Weißenfels und Wuppertal
Wael Shawky in Arles
Das soll der Vesuv sein, dieser große pinke Klotz hier in der Grande Halle des Luma Arles, dem tollsten Kunst-Freizeitpark der Welt. Neben ihm Zeichnungen in Schaukästen und Malereien auf Aufstellern. Hinter ihm säumen offene Kabinette wie Schaufenster einen breiten Weg hin zur Leinwand. Gefüllt sind sie mit Glasfiguren, Bronzeskulpturen und mit Keramik-Köpfen. Sind es Kunstschätze? Gerettet oder gestohlen?
Wael Shawky, 1971 in Alexandria geborene, und gerade mit der Leitung des neuen Ablegers der Art Basel in Katar beauftrag, macht wieder ordentlich Puppentheater. Die Köpfe, die hier so auffordernd schauen, sind zum Teil aus seiner Videoarbeit "I Am Hymns of the New Temples" (2023), die hier auch zu sehen ist.
Darin lässt er Gaia, die Erdgötting und Mutter von Titus, durch Pompeji wandeln, der Stadt, die einst unter Vulkanasche begraben wurde und deren Überreste von der Vielseitigkeit der Kulturen zeugen, die sich in ihr getroffen haben. Der Tempel von Isis spielt eine Rolle, Rituale zur Beschwörung der Gottheiten, Überlegungen zu Moral und wie oft bei Shawky, die Ergänzung westlicher Erzählungen mit historischen Narrativen aus dem mittleren Osten. Immer im Glauben, dass es eine gemeinsame Erzählung gibt, solange man Mensch ist.
"Wael Shawky. I Am Hymns of the New Temples", Luma Arles, bis 2. November
Feministische Performances in Berlin
Die Kultur steht immer wieder für ihre verzerrte Darstellung von Frauen in der Kritik. "Female gaze“ nennt sich der Begriff aus der feministischen Filmtheorie, der die männlich-heterosexuelle Perspektive auf weiblich gelesenen Personen hinterfragt. Im Schinkel Pavillon in Berlin treten unter diesem Titel nun internationale Choreografinnen und Choreografen an, um stereotypen Sichtweisen entgegenzutreten.
Am Wochenende finden mehrere Performances statt, unter anderem vom ägyptischen Kollektiv Nasa4nasa (Freitag, 19 Uhr), das mit einer erweiterten Version des traditionellen Shamadan-Tanzes historische Strukturen aufbrechen will. Am Samstag ab 20.30 zeigt Göksu Kunak die Premiere der neuen Performance "Girl Joy", deren Referenzen von Hollywood bis zu türkischen Seifenopern und Lana Del Rey reichen. Außerdem ist eine Videoinstallation von Cecilia Bengolea zu sehen, in der dieKünstlerin zeigt, wie Körper neue Arten der Kommunikation ermöglichen.
"Female Gaze", Schinkel Pavillon, Berlin, Performance Programm bis Sonntag, 23. August, Videoinstallation bis 31. August
Friedemann Hahn in Heppenheim
Der Kunstverein Heppenheim liegt wunderschön in der Fachwerk- und Weingegend an der Bergstraße. Das Programm des Ausstellungsraums ist aber überhaupt nicht traditionell. Hier stellte schon Conny Maier aus, bevor sie richtig erfolgreich und berühmt wurde, Tamina Amadyar oder Isa Melsheimer waren hier zu Gast.
Am Freitagabend eröffnet - unterstützt von Grzegorszki Productions, dem Studio des Berliner Künstlers Gregor Hildebrandt - die Ausstellung von Friedemann Hahn, dem Professor, bei dem Hildebrandt selbst einst an der Kunsthochschule Mainz studierte.
Hahn, der sowohl Schriftsteller als auch für seine abstrakte Malerei bekannt ist, wird als "Beobachter zweiter Ordnung" (Niklas Luhmann) bezeichnet - er beobachtet die Bilder von der Realität. So auch in seinen zahllosen Polaroids, die er vom Fernsehbildschirm abfotografierte. Garantiert ist am Freitagabend eine illustre Fangemeinde vor dem Kunstverein, und vermutlich guter Wein.
Friedemann Hahn „Work in Progress. Oder Luna, der Mond über Sehringen. Und Arbeiten aus der Vorhölle.“, Kunstverein Heppenheim, bis 21. September, Eröffnung: Freitag, 22. August, ab 19 Uhr
Friedemann Hahn im Atelier
DDR-Kunst in Jena
Sie macht einen großen Teil der Kunstsammlung Jena aus und dennoch werden viele Werke daraus jetzt erstmals öffentlich präsentiert: Kunst der DDR ist Thema der neuen Ausstellung "So viel Silber im Grau" in der Kunstsammlung Jena. Ab Freitag werden dabei Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und mehr aus der eigenen Sammlung gezeigt, die zwischen 1945 und 1989 entstanden sind, wie die Einrichtung mitteilte.
Die Schau zeige ein "breites Spektrum der Handschriften, die vielleicht gerade deshalb, weil sie oft auch existenzielle Selbstbehauptung spiegeln, erstaunlich aktuell und überzeugend sind", hieß es. Werke aus der DDR machten rund 30 Prozent der Kunstsammlung Jena aus. In Auszügen werde sie nun teils zum ersten Mal gezeigt, auch mit dem Ziel, den Bestand neu zu erfassen.
Ab Freitagabend bis zum 16. November sind mehr als 300 Arbeiten von 134 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Dazu gehören etwa der für seine knallbunten Illustrationen bekannte Hans Ticha, die Malerin Elke Hopfe oder die zu den DDR-"Malerfürsten" gezählten, umstrittenen Willi Sitte (1921-2013) und Bernhard Heisig (1925–2011).
"So viel Silber im Grau. Kunst aus der DDR", Kunstsammlung Jena, bis 16. November, Eröffnung: Freitag, 22. August, ab 19 Uhr
Jugendstil-Ausstellung in Petersberg
Im Museum Petersberg ist eine Jugendstil-Sonderausstellung mit verschiedenen Bronze-Skulpturen, Alltagsgegenständen und Wohnaccessoires aus Keramik, Zinn, Glas eröffnet worden. Darunter befänden sich auch Originale der Künstler Archibald Knox, Albin Müller und Richard Riemerschmied, teilte das Museum mit.
Der Jugendstil, der an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert präsent war, gilt als Kunst- und Designästhetik, die gezielt eine breitere Bevölkerungsschicht anzusprechen versuchte. In der Folge kam es zu Erneuerungen in der Herstellung von Alltagsobjekten, wodurch diese zu günstigeren Preisen angeboten werden konnten. Ihre ästhetische Qualität blieb dabei jedoch erhalten: Formen und Farben waren stark von der Natur inspiriert. Diese bedeutende Designepoche lässt sich nun bis Anfang Oktober genauer studieren. (dpa)
"Jugendstil - Die ästhetische Bewegung", Mueseum Petersberg, bis 5. Oktober
Historische Farbfotos in Potsdam
Das Potsdam Museum präsentiert in den Bahnhofspassagen der brandenburgischen Landeshauptstadt die Ausstellung "Potsdam in Farbe". Bis 14. September sind dort historische Farbfotografien von den 1930er- bis in die 1980er-Jahre zu sehen, wie das Museum mitteilte.
Die Aufnahmen dokumentieren den Wandel der Stadt über mehrere Jahrzehnte - vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg über den sozialistischen Städtebau bis hin zu ersten Erhaltungsinitiativen in den 1980ern.
"Dabei wird nicht nur die städtebauliche Entwicklung Potsdams sichtbar, sondern auch, wie sich die Farbigkeit der Stadt immer wieder verändert hat - Fassaden, Kleidung, Verkehrsmittel im Wandel der Zeit", sagte Judith Granzow, Leiterin der Sammlung Fotografie am Potsdam Museum. Die Ausstellung ist frei zugänglich und Teil einer Kooperation mit den Bahnhofspassagen. (dpa)
"Potsdam in Farbe. Fotografische (Ein)Blicke", Bahnhofspassagen, Potsdam, bis 14. September
Schuhkunst in Weißenfels
Von skurril bis funktional: Der Bedeutung des Schuhdesigns widmet das Museum Weißenfels im Schloss Neu-Augustusburg eine internationale Ausstellung. Die Schau "Everlasting - Auf immer und ewig. Zeitlose Schuhe" spannt bis 31. Mai 2026 den Bogen von historischen Raritäten bis hin zu zeitgenössischen, avantgardistischen Entwürfen, wie die Stadt Weißenfels mitteilte. Präsentiert werden demnach alle Aspekte das Schuhwerk betreffend - von Kunst über Handwerk bis hin zur Industriegeschichte.
Ausgestellt werden rund 250 Exponate, auch solche aus der historischen Schuhsammlung des Museums. Im Mittelpunkt stehe der israelische Designer Kobi Levi. Seine außergewöhnlichen Schuhkreationen seien international als Kunstwerke anerkannt, hieß es. Ende Februar war Levi in Weißenfels, um die Ausstellung konzeptionell vorzubereiten. Die Ausstellung sei an Designliebhaber gerichtet, aber auch an Modehistoriker und Kunstinteressierte, hieß es.
Die Schuhsammlung des Museums Weißenfels zählt laut eigenen Angaben zu den bedeutendsten Europas. Sie bietet demnach einen Einblick in die historische und wirtschaftliche Entwicklung der Schuhindustrie, insbesondere in Sachsen-Anhalt. Sie umfasst Modelle aus fünf Jahrhunderten, darunter seltene Stücke aus der Zeit zwischen 1560 und 1950 sowie Zeugnisse der DDR-Produktion. (dpa)
"Everlasting - Auf immer und ewig. Zeitlose Schuhe", Schloss Neu-Augustusburg, Weißenfels, bis 3. Mai 2026
Tony Cragg in Wuppertal
Seit vielen Jahren präsentiert der britisch-deutsche Bildhauer Tony Cragg im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden Kunst von Weltrang. Nun realisiert der preisgekrönte Künstler dort seine erste große Einzelschau mit eigenen Werken. Aktuell zeigt Cragg (76) neuere Arbeiten und Zeichnungen aus den vergangenen zehn Jahren.
Der gebürtige Liverpooler ist bekannt für seine in sich verdrehten Bronzeskulpturen, die sich meterhoch in die Höhe schrauben. Nun präsentiert der ehemalige Rektor der Kunstakademie Düsseldorf unter dem Titel "Line of Thought" (Gedankengang) in allen drei Ausstellungshallen des Skulpturenparks viele andere Seiten seines umfangreichen Werks.
Aus Glas formte er zum Beispiel kleine abstrakte Skulpturen, die in Murano gefertigt wurden. Ganz im Gegensatz steht eine aus geschnittenen und gebogenen Aluminiumplatten gefertigte Großskulptur, deren gelber Lack teilweise abgeschliffen wurde. Andere Werke fertigte Cragg aus rostigem Cortenstahl, und manche über zwei Meter hohe Skulptur balanciert auf nur drei Beinen.
Auch mit Holz arbeitete Cragg in den vergangenen Jahren und schuf daraus monumentale Stelen. Ein Wiedersehen gibt es mit der Installation "Congregation" (1999), die aus einem großen Boot, Rudern, Rettungsbooten, einer Leiter und anderen Schrottmaterialien besteht, die alle aus Holz gefertigt und vollständig mit Metallhaken bedeckt sind.
Cragg hatte den rund 15 Hektar großen Kunstpark 2008 gegründet und zeigt neben dort festinstallierten Skulpturen immer wieder Ausstellungen internationaler Künstler. Der Skulpturenpark zieht jährlich rund 40.000 Besucher an. (dpa)
"Tony Cragg. Line of Thought", Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal, bis 1. Januar 2026