Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Berlin, Frankfurt am Main, Hongkong, Marburg, Metz, Rostock, Zeitz und Zwickau

Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. In den meisten Bundesländern entfällt inzwischen die Maskenpflicht in Innenräumen, Museen können diese jedoch in ihren Häusern weiter beibehalten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website

 

"Fakes, Fictions, and Forensics" in Berlin

Im Feldfünf e.V., untergebracht im Berliner Metropolenhaus, findet am Wochenende die Gruppenausstellung "Fakes, Fictions, and Forensics" statt. Diese konzentriert sich auf weibliche Identitäten – und insbesondere auf die Fakes, Realitäten und Wahrnehmungen, die sie ausmachen.

Die Ausstellung ist Teil von "Gossip Gossip Gossip", einer Plattform für Performances und Ausstellungen im Berliner Stadtraum. Konzipiert und kuratiert wurde sie von Anja Lückenkemper und Sandra Teitge. In diesem Jahr finden fünf Veranstaltungen in Berlin statt, "Fakes, Fictions, and Forensics" stellt den ersten Teil der Reihe dar.

Arbeiten der Künstlerinnen Anna EhrensteinNora Heinisch, Natalie Paneng und Franziska Pierwoss sollen ein neues Verständnis von "Gossip" entwickeln: nicht als "leeres Gerede", sondern als emanzipatorische Wiederaneignung und kulturelles Lernen.

"Gossip Gossip Gossip: Fakes, Fictions, and Forensics (1/5)", feldfünf im Metropolenhaus (gegenüber dem Jüdischen Museum Berlin), bis 29. Mai

 

CTM Festival in Berlin

Das Motto des diesjährigen CMT Festivals für Musik und Kunst in Berlin lautet "Contact". Seit zwei Jahren konnte es nicht mehr in gewohnter Form stattfinden. Im Zusammenhang mit der Pandemie erhielt der Kontakt zu anderen Menschen als elementarer Bestandteil eines jeden Cluberlebnisses eine besondere Bedeutung.

Während des zweiten Teils des Festivals finden nun unter anderem Diskussionsreihen im Kunsthaus Bethanien statt. In der Berghain-Säule ist die audio-visuelle Installation "Vandals" von Theresa Baumgartner, Sam Slater und Lukas Malkowski zu sehen. Viele weitere Veranstaltungen finden in Berliner Institutionen wie dem Berghain, SchwuZ oder Heimathafen Neukölln statt.

"CTM Festival for Adventurous Music and Art", Berlin, bis 29. Mai

 

Erich Dieckmann in Berlin

Zum ersten Mal seit über 30 Jahren wird dem Möbelgestalter, Bauhäusler und Burg-Lehrer Erich Dieckmann eine große Einzelausstellung gewidmet. Etwa 120 Möbel, Grafiken, Entwürfe, Zeichnungen sowie zeitgenössische Positionen, die sich mit Dieckmanns gestalterischen Ansätzen beschäftigen, sind im Berliner Kunstgewerbemuseum zu sehen.

Die Ausstellung würdigt mit Dieckmann einen Gestalter, der wie Marcel Breuer mit Formen und Materialien experimentierte und Typenmöbelprogramme nach streng geometrischen Formen entwickelte. Dieckmanns Haltung und Nähe zum Nationalsozialismus lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren und muss daher überaus kritisch betrachtet werden.

"Stühle. Dieckmann! Der vergessene Bauhäusler Erich Dieckmann", Kunstgewerbemuseum, Berlin, bis 14. August 

© Galerie Fiedler

Erich Dieckmann "Sessel Nr. 8139", 1930–1931, Ausführung: Cebaso, Ohrdruf i.Thüringen

 

"World Press Photo"-Ausstellung in Berlin

Jedes Jahr zeichnet der World Press Photo Contest die besten Fotojournalistinnen und -journalisten sowie die besten Dokumentarfotografinnen und-fotografen aus. Der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus präsentiert die World Press Photo Ausstellung im Berliner Willi-Brandt-Haus.

Dieses Jahr wurden 64.823 Beiträge von 4.066 Fotografen aus 130 Ländern eingereicht. Seit diesem Jahr werden die Bewerbungen in sechs Regionen eingeteilt: Afrika, Asien, Europa, Nord- und Mittelamerika, Südamerika sowie Südostasien und Ozeanien. In jeder Region gibt es vier formatbasierte Kategorien: Einzelbild, Stories, Langzeitprojekt und offenes Format.

Das World Press Photo of the Year hat in diesem Jahr Amber Bracken aus Kanada fotografiert. Die roten Kleider auf ihrem Bild, die an Kreuzen entlang eines Straßenrands aufgehängt wurden, erinnern an verstorbene Kinder. Sie sind in der Kamloops Indian Residential School in British Columbia ums Leben gekommen. Im 2021 wurden dort 215 unmarkierte Gräber entdeckt.

"World Press Photo Ausstellung 2022", Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Berlin, bis 12. Juni

 

Kryptokunst in Frankfurt

Was ist eine Blockchain? Was sind NFTs? Wie funktioniert Kryptowährung? Das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst widmet sich der Bedeutung von Blockchain und ihren praktischen Anwendungen. "Wir wollen die Technologie für alle verständlich machen", sagt Tuan Khanh Hoang Nguyen, der das Projekt gemeinsam mit zwei Partnern entwickelt hat. NFTs ("Non-fungible Token") ermöglichen es, digitale Inhalte mit einem nicht austauschbaren Besitzzertifikat zu versehen. Technisch gesehen handelt es sich bei NFTs um Einträge in einem endlos fortgeschriebenen Digitalregister, der sogenannten Blockchain.

Im Foyer des Museums ist eine Installation aufgebaut - ein Liegestuhl mit Sonnenschirm und auch Sessel wie im heimischen Wohnzimmer. Von dort können auf Monitoren Kunstwerke aus verschiedenen Bereichen der digitalen Kunst betrachtet werden, beispielsweise solche, die von einer Künstlichen Intelligenz generiert worden sind. Die Werke, allesamt digitale Dateien, hat das Team mit Kryptowährung gekauft.

Und die Macher haben sich noch eine Besonderheit ausgedacht: "Wir werden während der Ausstellung zwei Wochen lang unsere Monitore zur Verfügung stellen, und die Community kann bestimmen, welche Bilder gezeigt werden", erklären sie. Diese Auswahl finde mit Hilfe von sogenannten Smarts Contracts auf der Blockchain statt. Darüber hinaus sollen die Besucher bei vier Vorträgen und zwei Podiumsdiskussionen an das Thema herangeführt werden. (dpa)

"Unblock Gaudi", Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, bis 24. Juli

 

130 internationale Galerien bei der Art Basel/Hongkong

Die Corona-Lage in Hongkong hat sich entspannt, allerdings ist die Situation in China noch unsicher – und der politische Druck bleibt: Die Rahmenbedingungen für die Art Basel/Hongkong sind wieder mal nicht einfach.

Trotzdem verbreiten die Organisatoren Optimismus. 130 internationale Galerien nehmen teil, es gibt kuratierte Beiträge mit Künstlern aus dem asiatisch-pazifischen Raum, eine Sektion für Emerging Artists – und die Hoffnung, dass die chinesischen Sammler einreisen können.

Art Basel/Hongkong, 27. bis 29. Mai

Foto: Courtesy Art Basel

Art Basel / Hong Kong, 2022

 

Ausstellung zu Jüdischem Leben und virtuelle Synagoge in Marburg

Anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der Stadt Marburg ist dort aktuell eine Ausstellung zu Jüdischem Leben in der hessischen Stadt zu sehen. Diese verantwortete die Religionskundliche Sammlung der Philipps-Universität Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Marburg und dem Fachdienst Kultur der Stadt.

Die Ausstellung soll zeigen, dass Erinnerungen nicht rückwärtsgewandt zu verstehen sind. Stattdessen prägen sie das das Selbstverständnis in der Gegenwart. In der Ausstellung werden Portraits von Jüdinnen und Juden gezeigt, die ihre Geschichten erzählen: Diese handeln von Familien-Erbstücken, religiösen Objekten. Fotos und Interviews zeigen das Leben von Jüdinnen und Juden in Marburg.

Außerdem wurde die mittelalterliche Synagoge am Ende des Obermarktes virtuell wiederaufgebaut. Unter anderem an der Marburger Adresse Markt 23 kann diese Rekonstruktion im 360-Grad-Format mit Virtual-Reality-Brillen besichtigt werden. Umgesetzt wurde das Projekt von der Firma Inosoft. Alle Räume der Synagoge können erkundet werden.

"Jüdisches Leben in Marburg: Erinnern schafft Identität", Religionskundliche Sammlung der Philipps-Universität Marburg, Rathaus (Markt 1), bis 25. August

"Stadtgeschichte*n 1222-2022", Museum für Kunst- und Kulturgeschichte der Philipps-Universität, Markt 23, Marburg

INOSOFT AG

Die virtuell wieder aufgebaute Synagoge, Außenansicht von oben

 

Eva Aeppli in Metz

Figuren in schwarzen Kutten, 13 menschengroße Textilskulpturen mit ausdrucksstarken Gesichtern, die um einen Tisch sitzen und an Leonardo da Vincis "Letztes Abendmahl" erinnern. Eva Aeppli, die erste Frau des Maschinenkunst-Meisters Jean Tinguely, hat zu Lebzeiten ein eigenständiges und originales Werk geschaffen. Das Centre Pompidou in Metz widmet der 2015 verstorbenen Schweizer Künstlerin bis zum 14. November die erste Retrospektive in Frankreich.

"Der Tisch", "Gruppe der 48" und "Die fünf Witwen": Bedeutende Figuren-Installationen, die das Centre Pompidou in Metz als Leihgaben aus Museen in Stockholm und der Schweiz hat kommen lassen. Sie stehen im Dialog mit Arbeiten von Louise Bourgeois und Annette Messager, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle. Dies unterstreicht, wie sehr ihre Kunst die zeitgenössische Szene beeinflusst hat. 

Die Künstlerin wurde 1925 in Zofingen in der Schweiz geboren und ließ sich 1952 in Frankreich nieder, wo sie enge Freundschaften zu Künstlern wie Daniel Spoerri und Niki de Saint Phalle knüpfte. Aeppli, die von 1951 bis 1960 mit Jean Tinguely verheiratet war, starb 90-jährig in der nordfranzösischen Künstlerstadt Honfleur. Sie schuf über dreihundert Plastiken, Gemälde und Zeichnungen. 

Totentänze, Gerippe, Skelettberge, Köpfe, Schädel, Hände und lebensgroße Stofffiguren mit ihren durch Nähte gezeichneten Narben:  Schon zu Beginn ihrer Karriere in den 1950er-Jahre war ihr Thema der verzweifelte Mensch. Die Ausstellung illustriert in einer aufwendigen Szenografie die Originalität einer Künstlerin, deren radikales und rätselhaftes Gesamtwerk beklemmt und überwältigt. (dpa)

"Le Musée sentimental d’Eva Aeppli", Centre Pompidou, Metz, bis 14. November

Foto: Sabine Glaubitz/dpa

Blick in die Ausstellung von Eva Aeplli "Das sentimentale Museum" in Metz, Frankreich

 

Armin Mueller-Stahl in Rostock

Eine Ausstellung mit rund 80 Werken von Armin Mueller-Stahl ist im Schaudepot der Rostocker Kunsthalle zu sehen. Der 91-Jährige, der international vor allem als Schauspieler bekannt ist, nahm selbst an der Ausstellungseröffnung teil. In seinem jüngsten Werk beschäftigt er sich mit dem Ukraine-Krieg. Dieser Krieg erschüttere ihn, sagte Mueller-Stahl, der auch den Zweiten Weltkrieg erlebte. "Krieg ist das Widerlichste, was Menschen anderen Menschen antun können. Punkt."

Für Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann ist das impressionistische Ukraine-Bild eher unüblich für Mueller-Stahl, der sonst mehr für expressionistische Werke bekannt sei. Das Bild wirke bedrohlich und sei eine Auseinandersetzung mit dem Geschehen in der Ukraine. "Es war uns wichtig, dieses Werk auszustellen. Es zeigt, wie aktuell Mueller-Stahl arbeitet", sagte Neumann.

Viele Arbeiten von Mueller-Stahl zeigen Porträts jüdischer Künstler, die in seinem Leben zu wichtigen Weichenstellungen beitrugen. "Das sind alles ungeheuer aktive Leute, die in mein Leben eingegriffen haben." Deshalb habe er 100 Porträts von jüdischen Freunden und Kollegen gezeichnet. Dies sei wichtig in dieser Zeit, in der Antisemitismus so häufig zu begegnen sei. (dpa)

Armin Mueller-Stahl: "Alle Kunst will Musik werden", Kunsthalle Rostock, bis 18. September

Foto: Frank Hormann/dpa

Ausstellung mit Gemälden und Zeichnungen des Schauspielers Armin-Mueller-Stahl in Rostock

 

"Alien"-Erfinder HR Giger in Zeitz

Plakate, Skulpturen, Möbel und Requisiten: Dem Leben und Wirken des Künstlers und "Alien"-Erfinders HR Giger (1940-2014) widmet das Museum Schloss Moritzburg Zeitz eine Ausstellung. Die Schau "HR Giger – Alien goes to Zeitz" mit Exponaten des Sammlers Jörg Czwikla ist bis 30. Oktober zu sehen. Eigens für den Ausstellungsort wurde das Sammelsurium nach Angaben der Stadt neu konzipiert.

Weltweit bekannt wurde HR Giger durch den Science-Fiction-Film "Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" aus dem Jahr 1979 (Regie: Ridley Scott). Ein Jahr später wurde der Künstler mit Vorliebe für düstere, biomechanische Darstellungen dafür mit dem Oscar belohnt. Präsentiert werden unter anderem Stücke aus der 1988 eröffneten und längst geschlossenen Giger-Bar in Tokio. Auch Zeichnungen und überarbeitete Lithografien des für seinen erotisch-morbiden Stil bekannt gewordenen Schweizers sind Teil der Schau.

Die Ausstellung wird laut Stadtverwaltung von einem Rahmenprogramm begleitet. Am 12. Juni ist demnach eine Sonderführung mit Czwikala geplant, in der er die Besucherinnen und Besuchern in die Geheimnisse und Besonderheiten seiner Sammlung einweihen möchte. Am 16. Oktober soll im Kino Zeitz die Dokumentation "Dark Star – HR Gigers Welt" gezeigt werden. Auch bei der Lesung mit Schauspieler Peter Lohmeyer im Capitol am 29. Oktober dreht sich den Angaben zufolge alles um den Schweizer Kreativen. (dpa)

"HR Giger – Alien goes to Zeitz!", Museum Schloss Moritzburg Zeitz, bis 30. Oktober

Foto: Matthias Belz, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23616281

HR Giger im Jahr 2012

 

Max Pechstein in Zwickau

Es ist eine bisher unbeachtete Facette im Werk des Expressionisten Max Pechstein: Die Kunstsammlungen Zwickau stellt ihn in einer Ausstellung als Fotografen vor. Kern der Schau sind Aufnahmen, die Pechstein 1927 in Hinterpommern mit einer Klappkamera gemacht hat. Bisher schlummerten sie in einem Album in Familienbesitz. Die Ausstellung "Seegewohnheiten" stellt die Bilder in Bezug zu anderen Werken des Künstlers. So dienten ihm die Fotos als Vorlagen für Arbeiten auf Papier oder Leinwand. Oft finden sich Motive aus früher entstandenen Werken aber auch später in den Fotografien wieder.

Die Schau stellt diese Zusammenhänge anschaulich her. So etwa bei der Tuschearbeit "Kartoffelschälerin", Holzschnitten von Fischern mit ihrem Fang oder dem Ölgemälde "Bauer beim Dengeln". Insgesamt sind laut Kuratorin Annika Weise mehr als 70 Fotografien und 35 Werke des Mitglieds der Künstlergruppe "Brücke" zu sehen. Pechstein wurde 1881 in Zwickau geboren und starb 1955 in West-Berlin. (dpa)

"Seegewohnheiten - Max Pechstein: Fotografie", Kunstsammlungen Zwickau, bis 11. September 2022