Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

 

Die Kunst der Woche in Berlin, Bonn, Cottbus, Dornbirn, Dresden, Halle, Hamburg, Hannover und Kopenhagen

 

Irma Stern in Berlin

In Südafrika gilt sie als wichtige Malerin der Moderne. Dass Irma Stern (1894–1966) in Deutschland kaum noch bekannt ist, hängt damit zusammen, dass sie als Jüdin im Nationalsozialismus verfolgt wurde und ihre Werke als "entartet" diffamiert wurden. Bis 1911 wechselte sie mit ihrer Familie mehrmals den Wohnsitz zwischen Deutschland und Südafrika. Sie studierte Malerei in Weimar und Berlin, war 1918 Mitglied der Novembergruppe und mit dem Brücke-Künstler Max Pechstein eng befreundet. Das Brücke-Museum widmet der Expressionistin die erste Einzelausstellung in Berlin. Stern musste sich in einem männerdominierten Kunstbetrieb behaupten, erlebte Antisemitismus und profitierte andererseits als Weiße von den Gesellschaftsstrukturen des Kolonialismus und der Apartheid - beides arbeitet die Schau heraus.

"Irma Stern. Eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt", Brücke-Museum, Berlin, bis 2. November

 

Wim Wenders in Bonn

Die Universen, die Künstlerinnen und Künstler kreieren, sind für Außenstehende niemals wirklich fassbar. Doch in Bonn wird jetzt so etwas Ähnliches versucht: Anlässlich seines 80. Geburtstags wird in der Bundeskunsthalle Wim Wenders' Gesamtwerk ausgestellt. Moderne Bild- und Tontechnik machen sein Werk als groß angelegte, immersive Installation wirklich betretbar. Die Welt seines legendären Films "Paris, Texas" von 1984 zum Beispiel, wo der in der Wüste gestrandete, orientierungslose Travis Henderson durch die Weiten Amerikas und die Tiefen seiner Vergangenheit irrt. 

Irgendwann hat man das Gefühl, neben ihm zu gehen auf seinem Weg zurück zu sich. Wenders versteht sich in erster Linie selbst als Reisender, dann erst als Regisseur oder Fotograf. In Bonn lädt er auf seine Reise ein. "W.I.M. - Die Kunst des Sehens" zeigt nicht nur Wenders' Filme, sondern auch die Wege, auf denen sie entstanden sind. So wird auch der Kopf dahinter zugänglich, durch Produktionsunterlagen, Storyboards, Requisiten, Wenders' Filmbibliothek, fotografische Arbeiten und Zeichnungen - all das, was seinen Blick geprägt hat. Dazu begleitet Wenders die Besucherinnen und Besucher selbst - in einem eigens produzierten Audiowalk.

"W.I.M. - Die Kunst des Sehens", Bundeskunsthalle, Bonn, bis 11. Januar 2026

 

Carl Blechen in Cottbus

Bedeutende Werke des Landschaftsmalers Carl Blechen (1798-1840) sind bis zum 30. Oktober in einer neuen Ausstellung im Schloss Branitz in Cottbus zu sehen. Die Blechen-Sammlung der Stadt wurde demnach zuvor an die Stiftung Fürst-Pückler Museum, Park und Schloss Branitz übertragen und soll auch durch Neuerwerbungen weiter vergrößert werden. 

Blechen, der aus Cottbus stammte und in Berlin starb, wird neben Caspar David Friedrich zu den wichtigsten deutschen Landschaftsmalern des frühen 19. Jahrhunderts gezählt. Zu seinem Schaffen gehören Gemälde wie "Viadukt bei Atrano", "Heidelberger Schloss, der zersprengte Turm" oder "Winterlandschaft mit Kieferngruppe" oder "Phantastisch geformter Felsen an der Küste bei Abendbeleuchtung".

Die am Vormittag eröffnete Kabinettausstellung im Chamoiszimmer des Schlosses Branitz präsentiere Neuzugänge und erzähle von der Geschichte der auch international beachteten Sammlung, teilte die Stiftung mit. Die seit 1913 gewachsene Blechen-Sammlung ist demnach neben der Alten Nationalgalerie Berlin die größte Sammlung von Blechen-Gemälden weltweit. 

Der einstige Cottbuser Oberbürgermeister Paul Werner (1848-1927) hatte den Grundstock für die Sammlung gelegt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges waren etliche der Gemälde verschollen. (dpa)

Carl-Blechen-Sammlung, Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz, Cottbus, bis 30. Oktober

 

Karla Black in Dornbirn

Die Landschaft besteht aus Puder, Make-up-Produkten und von der Decke hängendem Toilettenpapier – ein pastellfarbener Kunstwald. Karla Black hat in ihrer immersiven Installation "Safety As A Stance" Lichtungen frei gelassen, in denen Skulpturen stehen. Sie schaffen eine poetische Verbindung aus stehendem Papier und haltender Gipsform. Hinzu treten beim Environment im Kunstraum Dornbirn Spiegelflächen, die den Raum fragmentieren und entgrenzen. "Mein Werk ist im Wesentlichen formal. Sein Hauptinteresse ist ästhetisch", sagt die britische Künstlerin. Was in ihrem Werk vorgehe, "ist die Bearbeitung und Wiederbearbeitung des Verhältnisses von Farbe, Form, Material und Komposition". Wer im Vorarlberger Museum an den Spiegelsaal von Versailles denkt, liegt richtig: Barock und Rokoko haben Black schon immer inspiriert. 

"Karla Black", Kunstraum Dornbirn, bis 2. November

 

Kaffee-Kunst in Dresden

Die Rundgänge der Kunsthochschulen sind vorbei, im Kupferstich-Kabinett erhalten Studierende der Hochschule für bildende Künste Dresden dennoch die Möglichkeit, ihre Projekte zu zeigen. Im Dialog mit dem Museum haben die Teilnehmenden des Naturfarben-Seminars künstlerische Arbeiten zum Thema Kaffee entwickelt, acht davon werden nun im Rahmen der Präsentationsreihe "Akzent - Mind the Gap!" im Studiensaal sowie im Foyer des Residenzschlosses ausgestellt. 

Zwei Zeichnungen von Giorgio Morandi und eine Arbeit von Franz Erhard Walther aus der Sammlung des Kupferstich-Kabinetts erweitern ihre Präsentation. Im Vordergrund der studentischen Beiträge stehen persönliche Erfahrungen und Assoziationen mit Kaffee, vom morgendlichen Wachmacher zum Symbol kolonialer Ausbeutung.

"Akzent - Mind the Gap!", Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlung Dresden, bis 22. August

 

Die Kunst des Landes in Halle

Das Land Sachsen-Anhalt kauft seit 1991 Kunst und zeigt ausgewählte Werke nun erstmals zusammen in einer Ausstellung in Halle. Die beiden Kuratorinnen Anne Kaden und Magdalena Meißner sahen sich dafür ein 2000 Seiten starkes Dokument mit über 2800 Arbeiten an und trafen eine Auswahl. "Wir wollen die Vielfalt in der Technik zeigen, aber auch die Vielfalt in den Personen", sagt Kaden. Wandteppiche, digitale Collagen, Malerei, Grafik und Schmuckkunst etwa seien vertreten. Ein 1991 erworbenes Bild sei genauso dabei wie jüngst gekaufte - den Arbeiten sehe man ihr Alter nicht an, so Kaden.

Die Kuratorinnen wählten Werke von 33 Künstlerinnen und 14 Künstlern aus. Oft gehe es in den Werken um Alltäglichkeiten, und Halle spiele eine große Rolle. Die Ausstellung wird am Freitag in der Kunststiftung des Landes in Halle eröffnet, sie ist bis zum 31. August zu sehen. 

Ein Großteil der Kunst, die Sachsen-Anhalt auf Empfehlung eines unabhängigen Fachgremiums erworben hat, ist ausgeliehen an unterschiedliche Museen und andere Orte. Die Werke hängen in Behörden, Schulen, in der Kunsthochschule in Halle, in Berlin und Bonn, auch in Aschersleben und in der Staatskanzlei in Magdeburg. Eine Ausstellung, die diese Ankäufe zusammenführt, hat es bislang nicht gegeben. Kuratorin Kaden hält weitere Schauen für denkbar, die Entscheidung träfen andere.

Wie die Staatskanzlei und das Kulturministerium in Magdeburg auf Anfrage mitteilten, sind in den vergangenen 33 Jahren mehr als 2.800 Werke in Landesbesitz übergegangen. "Insgesamt wurden bisher rund 10,7 Millionen Euro eingesetzt, um die Kunstproduktion des Landes Sachsen-Anhalt zu unterstützen", teilte ein Sprecher mit. 

Im vergangenen Jahr gab Sachsen-Anhalt demnach rund 147.890 Euro für Kunstankäufe aus - etwa 80.000 Euro davon für eigene Ankäufe und rund 68.000 Euro für Förderungen. Für die Landeskunstsammlung wurden in dem Jahr mehr als 30 Kunstwerke von insgesamt elf Künstlerinnen und Künstlern gekauft. "Der Schwerpunkt lag dabei auf zeitgenössischen Werken der bildenden und angewandten Kunst: Malerei, Grafik, Bildhauerei und Kunsthandwerk. Ferner wurden drei Künstlerbücher erworben." (dpa)

"Re-Present", Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Halle, bis 31. August. Eröffnung: Freitag, 1. August, ab 18 Uhr

 

Funkin' Fashion in Hamburg

1991 gründete Lamine Kouyaté das Modehaus Xuly.Bët in Paris - der Modestadt schlechthin. Seine Designs verbinden alltägliche Sportkleidung mit Pariser Haute Couture sowie afrikanischen Stilelementen, wobei er seit der ersten Kollektion mit recycelten Textilien arbeitet. Das war in den 1990er-Jahren, als Kouyaté damit anfing, noch ungewöhnlich in der Modewelt. Heute ist das Upcycling von Secondhand-Kleidung eine gängige Praxis, nicht zuletzt dank seines Erfolgs. Dafür widmet ihm das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg eine umfangreiche Einzelausstellung mit ausgewählten Stücken aus den Kollektionen der letzten Jahre. 

"Xuly.Bët - Funkin' Fashion Factory 100% Recycled", Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, bis 1. August 2027

Xuly.Bët Kollektion Herbst/Winter 2024/25
Foto: Marc Baptiste

Xuly.Bët Kollektion Herbst/Winter 2024/25

 

Raven Chacon in Hannover

Diese Woche eröffnet die Einzelausstellung "Conductus" des Navajo-Komponisten und Künstlers Raven Chacon. Für "Voiceless Mass" wurde ihm 2022 der Pulitzer-Preis für Musik verliehen, nun zeigt der Kunstverein Hannover fünf seiner Werke. Die ausgewählten Installationen, Sound-Arbeiten und Videos füllen sämtliche Räume der Institution. Dazu präsentiert Chacon zwei neue Performances, eine davon entsteht in Zusammenarbeit mit drei Chören aus Hannover - Chor-Kalyna, After Six und Vox Aetena. Ihre Aufführung wird diesen Samstag, 2. August, um 19 Uhr im Kunstverein beginnen; am Donnerstag, 7. August, folgt eine Solo-Performance des Künstlers.

Chacon lebt im US-Bundesstaat New Mexico, seine Kompositionen und künstlerischen Arbeiten sind von den eindrucksvollen Landschaften im Südwesten Nordamerikas inspiriert. Meistens arbeitet er nicht mit traditionellen westlichen Instrumenten, sondern experimentiert mit allen möglichen Objekten, die einen für ihn spannenden Ton von sich geben: wie Holzbohrer, Nebelhörner oder Schusswaffen. Auch im Kunstverein Hannover können sich Besucherinnen und Besucher von "Conductus" auf ein überraschendes Klangerlebnis freuen.

"Raven Chacon. Conductus", Kunstverein Hannover, bis 10. August

 

Weiche Roboter in Kopenhagen

Hans Christian Andersen erzählte das Märchen von der Nachtigall, die den Kaiser mit ihrem Gesang erfreut, jedoch von einem mechanischen Singvogel verdrängt wird. Bis die goldgefiederte Spieluhr kaputtgeht, der Kaiser erkrankt und die echte Kehlenakrobatin aus Fleisch und Flügeln ihn rettet. Kann das Künstliche authentisch sein, oder denken wir das nur? In Zeiten der KI-Invasion stellen sich Alice Bucknell, Klára Hosnedlová, A.A. Murakami, WangShui und weitere Kunstschaffende im Copenhagen Contemporary diese Frage. Mit raumgreifenden Installationen, robotischen Skulpturen und performativen Werken lädt die Ausstellung "Soft Robots" dazu ein, emotionale und poetische Dimensionen von Technik zu erfahren. Oder, frei nach dem Autor Philip K. Dick: Träumen Roboter gar nicht von elektrischen Schafen?

"Soft Robots. The Art of Digital Breathing", Copenhagen Contemporary, Kopenhagen, bis 31. Dezember