurück. Um einer Verhaftung in Griechenland zu entgehen, ließ er sich 1941 in München nieder. Die Stadt wurde sein Lebenszentrum und Ausgangspunkt für seine zahlreichen Reisen. dpa

"Herbert List: Das magische Auge", Bucerius Kunstforum Hamburg, 14. Mai bis 11. September

Herbert List "Ringende Jungen", 1933
© Herbert List Estate / Magnum Photos / Agentur Focus

Herbert List "Ringende Jungen", 1933

 

Dreamachine in London und Cardiff

Die Idee für die "Dreamachine" ist schon mehr als 60 Jahre alt: Aber erst ab dieser Woche kann das Kunstprojekt, das Besucher auf eine Reise in ihre eigene Psyche mitnehmen soll, in London erlebt werden. Der US-amerikanische Künstler Brion Gysin (1916-1986) legte im Jahr 1959 mit einem experimentellen Gerät, das flackernde, kaleidoskopische Lichteffekte erzeugte, den Grundstein für die «Dreamachine». Seine Vision war es, einen Ersatz für das passive Wahrnehmen von Massenmedien zu schaffen und stattdessen die Kreativität anzuregen, um eigene Kino-Erlebnisse in den Köpfen von Menschen zu erzeugen. Gysin starb, bevor er sein Werk vollenden konnte.

Ein Team aus Architekten, Neurowissenschaftlern, Philosophen, Technologie-Experten und Musikern  darunter der Komponist Jon Hopkins hat das Projekt, das von verschiedenen Sound- und Lichteffekten lebt, nun publikumsreif gemacht.

"Jede Erfahrung in der Dreamachine ist völlig individuell", heißt es auf der Internetseite des Projekts. "Es kann sich anfühlen wie eine Achterbahnfahrt, eine Reise durch Zeit und Raum oder vielleicht nickt man auch ein."

Das nach Veranstalterangaben "erste Kunstwerk, das man mit geschlossenen Augen erleben kann" ist zunächst in London und Cardiff erlebbar. Später soll es auch in Edinburgh (13. August bis 25. September) und Belfast (25. Juli bis 4. Dezember) zu sehen sein. Das Projekt, bei dem sich die Anwesenden auch über ihre Erfahrungen austauschen können, ist Teil des "Unboxed"-Festivals, zu dem in diesem Jahr über das Vereinigte Königreich hinweg verschiedene Kunstprojekte gehören. dpa/monopol

Dreamachine in London, bis 24. Juli

Dreamachine in Cardiff, bis 18. Juni

 

Bergbausammlung von Axel Kasseböhmer in Moers

Im Schacht IV des Maschinengebäudes Rheinpreussen in Moers werden am Sonntag gleich zwei Ausstellungen eröffnet: Eine zeigt Werke des 2017 verstorbenen Künstlers Axel Kasseböhmer, die andere eine Bergbausammlung aus seinem Nachlass. In der Kunstausstellung sind Ölgemälde Kasseböhmers zu sehen, der Schüler von Gerhard Richter war. Kuratiert haben die Ausstellung seine Schwester Anne Frank und die Galerie Sprüth Magers Berlin.

Zwei Jahre lang war der Publikumsbetrieb in dem Gebäude geschlossen gewesen. Mit Kasseböhmers Bergbausammlung öffnet der Schacht jetzt wieder. Ehemalige Bergleute und Helfer haben die Zeit genutzt, um die Sammlung zu restaurieren. Mit dem vorhandenen Bestand wird sie nun in grundlegend überarbeiteter Form neu präsentiert.

Bergbausammlung und Kasseböhmer-Gemälde, Grafschafter Museums- und Geschichtsverein, Maschinengebäude Rheinpreussen Schacht IV (Zechenstraße 50), Moers, ab Sonntag, den 15. Mai

Foto: Courtesy Sprüth Magers
Foto: Courtesy Sprüth Magers

Axel Kasseböhmer

 

Andy Warhol in Münster

In Münster werden ab Samstag Werke des US-Künstlers Andy Warhol (1928-1987) ausgestellt. Im Kunstmuseum Pablo Picasso läuft die Schau "Andy Warhol" bis Mitte September. Die Besucher können sich rund 80 Druckgrafiken sowie Filme des bedeutenden Vertreters der amerikanischen Pop Art ansehen.

Die Druckgrafiken stammen aus einer deutschen Privatsammlung. Dazu gehören unter anderem Warhols bekannte Porträts von Hollywoodstars. Unter den Ausstellungsstücken findet sich auch ein Ebenbild des zuletzt in New York versteigerten Gemäldes der Popikone Marilyn Monroe. "Die Werke stammen aus den Jahren 1954 bis 1987 und bieten damit einen Querschnitt durch Warhols gesamtes druckgrafisches Schaffen", sagte die Kuratorin Ann-Katrin Hahn am Freitag. Die Ausstellung zeigt außerdem acht Experimentalfilme aus dem Andy Warhol-Museum in Pittsburgh. Es handle sich dabei um schwarz-weiße Stummfilme, in denen Warhol die dargestellten Menschen in "schonungsloser Nahaufname" porträtierte, so Hahn.

Dass Warhols Werke im Picasso-Museum präsentiert werden, ist ebenfalls Thema der Schau: In der Studio-Ausstellung "Kunst nach Kunst – Picassos Variationen nach Alten Meistern" wird das künstlerische Schaffen der beiden Künstler miteinander verknüpft. "Warhol bewunderte Picasso und Picasso ignorierte Warhol", sagte der Museumsleiter Markus Müller. "Ab jetzt kann Picasso ihn nicht mehr ignorieren, denn er ist zu Gast in seinem Haus." dpa

"Andy Warhol", Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, 14. Mai bis 18. September

Eine Mitarbeiterin des Museums sitzt in der Ausstellung "Andy Warhol" im Kunstmuseum Pablo Picasso vor den Werken "Marilyn Monroe (Marilyn)"
Foto: Guido Kirchner/dpa

Eine Mitarbeiterin des Museums sitzt in der Ausstellung "Andy Warhol" im Kunstmuseum Pablo Picasso vor den Werken "Marilyn Monroe (Marilyn)"

 

Deutschland und die Neue Sachlichkeit in Paris

Otto Dix, George Grosz, Christian Schad, Max Beckmann und August Sander: Werke der Vertreter der Neuen Sachlichkeit werden seit Mittwoch in einer Ausstellung im Pariser Centre Pompidou gezeigt. Bis zum 5. September widmet das Museum der in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Kunstrichtung eine große Werkschau - die erste umfangreiche und genreübergreifende Ausstellung in Frankreich. 

Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Literatur, Architektur, Theater, Film: Die Bewegung (1918/19-1933) hat fast alle Bereiche der Kunst umfasst, wie das Museum mit der Werkschau "Deutschland – 1920er Jahre – Neue Sachlichkeit – August Sander" dem französischen Publikum zeigen will. Kein leichtes Unterfangen, denn die Bewegung ist der französischen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. 

Die Schau beginnt mit dem Porträt, das Grosz von dem Schriftsteller Max Herrmann-Neisse gemalt hat. Ein Bild eines Mannes mit kahlem Schädel und skelettartigen Händen, das von konzessionslosem Realismus und verstörender Nüchternheit ist - charakteristische Stilmerkmale der Neuen Sachlichkeit. 

Auch der Fotograf August Sander (1876-1964) steht im Fokus der Werkschau, vor allem sein einzigartiges Werk "Menschen des 20. Jahrhunderts", sachlich-dokumentarische Porträts von Menschen seiner Zeit wie Soldaten, Ärzte, Anwälte, Arbeitslose, Bäcker oder Lehrer. 

Walter Gropius, Marcel Breuer, Bertolt Brecht, Erich Kästner und Paul Hindemith: Architekten, Schriftsteller, Dramaturgen und Komponisten ergänzen mit ihren realitätsbezogenen Werken die Ausstellung, die erfolgreich illustriert, dass Deutschland in den 1920er Jahren das Epizentrum der Neuen Sachlichkeit war. dpa

"Allemagne / Années 1920 / Nouvelle Objectivité / August Sander", Centre Pompidou Paris, bis 5. September

Besucher gehen durch die Werkschau "Deutschland / 1920er Jahre / Neue Sachlichkeit / August Sander". Rechts hängt das Gemälde "An die Schönheit", ein Selbstbildnis von Otto Dix aus dem Jahr 1922
Foto: Sabine Glaubitz/dpa

Besucher gehen durch die Werkschau "Deutschland / 1920er Jahre / Neue Sachlichkeit / August Sander". Rechts hängt das Gemälde "An die Schönheit", ein Selbstbildnis von Otto Dix aus dem Jahr 1922