Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Cochon de Cauchemar "Portrait"
Credit: Forecast Forum 7, Character & Costume by Cochon de Cauchemar, Foto: Kai Heimberg

Cochon de Cauchemar "Portrait"

Die Kunst der Woche in Augsburg, Baden-Baden, Berlin, Bernried am Starnberger See, Duisburg, Halle, Ludwigshafen, Mannheim, Monaco, New York, Weimar und Wiesbaden

Die Klasse Anselm Reyle in Augsburg

Im historischen Kuppelsaal des Augsburger Industriedenkmals Glaspalast präsentiert die Galerie Noah eine Schau, die sich um den bekannten deutschen Künstler Anselm Reyle und seine Klasse an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste dreht. Dort ist er seit dem Jahr 2009 Professor und hat schon viele Künstlerinnen und Künstler zu erfolgreichen Positionen in der Kunstwelt verholfen.

Bei den Künstlerinnen und Künstlern, die Teil der Ausstellung sind, handelt es sich allesamt um ehemalige Meisterschüler Reyles. Darunter sind Chris Drange, Christian Holze, Helen Hu, Nanhee Kim, Katsuhiko Matsubara, Matthew Muir, Juno Rothaug, Xiyao Wang und Albrecht/Wilke. Sie alle feiern bereits Erfolge in der Kunstszene, viele stellen gleichzeitig auch anderswo aus. Die Werke sind frech, voller Humor, teils ernsthaft interpretierend. Es findet sich ein gemalter Instapost unter den Werken oder eine Bratwurst unter der Sonne eines bekannten Solariumbetreibers.

Reyle selbst studierte Kunst an den Akademien in Stuttgart und Karlsruhe, zog 1997 nach Berlin und wurde schnell erfolgreich: Nicht nur, dass Reyle in jungen Jahren bei der größten Galerie der Welt, Gagosian in New York, unterkam. Auch in den größten Museen, wie der Tate Modern in London, den Deichtorhallen in Hamburg oder dem Aranya Art Center in China, hat er bereits ausgestellt. Reyle gilt als Übersetzer der Moderne ins Heute. Allen voran faszinierte ihn dabei der abstrakte Expressionismus von Jackson Pollock und Barnett Newman, die amerikanische Minimalart, die deutsche konkrete Kunst oder der russische Konstruktivismus. Reyle klebt Folie auf, versprüht Lacke, lässt Neonröhren leuchten oder versieht plüschige Sitzkissen mit dem Abbild zerknüllten Cellophans oder verarbeitet Fundstücke jeglicher Art. Die Grenze seiner Kunst zum Design ist fließend: Er kooperierte unter anderem mit Meissen Porzellan oder Dior.

"Die Klasse Anselm Reyle“, Galerie Noah, Augsburg, bis 18. September

Anselm Reyle "Untitled", 2022
Courtesy of the artist

Anselm Reyle "Untitled", 2022

"Die Maler des Heiligen Herzens" in Baden-Baden

Die farbenfrohe Bilderwelt französischer Künstler jenseits des akademischen Betriebs ist in Baden-Baden zu erleben. Von diesem Samstag an stellt das Museum Frieder Burda fünf große Autodidakten vom Anfang des 20. Jahrhunderts vor: André Bauchant, Camille Bombois, Séraphine Louis, Henri Rousseau und Louis Vivin. Die Künstler gelten als Vorreiter einer authentischen Kunst - bekannt auch als "Naive Kunst".

Im wahren Leben Zöllner, Gärtner oder Jahrmarkt-Ringer schufen sie als Autodidakten nach Angaben des Museums einen Bilderkosmos, der bis heute durch sinnliche Unmittelbarkeit besticht. Blumen, Früchte, Tiere und Landschaften künden von einer unmittelbaren Naturverbundenheit.

Die fünf zählten zum Kreis der "Maler des Heiligen Herzens", nach dem die bis 20. November dauernde Schau benannt ist. Der deutsche Kunsthistoriker und Galerist Wilhelm Uhde (1874–1947) ist Namensgeber der von ihm so zusammengefassten Gruppe unabhängig voneinander agierender Künstler. 1928 hatte Uhde ihre erste gemeinsame Ausstellung in Paris organisiert.

Die Schau in Baden-Baden folgt den Spuren der fünf Maler und würdigt zugleich ihren Entdecker und Förderer Uhde. Nach Angaben des Museums Frieder Burda werden die Künstler erstmals in diesem Umfang gewürdigt. Die Schau umfasst Werke der Sammlungen Charlotte Zander (1930–2014), Fondation Beyeler und der Sammlung Scharf-Gerstenberg.

"Die Maler des Heiligen Herzens", Museum Frieder Burda, Baden-Baden, 16. Juli bis 20. November 

Camille Bombois "Femme assise sur le puits", circa 1925
Sammlung Zander © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Camille Bombois "Femme assise sur le puits", circa 1925

 

"Begin Again" in Berlin

"Das Einzige, was das Leben möglich macht, ist die permanente, unerträgliche Ungewissheit, nicht zu wissen, was als Nächstes kommt." Dieses Zitat der Science-Fiction-Autorin Ursula K. Le Guin schwebt über der Ausstellung "Begin Again", die in der Gallery Damdam im Koreanischen Kulturforum Berlin zu sehen ist. Die präsentierten Werke widmen sich dem Spannungsverhältnis zwischen der Unsicherheit, die stetige Veränderung mit sich bringt und der Notwendigkeit positiv-progressiver Entwicklungen. Auch in London soll die Ausstellung gezeigt werden.

Alle Künstlerinnen und Künstler, die ihre Werke in der Ausstellung präsentieren, sind Finalisten einer Ausschreibung der Koreanischen Kulturzentren in Deutschland und Großbritannien. Sie alle nähern sich dem Thema der Ausstellung auf unterschiedliche Art und Weise.

Kyungmin Sons Werke drücken den Reifeprozess des Körpers im Laufe der Zeit aus. Ya-wen Fu bezieht sich anhand einer Skulptur, die Teile des Körpers nachbildet, auf die Beziehung zwischen dem Körper und dem Selbst. Nina Nowak nähert sich mit ihren großformatigen Siebdrucken Raum und Zeit auf spekulative Weise. Sooun Kim ist eine Künstlerin, die mit dem Fokus auf die Generationen arbeitet, in der Vergangenheit und Gegenwart kollidieren. Yambe Tam hat mit einem 3D-Drucker eine Skulptur geschaffen, die aus biologischer Sichtweise von einer Biene inspiriert ist. Iden Sungyoung Kim präsentiert Archivkunstwerke, die durch dokumentarische Aufzeichnungen wie zum Anthropozän und zur Entwicklung der Atomkraft erfasst wurden. Zudem wird auch die Publikation "10%", an der die Künstlerin mitgewirkt hat, ausgestellt.

Iden Sungyoung Kim "Ground Zero", 2018: Die Video-Installationsarbeit ist eine Recherche zu dokumentarischer und archivalischer Kunstpraxis als kulturelles Artefakt, mit der auch Vorfälle in der Gesellschaft gedacht und bewertet wurden: Ein sogenannter „Third Effect“ zwischen historisch archivierten Interviews, Filmen und sogar Orten, die noch mit dem Nuklearzeitalter und dem Anthropozän verbunden
Courtesy of the artist, Foto: Miji Ih

Iden Sungyoung Kim "Ground Zero", 2018: Die Video-Installationsarbeit ist eine Recherche zu dokumentarischer und archivalischer Kunstpraxis als kulturelles Artefakt, mit der auch Vorfälle in der Gesellschaft gedacht und bewertet wurden: Ein sogenannter „Third Effect“ zwischen historisch archivierten Interviews, Filmen und sogar Orten, die noch mit dem Nuklearzeitalter und dem Anthropozän verbunden

"Forecast Forum" in Berlin 

Dieses Wochenende verwandelt sich das Radialsystem in Berlin mit dem 7. Forecast Forum wieder in ein brodelndes Kreativ-Labor. Auf allen Stockwerken, in den Studios und auf den Bühnen finden Performances und Live-Aufführungen statt, von Tanz- über Vokal-, Sound- und Musik-Acts, Slapstick Comedy, Film-Screenings bis zu Multi-Media-Installationen. 

Von Hongkong bis Uganda, von Pakistan bis Bolivien kommen die 18 Nominierten, die sich und ihre Arbeiten beim Forum des internationalen Mentorship-Programms "Forecast" im Radialsystem präsentieren. Bei Workshops, auf Panels, in Künstler-Gesprächen diskutieren die 6 Mentoren und die von Ihnen ausgewählten 18 Nominees über ihre Arbeiten und geben dem Publikum einen Einblick in neue Kooperations- und kreative Arbeitsprozesse. Bühne frei für die Kreative-Szene von morgen. 

Forecast Forum, Radialsystem Berlin, bis zum 17. Juli 

"It's Brutal Out Here" in Berlin

Materialität und Räumlichkeit werden in der Galerie Parterre Berlin behandelt. Das Kunst-Refugium inmitten des Pankower Ernst-Thälmann-Parks zeigt Arbeiten dreier in Berlin lebender Künstlerinnen und Künstler, die mit Installation, Keramik und Skulptur Machtgefüge bloßlegen: von Faschismus über Kolonialismus, dem Wohnungsmarkt bis zum Patriarchat. Während der Bildhauer Lukas Liese die Route Michelangelos von den Marmor-Steinbrüchen bei Carrara bis ins Weißensee der DDR verfolgt und über die Renaissance faschistischer Bauelemente in der heutigen Investorenarchitektur sinniert, spiegelt sich eben jene in den Miniaturmodellen der Keramik-Künstlerin Zoë Claire Miller. Deren brennenden Nachbildungen des Berliner Schlosses mit seinen Raubgütern und des ehemaligen Kunsthaus Tacheles, das 2014 dem Kapital zum Opfer fiel, thematisieren Ausverkauf und Korruption in der Berliner Stadtplanung. 

Den marmornen Schwergewichten Lieses stehen die textilen Soft-Sculptures von Mary-Audrey Ramirez gegenüber. Inspiriert von oft fälschlicherweise männlich assoziierten Computerspielen, sind ihre Installationen fantastischen Gaming-Welten nachempfunden, ihre Stoff-Monster entziehen sie jeder Zuschreibung von Gut und Böse, sind zugleich niedlich-zart und beängstigend-brutal. Ganz nebenbei verhilft Ramirez mit ihren Stickbildern dem weiblich konnotierten Medium zu einem neuen Image. Statt Blümchen näht sie Kampfszenen und apokalyptische Ungeheuer. Das Arbeiten mit der Nähmaschine, das dem Prozess der Écriture Automatique ähnelt, vergleicht sie mit dem "Ballern" in Shooting-Games statt mit meditativer Handarbeit. 

"It’s Brutal Out Here. Dreidimensionale Arbeiten von Lukas Liese, Zoë Claire Miller und Mary-Audrey Ramirez", Galerie Parterre Berlin, bis 18. September. Mit Kuratorenführung am 21. Juli, 25. August & 8. September

Mary-Audrey Ramirez "Horse Head Nebula w grey QT Critter, BKEEPR‘s Garden", 2020
Foto: Dirk Tacke, Courtesy die Künstlerin und beacon Munich

Mary-Audrey Ramirez "Horse Head Nebula w grey QT Critter, BKEEPR‘s Garden", 2020

"Brücke" meets "Blauer Reiter" in Bernried am Starnberger See 

Eine der größten Ausstellungen von Werken der expressionistischen Künstlergruppen "Brücke" und "Blauer Reiter" startet im Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See. Die Präsentation umfasst 200 Werke, darunter 100 Gemälde. "Sie ist ein sinnliches Großereignis", sagt Museumsdirektor Daniel Schreiber. "Die Ausstellung ist so besonders, weil sie erstmals konsequent die beiden wichtigsten Künstlergruppen der Moderne in Deutschland, die "Brücke" und den "Blauen Reiter", in Dialog zueinander setzt."

Die Bilderschau entstand durch eine Kooperation des Buchheim Museums mit den Kunstsammlungen Chemnitz und dem Von der Heydt-Museum Wuppertal. In beiden Häusern war die Ausstellung bereits in anderer Form zu sehen. Im Buchheim Museum bleibt sie bis zum 13. November.

Dabei sind womöglich letztmalig Werke aus der Privatsammlung Hermann Gerlinger zu sehen, die nach ihrer Versteigerung nicht mehr öffentlich zugänglich sein könnten. Darunter sind "Rote Düne" von Karl Schmidt-Rottluff oder "Landschaft bei Rom" von Erich Heckel, die als Dauerleihgaben viele Jahre im Buchheim Museum heimisch waren.

Zu sehen sind zudem unter anderem Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Emil Nolde für die "Brücke" sowie Marianne von Werefkin, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Paul Klee, Heinrich Campendonk und Franz Marc für den "Blauen Reiter", darunter bekannte Gemälde wie "Die blauen Fohlen".

"Brücke" und "Blauer Reiter" gelten als Begründer der klassischen Moderne in Deutschland. Beide Gruppen seien vereint gewesen in dem Aufbegehren gegen Konventionen des Kunstbetriebs, hätten einander gekannt, teils geschätzt und teils abgelehnt, teilte das Museum mit. Die vergleichende Bilderschau zeige nun, dass die Trennlinie aber weniger zwischen den Gruppen als innerhalb der Gruppen verlaufe.

"Brücke & Blauer Reiter", Buchheim Museum, Bernried am Starnberger See, 16. Juli bis 13. November 

Karl Schmidt-Rottluff "Rote Düne", 1913
Foto: Sammlung Hermann Gerlinger/Buchheim Museum/dpa

Karl Schmidt-Rottluff "Rote Düne", 1913

"Full House" in Duisburg 

"Full House" heißt die Sommerausstellung, die  bis zum 9. Oktober im Museum Küppersmühle (MKM) für moderne Kunst in Duisburg zu sehen ist. Das Museum zeige zahlreiche Werke aus der Sammlung Ströher und schöpfe damit aus einem vielfältigen Spektrum künstlerischer Produktionen von den 1960er Jahren bis heute, teilte das MKM mit.

Zu sehen sind Fotografien von Thomas Florschuetz, Candida Höfer und Katharina Sieverding, Strick- und Herdbilder von Rosemarie Trockel, Gemälde von Rolf-Gunter Dienst, Jörg Immendorff und Rissa sowie eine Rauminstallation von Bildhauer Stephan Balkenhol.

Der Weg durch die Ausstellungsräume öffne den Besuchern überraschende Perspektiven - Blickwinkel und Sichtachsen zwischen den Werken lasse den Betrachter die Kunst immer neu erleben. Als Ergänzung zur MKM-Dauerausstellung der Sammlung Ströher, die den Fokus auf informelle und abstrakte Künstlerinnen und Künstler der Nachkriegskunst legt, werfe "Full House" einen Blick auf die Nachfolgegeneration. "Aus heutiger Sicht ist die Vielfalt der Kunstszene, insbesondere der 1970er- bis 1990er-Jahre, ohne die markante Handschrift der hier ausgestellten Künstlerinnen und Künstler nicht denkbar", sagte Museumsdirektor Walter Smerling.

"Full House", MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, bis 9. Oktober 

Jörg Immendorff "Gelbes und rotes Baby", 1966
© Estate of Jörg Immendorff

Jörg Immendorff "Gelbes und rotes Baby", 1966

Jahresausstellung der Kunsthochschule in Halle

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle präsentiert sich nach zwei Jahren wieder in einer offenen Jahresausstellung. Nach der Eröffnung mit einer Werkschau der Studienrichtung Mode und der Verleihung eines Kunstpreises am Freitag im Volkspark Halle öffnen sich bis Sonntag an allen Hochschulstandorten die Türen und Tore der Ateliers, Werkstätten und Seminarräume.

Studentinnen und Studenten nutzen traditionell die Ausstellung zum Ende des Sommersemesters, um Arbeitsergebnisse zu zeigen und gleichzeitig für ein Studium an der Burg zu werben. Unter anderem sehen die Besucherinnen und Besucher aktuelle Diplomarbeiten aus dem Fachbereich Kunst sowie die Bachelor- und Masterarbeiten aus dem Fachbereich Design. Im Informationszentrum werden die Studiengänge vorgestellt und auch eine Mappenberatung mit einer ersten Beurteilung künstlerischer Arbeiten wird angeboten.

Zum Auftakt der Jahresausstellung soll der Kunstpreis der Stiftung der Saalesparkasse 2022 für herausragende Diplomarbeiten aus dem Kunst-Bereich verliehen werden. Zudem präsentieren künftige Mode-Designerinnen und -Designer im Hof des Volksparks aktuelle Arbeiten und Abschlusskollektionen.

"Jahresausstellung 2022", Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, 16. und 17. Juli

Impression von der Jahresausstellung der BURG
Foto: Sven Bergelt

 

Impression von der Jahresausstellung der BURG
 

Architektonische Interventionen in Ludwigshafen 

Raumgreifende Interventionen verwandeln gegebene Räume und Orte in fantastische Architekturen und Landschaften: Michael Beutler entwickelt Maschinen – Spezialwerkzeuge und zugleich autonome Skulpturen –, die einfache Arbeitsabläufe wie Falzen, Drucken oder Weben ausführen. Papier, Metall oder Holz werden zu Modulen für komplexe Konstruktionen geformt, die mitunter an die Kristallpaläste der frühen Moderne erinnern. Wie üblich entsteht auch das Environment für das Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum vor Ort und im Team, denn Partizipation ist ein wesentliches Prinzip für den Berliner Künstler.

"Michael Beutler. Stardust", Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, 16. Juli bis 25. September

Michael Beutler "Arbeitsmodell 5", 2022
© Tishan Hsu, VG Bild-Kunst, Bonn 2022. Michael Beutler

Michael Beutler "Arbeitsmodell 5", 2022


Interaktives Ausstellungsprojekt in Mannheim 

Wo hört das Theater auf und fängt die Performancekunst an? – "Nächste Frage!", würden Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel, die im Jahr 2000 das Kollektiv Rimini Protokoll gegründet haben, vermutlich antworten. Gattungsgrenzen werden in ihren Bühnenstücken, Interventionen, szenischen Installationen und Hörspielen weitgehend ignoriert, interaktive Methoden beziehen das Publikum in die Aktionsräume ein, ausgefeilte Technik öffnet die Perspektiven.

So griff die deutsche Künstlergruppe 2013 für das Projekt "Situation Rooms" zum ersten Mal auf das Format der Video-Walks zurück, um die Konflikte im globalen Waffenhandel immersiv erfahrbar zu machen. Ähnlich operiert auch das neue Projekt "Urban Nature", für das Rimini Protokoll erneut mit dem Szenaristen Dominic Huber zusammengearbeitet haben und das den Ausstellungsraum der Kunsthalle Mannheim in eine begehbare Installation verwandeln wird.

Wie nah beieinander können Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen wohnen, ohne sich gegenseitig auszuschließen? Wie werden wir in Zukunft in Städten leben? Wie sollen unsere öffentlichen Räume beschaffen sein und wie die privaten reguliert werden? Solche Fragen will „Urban Nature“ zumindest ansatzweise beantworten.

Mit Tablets und Kopfhörern ausgestattet, wird sich das Publikum durch Szenarien einer Großstadt bewegen und in die Rollen verschiedener Protagonistinnen und Protagonisten schlüpfen, bei denen es sich um sieben ganz reale Personen handelt. „Expert*innen des Alltags“ haben Rimini Protokoll ihre „Gäste“ (die aber nicht persönlich in Erscheinung treten) schon früher genannt. Zuschauerinnen beziehungsweise Mitspieler können die vorproduzierten Video-Walks nachvollziehen, die in verschiedenen Städten und Kontinenten gedreht wurden. Vorgesehen ist ein Perspektivwechsel nach jeweils acht Minuten. Auf diese Weise wird die gebaute Miniatur-Stadtkulisse nacheinander aus dem Blickwinkel einer Anlageberaterin, eines Gefängniswärters, eines Kindes oder einer jungen Frau betrachtet, die auf der Straße gelebt hat. Hinterher werden wir die urbane Welt wahrscheinlich mit anderen Augen sehen.

"Urban Nature", Kunsthalle Mannheim, bis 16. Oktober 

Rimini Protokoll "Urban Nature" im CCCB Barcelona, 2021
©CCCB, Foto: Alice Brazzit

Rimini Protokoll "Urban Nature" im CCCB Barcelona, 2021


Artmonte-Carlo in Monaco

Nur rund 30 Galerien dürfen mitmachen bei der Artmonte-Carlo im Grimaldi Forum an der Côte d’Azur, aber die haben es in sich: Unter anderen sind Hauser & Wirth, White Cube, Esther Schipper, Perrotin, Air de Paris, Almine Rech und Kamel Mennour dabei. Eine Sonderausstellung von zeitbasierter Kunst mit rund zwölf Werken aus der Julia Stoschek Collection lockt die Sammlerschaft der Region noch zusätzlich, die Yacht kurz links liegen zu lassen.

Artmonte-Carlo, Grimaldi Forum, Monaco, bis 16. Juli 

Perrotin: Xavier Veilhan "Bird n.3", 2018
Foto: Julien Gremaud

Es wird gebaut am Grimaldi Forum, dem Austragungsort der Kunstmesse Artmonte-Carlo. Vor dem Eingang steht Xavier Veilhans Skulptur "Bird n.3" von 2018, eine arbeit, die von der Galerie Perrotin verkauft wird


"Bernd & Hilla Becher" in New York 

Von Industrielandschaften im Ruhrgebiet zu Wassertürmen in Manhattan: Das deutsche Fotografen-Paar Bernd und Hilla Becher ist vom New Yorker Metropolitan Museum posthum mit einer Retrospektive geehrt worden. Die Ausstellung "Bernd & Hilla Becher", sei die erste posthume Retrospektive für das Künstlerpaar, hieß es von dem Museum am Central Park in Manhattan. Bernd Becher war 2007 gestorben, Hilla Becher 2015.

"Bernd und Hilla Becher haben den Weg der Fotografie im späten 20. Jahrhundert verändert und ihre bahnbrechende Arbeit inspiriert Künstler bis heute", sagte der österreichische Museumsdirektor Max Hollein. "Es ist ein Privileg, diese erste posthume Retrospektive zu präsentieren und ihr Erbe und bemerkenswertes künstlerisches Schaffen zu feiern."

Die rund 200 Werke geben einen breiten Überblick über das Schaffen des in Siegen geborenen Bernd Becher und seiner in Potsdam geborenen Ehefrau Hilla Becher: Einzel- sowie Mehrfach- und Überblicksaufnahmen von Häusern und Industrieanlagen in Europa und Nordamerika, dazu unter anderem Zeichnungen, Poster und private Notizen. Zum Jahresende soll die Schau ins San Francisco Museum of Modern Art weiterziehen.

"Bernd & Hilla Becher", The Metropolitan Museum of Art, New York, bis 6. November

Bernd und Hilla Becher "Gravel Plants", 1988–2001
Courtesy The Walther Collection; © Estate Bernd & Hilla Becher, represented by Max Becher

Bernd und Hilla Becher "Gravel Plants", 1988–2001


Jahresschau der Bauhaus-Universität in Weimar 

Mit Ausstellungen, Diskussionen und Einblicken in Forschungsprojekte begeht die Bauhaus-Universität Weimar wieder ihre traditionelle große Werkschau. Aus über 150 Projekten stellen Studierende noch bis Sonntag ihre Ergebnisse in den Universitätsgebäuden und an anderen Orten in der Stadt aus, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte. "Die Studierenden erobern immer wieder andere Orte in der Stadt." So gebe es dieses Jahr etwa eine Ausstellung in einer alten Apotheke und in einem Bowling-Keller.

Die Jahresschau "summaery2022" läuft unter dem Motto "Wer weiß?". Damit soll nach Angaben der Universität unter anderem die Frage gestellt werden, wie, wo und von wem Wissen produziert wird. Neben den Ausstellungen planen die Macher auch ein umfangreiches Programm mit Laborführungen, Filmvorführungen, Mitmachexperimenten und Musik. In den vergangenen zwei Jahren fand die Schau coronabedingt hauptsächlich digital statt.

"summaery2022", Bauhaus Universität Weimar, bis 17. Juli 

Atelier im Hauptgebäude der Bauhaus Universität Weimar
© Bauhaus-Universität Weimar, Candy Welz

Atelier im Hauptgebäude der Bauhaus Universität Weimar