Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Aernout Mik "Threshold Barriers", Filmstill, 2022
Foto: © Aernout Mik, Courtesy Carlier Gebauer

Aernout Mik "Threshold Barriers", Filmstill, 2022

Die Kunst der Woche in Berlin, Dresden, Frankfurt am Main, Holzminden, Innsbruck, Nürnberg, Paris und Ravensburg

 

Konzerte im Skulpturengarten in Berlin

Seit Wiedereröffnung der restaurierten Neuen Nationalgalerie in Berlin ist auch der lange Jahre gesperrte Skulpturengarten des ikonischen Museumsbaus von Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) wieder zugänglich. Dort wird an diesem Samstag (6. August) an eine bis 1986 gepflegte Konzertreihe angeknüpft. Mit "Sound in the Garden" führt das Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts das historische Format "Jazz in the Garden" fort. Das musikalische Spektrum soll dabei allerdings weiter gefasst werden.

Der Skulpturengarten gilt mit seinen Arbeiten von Bernhard Heiliger (1915-1995), Henri Laurens (1885-1954), Renée Sintenis (1888-1965), Ernesto de Fiori (1884-1945) oder dem inzwischen 94 Jahre alten US-amerikanischen Bildhauer David Black als eigenes kleines Museum.

Die Konzerte sollen zudem an die aktuelle Sammlungspräsentation "Die Kunst der Gesellschaft" anknüpfen. Dazu sollen die Musikerinnen und Musiker jeweils persönliche Verbindungen und Assoziationen zu einzelnen Werken finden und in eine musikalische oder performative Auseinandersetzung einfließen lassen. Den Auftakt übernimmt die Sängerin Älice Martin, Mitgründerin der Dancehall-Gruppe Chefboss. Sie hat sich für ihren Auftritt von den "Bogenschützen" von Sascha Wiederhold (1904-1962) inspirieren lassen.

Bei der an fünf Wochenenden bis zum 4. September geplanten Konzertreihe treten noch Wandermüd, Imran Ayata und Bülent Kullukcu mit Cavidan Ünal, Caner Teker und Nkisi sowie die Deep Gold Band auf.

"Sound in the Garden", Neue Nationalgalerie, Berlin, 6. August bis 4. September 2022

"Jazz in the Garden", Konzertreihe im Skulpturengarten der Neuen Nationalgaleri, 1972
Foto: Ludwig Windstosser

"Jazz in the Garden", Konzertreihe im Skulpturengarten der Neuen Nationalgaleri, 1972

 

15 Jahre Schinkel Pavillon in Berlin 

Am Samstag den 6. August feiert einer der aufregendsten Berliner Kunstorte, der Schinkel Pavillon,  seinen 15. Geburtstag mit einer Sommerparty im Garten. Am frühen Abend finden verschiedene Performances statt. Baal & Mortimer erforscht auf musikalische Weise Fragen des Widerstands, der Autonomie und der Mimesis. Richard Kennedy zeigt eine Performance in Kollaboration mit Tianna Strickland und Marlee Weinberg; Asma Maroof präsentiert etwas gemeinsam mit dem in der Schweiz lebenden Tapiwa Svosve. Es werden außerdem DJ-Sets von quest?onmarq und Dmitra x Soraya gespielt. 

Seit 2019 veranstaltet der Schinkel Pavillon außerdem die Reihe "Disappearing Berlin" mit Performances und Konzerten in vom Verschwinden bedrohten, ikonischen Architekturen. Auch diese Kunst soll begossen werden. 

Um eine Registrierung im Voraus wird gebeten. 

"Bad Bitches do cry", Schinkel Pavillon, Berlin, 6. August, ab 16 Uhr

Der Schinkel Pavillon in Berlin-Mitte
Foto: Marek Śliwecki / CC via Wikimedia Commons

Der Schinkel Pavillon in Berlin-Mitte


Virtuelles Notre Dame in Dresden

Ein Dresdner Palais aus dem 18. Jahrhundert bietet ab Samstag eine einzigartige Zeitreise durch die Geschichte der weltberühmten Kathedrale Notre Dame de Paris. "Fast könnte man sagen, wir sind in Notre Dame", sagte der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens (SGD), Christian Striefler. Die interaktive Ausstellung ist auf Weltreise, Sachsens Landeshauptstadt sei die wohl einzige Station in Deutschland.

Die Schau wurde vom französischen Start-up Histovery mit der Gesellschaft zur Erhaltung und Restaurierung von Notre-Dame de Paris entwickelt. Zur Premiere bei der Weltausstellung in Dubai sowie danach in Paris und Washington kamen bisher nach deren Angaben über 250.000 Menschen.

Der Rundgang beginnt mit dramatischen Bildern vom Brand des Bauwerks 2019, geht dann zurück ins Jahr 1160 und arbeitet sich durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart vor.  Augmented-Reality-Stationen, in denen die reale und virtuelle Welt verknüpft wird, interaktive Modelle und Projektionen unterstützen diese Art Zeitreise vom Mittelalter bis heute.

Das HistoPad, ein interaktiver Tablet-Guide, ermöglicht einen 360-Grad-Rundgang über die aktuelle Baustelle und Einblicke in die laufenden Restaurierungsarbeiten, deren Herausforderungen und damit verbundene Berufe. Der Dresdner Ausstellungsort sei perfekt, weil er das Schicksal von Notre-Dame teile, sagte Striefler. Er sei im Nachkriegszustand belassen und weise noch immer Brandspuren von der Bombardierung der Stadt 1945 auf. Das weltberühmte Pariser Wahrzeichen war am 15. April 2019 in Flammen aufgegangen, die große Teile erfassten, beschädigten oder zerstörten. Die Wiedereröffnung ist derzeit für 2024 geplant. (dpa)

"Notre-Dame de Paris – Weltreise einer Kathedrale", Palais Großer Garten, Dresden, bis 8. Januar 2023

Blick in die Ausstellung "Notre Dame de Paris", Dresden, 2022
Foto: Histovery

Blick in die Ausstellung "Notre Dame de Paris", Dresden, 2022


Aernot Mik in Frankfurt am Main

Die Filme des Niederländers Aernout Mik kreisen um das Verhältnis von Individuum und Masse, grundiert von einem Moment der Krise und des Kollapses unserer gesellschaftlichen Ordnung. In teils aufwändig konstruierten Sets und in der Regel mit Laiendarstellern inszeniert Mik einen Reigen latent katastrophischer Szenen mit tragikomischen Untertönen. In der Frankfurter Schirn Kunsthalle ist neben seiner Videoinstallation "Double Bind" von 2018 die eigens für die Soloschau konzi­pierte Arbeit "Thres­hold Barri­ers" (2022) zu sehen. Darin treffen Staatsmacht, Bürger und Polizisten gewaltsam aufeinander, alte Sicherheitsstrukturen haben ihre Gültigkeit verloren. 

"Aernot Mik", Kunsthalle Schirn, Frankfurt am Main, bis 3. Oktober

Aernout Mik "Double Bind", 2018, Filmstill
Foto: © Aernout Mik, Courtesy Carlier Gebauer

Aernout Mik "Double Bind", 2018, Filmstill

 

Ein Blick auf die Entwicklung der Sexualität in Holzminden 

Eine neue Ausstellung im Weserrenaissance-Schloss Bevern im Landkreis Holzminden zeigt die Entwicklung der Sexualität. Die Ausstellung beleuchtet die tiefgreifenden Veränderungen von Sexualmoral und Geschlechterbeziehungen in Deutschland seit 1945, wie ein Sprecher des Landkreises Holzminden mitteilte. Die Ausstellung unter dem Motto "Schamlos? Sexualmoral im Wandel" ist bis zum 9. Oktober zu sehen.

Thematisiert wird etwa auch die sogenannte Sexwelle der 1960er-Jahre mit Pornokinos und Beate-Uhse-Läden. Zu vielen Themen gebe es Originalgegenstände wie Zeitschriften, Schallplattencover oder die Antibabypille. Auch politische Plakate vom Kampf um Frauenrechte sollen zu sehen sein.

Die Ausstellung von der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn erarbeitet. Sie wurde außer in Bonn bereits an verschiedenen Orten ausgestellt, zuletzt unter anderem in Balingen in Baden-Württemberg.

"Schamlos? Sexualmoral im Wandel", Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern, bis 9. Oktober

Ausstellungsansicht "Schamlos? Sexualmoral im Wandel", Weserrenaissance-Schloss Bevern
Foto: Swen Pförtner/dpa

Ausstellungsansicht "Schamlos? Sexualmoral im Wandel", Weserrenaissance-Schloss Bevern

 

Zeitgeschichten in Innsbruck

Mit "Zeitgeschichten" öffnet die letzte Schau einer dreiteiligen Ausstellungsserie im Taxispalais in Tirol, die sich der Krise westlicher Paradigmen widmet. Im westlichen Denken ist das Konzept Zeit eng mit dem Profit- und Fortschrittsgedanken verbunden. Die Ausstellung im Tiroler Museum stellt sich eine Welt abseits von Linearität und konstantem Fortschritt vor. Anhand von vier künstlerischen Positionen stellt die Kuratorin das westliche Konstrukt von Zeit in Frage. 

"Zeitgeschichten", Taxispalais Kunsthalle Tirol, Innsbruck, bis 6. November

Mónica de Miranda "The Island" , 2021, Filmstill 
Courtesy of the artist

Mónica de Miranda "The Island" , 2021, Filmstill 


Evelyn Hofer und Richard Lindner in Nürnberg

Die Fotografin Evelyn Hofer (1922-2009) und den Maler Richard Lindner (1901-1978) verbindet das Schicksal der Emigration. Werke der beiden Künstlerpersönlichkeiten, die seit den 1940er-Jahren miteinander befreundet waren, sind in einer Doppelschau im Neuen Museum Nürnberg zu sehen. New York und die Distanz der beiden Deutschen zur Metropole ist eine weitere Klammer der Schau. Die Großstadtikonografie der multiethnischen Bevölkerung, der Skyscraper und Straßenschluchten und der lauten Werbebotschaften in Gestalt von Neonschriften und Billboards findet sich sowohl in den Fotos Hofers als auch in den Gemälden, Grafiken und Zeichnungen Lindners. 


"Evelyn Hofer meets Richard Lindner", Neues Museum, Nürnberg, bis 9. Oktober

Evelyn Hofer "Hommage à Zurbaran (Still Life No. 6)", 1997
Foto: © Evelyn Hofer, Courtesy Galerie m, Bochum

Evelyn Hofer "Hommage à Zurbaran (Still Life No. 6)", 1997


León Ferrari in Paris

In Lateinamerika zählt León Ferrari (1920-2013) zu den einflussreichsten Künstlern seiner Generation, in Europa ist der in Buenos Aires geborene Bildhauer, der während der argentinischen Militärdiktatur im brasilianischen Exil lebte, wenig bekannt. Eine Retrospektive im Centre Pompidou stellt nun seine ab den 1950ern entstandenen Skulpturen vor, spätere Papierarbeiten, seine Mail-Art und Ferraris Künstlerbücher. Häufig kritisierte er in seinen Werken die Trivialisierung von Gewalt in der Kultur, ein Mechanismus, den der Künstler "liebenswerte Grausamkeit" nannte.

León Ferrari "Amiable Cruelty", Centre Pompidou, Paris, bis 29. August

León Ferrari "Civilización Occidenta y Cristianal", 1965
Foto: © Fundación Augusto y León Ferrari Arte y Acervo Exposition « La bondadosa crueldad. León Ferrari 100 años » au Museo Reina Sofía (Espagne) © Photographie : Joaquín Cortés/Román Lores. Archivofotográfico del Museo Reina Sofía

León Ferrari "Civilización Occidenta y Cristianal", 1965

 

Textilkunst in Ravensburg 

Vom klimaschädlichen Massenprodukt bis zum kulturellem Identitätssymbol, die Bedeutung von Textilien ist vielfältig. Das Kunstmuseum Ravensburg nimmt mit der Ausstellung "Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst" Künstlerinnen und Künstler in den Blick, die mit textilen Materialien arbeiten.

Die Übersichtsausstellung zeigt Künstlerinnen wie, Alexandra Bircken, Laure Provoust oder Rosemarie Trockel. Bis zum 30. Oktober können Besucher sich die raumgreifenden Installationen und farbmächtigen Textilarbeiten anschauen. 

"Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst", Kunstmuseum Ravensburg, bis 30. Oktober 2022

Ensemble von Erika Hock, Ausstellungsansicht in den Kunstsammlungen am Theaterplatz, 2020 (Detail),
Foto: Kunstsammlung Chemnitz/Frank Krüger, Courtesy Cosar HTM, Düsseldorf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Ensemble von Erika Hock, Ausstellungsansicht in den Kunstsammlungen am Theaterplatz, 2020 (Detail),