Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Berlin, Bielefeld, Brüssel, Gelsenkirchen, Halle, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, München, New York und Paris


Eslanda und Paul Robeson in Berlin

Die Akademie der Künste widmet ihr neues Ausstellungs- und Festivalprojekt "Every Artist Must Take Sides" dem Leben und Wirken des afroamerikanischen Sängers und Schauspielers Paul Robeson und seiner Frau, der Autorin und Anthropologin Eslanda Goode Robeson. Das Künstlerpaar setzte sich im 20. Jahrhundert gegen Rassismus und Unterdrückung ein: Sie entfernten Klischees über Schwarze Menschen aus Musicals, engagierten sich für die Bürgerrechtsbewegung und nutzten ihre Bekanntheit, um öffentlich Stellung zu beziehen. 1937 rief Robeson in der Royal Albert Hall zu einer klaren Haltung gegen den Faschismus auf: "Every artist must take sides" – der Satz gibt der Ausstellung ihren Titel.

Während der McCarthy-Ära geriet Paul Robeson auf die sogenannte Schwarze Liste, was einem faktischen Auftrittsverbot in den USA gleichkam und international Proteste auslöste. Sein Einfluss blieb dennoch enorm. Das 1965 in der DDR gegründete Paul-Robeson-Archiv würdigt das Vermächtnis des Paares und stellt die Materialien, die zusammen mit 13 zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten – unter anderem von Sonya Clark, James Gregory Atkinson und Dread Scott – die Rolle von Stimmen, Klängen und Körpern im politischen Aktivismus beleuchten. Sound- und Rauminstallationen, Videoarbeiten, Skulpturen, Collagen und Fotografien stellen Fragen von Solidarität, kollektiver Freiheit und Verantwortung und verbinden Vergangenheit und Gegenwart.

"Every Artist Must Take Sides – Resonanzen von Eslanda und Paul Robeson", Akademie der Künste, bis 25. Januar 2026

Demonstration mit Banner "Let Paul Robeson Sing", Manchester, um 1956
Foto: © Akademie der Künste, Berlin, Paul-Robeson-Archiv; Fotograf*in unbekannt

Demonstration mit Banner "Let Paul Robeson Sing", Manchester, um 1956
 


Antikoloniale Gegenformeln in Berlin

Vor 140 Jahren fand in der deutschen Reichshauptstadt die sogenannte Berliner Konferenz statt, bei der die europäischen Kolonialmächte den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilten – ohne nennenswerte Beteiligung der betroffenen Gebiete. Das Echo dieses Ereignisses hallt bis heute nach und steht auch für einen Blick auf die Welt, in dem Respekt für Menschen und Ressourcen durch einen ausbeuterischen Zugang ersetzt wurde. 

Die neue Ausstellung aus der Reihe "Desacta", die gerade im Berliner Projektraum Savvy Contemporary eröffnet hat, sucht nach Gegenstrategien zur "Wiederverzauberung", wie es die Organisatoren ausdrücken. Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit Partnern in Guinea-Bissau statt und sucht einen Umgang mit Materialien, der nicht auf wirtschaftlichem Nutzen basiert, sondern das Heilige zelebriert und verdrängtes Wissen reaktiviert. Dabei sind Künstlerinnen und Künstler wie Sammy Baloji, Denise Ferreira da Silva & Valentina Desideri und Aline Baiana sowie Studierende und Alumni der HfG Karlsruhe.

"Desacta. Gegenformeln zur Entwirrung von 140 Jahren Berliner Konferenz", Savvy Contemporary, bis 11. Januar 2026

"Desacta", Installationsansicht Savvy Contemporary, Berlin, 2025
Foto: Marvin Systermans

"Desacta", Installationsansicht Savvy Contemporary, Berlin, 2025


"Viscose"-Launch in Berlin

Fashion zum Hören statt zum Anschauen: Am Samstag feiert das skandinavische "Viscose Journal" im Projektraum Rosegarden an der Potsdamer Straße in Berlin seine neue Ausgabe – ein Heft, das Mode komplett über Klang denkt. Wie hören sich Runways, Shops, Kleidungsstücke an? Wie prägt Musik unser Gefühl von Zeit und Trend? Zur Berlin-Premiere wird die Theorie erfahrbar: Valentina Triet verwandelt archivierte Laufstegvideos in flackernde Lichtfelder, Musikproduzent Bill Kouligas ist vor Ort, und eine neue Soundarbeit von Seth Price erweitert den Raum zur atmosphärischen Hörzone. Dazu kann man die neue Ausgabe wie in einer Bibliothek durchstöbern, die Redaktion treffen und Magazine kaufen.

"The Berlin Launch of Viscose Journal Issue 08: Sound", mit Bill Kouligas, Seth Price und Valentina Triet, Rosegarden, Samstag, 15. November, 17 bis 21 Uhr

Blick ins neue "Viscose Journal"

Blick ins neue "Viscose Journal"


Gottesdienst in der Ausstellung "Licht aus Licht an" in Berlin

Am Sonntag wird die Ausstellung "Licht aus Licht an" in der St.-Matthäus-Kirche zum Resonanzraum eines besonderen Kunstgottesdienstes. Die von Anna-Catharina Gebbers kuratierte Schau widmet sich Bewegungen des Übergangs, Zwischenzuständen und dem Unterwegssein – und genau diese Themen werden an diesem Abend liturgisch, musikalisch und literarisch weitergeführt.

Zwischen den Werken von Vitória Cribb, Nicole Wermers, Wendi Yan und anderen soll sich eine Suchbewegung durch Bilder, Körperlichkeiten und Leerräume entfalten. Gelesen werden Texte von László Krasznahorkai, frisch gekürter Literaturnobelpreisträger 2025, deren mäandernde und eindringliche Sätze zur Stimmung der Ausstellung passen. Ein ruhiger, kontemplativer Wochenendabschluss – an einem der eindrucksvollsten Orte des Kulturforums.

LABORa-Kunstgottesdienst zu "Licht aus Licht an", St. Matthäus-Kirche, Sonntag, 16. November, 18 Uhr

"LICHTAUS LICHTAN", Ausstellungsansicht St. Matthäus-Kirche, Berlin
Foto: © Leo Seidel

"Licht aus Licht an", Ausstellungsansicht St. Matthäus-Kirche, Berlin. Im Vordergrund: Nicole Wermers "Domestic Tail" (White, Spotted Grey, 9 metres), 2025 (Vordergrund) 


Lichtkunst in Bielefeld

Licht schafft Atmosphäre, verändert Räume und prägt, wie wir die Welt sehen. Ein ideales Kunstmedium, wie in der Kunsthalle Bielefeld gezeigt wird. Im Fokus steht das Light and Space Movement der 1960er in Kalifornien – sein unerschöpfliches Licht, das Hollywoods Weltruhm begründete. Die Schau gibt Einblicke in die Entwicklung der Lichtkunst von den damaligen vsionären Experimenten bis heute. Historischen Positionen (Nancy Holt, Robert Irwin) stehen neuere Werken heutiger Kunstschaffender wie Angela Bulloch, Ólafur Elíasson oder Mischa Kuball gegenüber.

"Alles Licht", Kunsthalle Bielefeld, bis 1. März 2026

Olafur Eliasson "Red window semicircle" 2008, Installationsansicht, Berlin, 2008
Foto: Jens Ziehe © Courtesy Olafur Eliasson; neugerriemschneider, Berlin © 2008 Olafur Eliasson

Olafur Eliasson "Red window semicircle" 2008, Installationsansicht, Berlin, 2008


Nairy Baghramian in Brüssel

Von biomorphen Strukturen über Design bis hin zu industriellen Formen reicht die Vielfalt visueller Sprachen, die Nairy Baghramian beherrscht. Für ihre Soloschau im Brüsseler Wiels ließ sich die iranisch-armenische Künstlerin von ihren Beobachtungen und Begegnungen mit den Arbeiten avantgardistischer Kunstschaffender wie Katarzyna Kobro oder Wols inspirieren, die in den 1930ern aus Europa flohen. Sie reflektiert über die fragile Existenz solcher Werke und betont die Notwendigkeit eines Außerhalb der starren Regeln von Sprache, Codes und Namen. 

Nairy Baghramian, Wiels, Brüssel, bis 1. März 2026

Austellungsansicht Nairy Baghramian "nameless", Wiels, Brüssel, 2025
Foto: Eline Willaert

Austellungsansicht Nairy Baghramian "Nameless", Wiels, Brüssel, 2025


Rolf Glasmeier in Gelsenkirchen

"Kaufhaus-Objekte" – so nannte Rolf Glasmeier seine frühen Arbeiten, in denen er Lichtschalter, Leuchten, Briefkastenklappen oder andere Alltagsobjekte zu quadratischen Reliefbildern anordnete, die anzufassen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht war: Das Publikum war aufgerufen, die Objekte zu verschieben und zu verändern. 

Glasmeier (1945–2003) war ein Brückenbauer zwischen Kunst und Leben, entwickelte einen Stil, der geometrische Abstraktion mit seriellen Strukturen verband und gleichermaßen vom Geist der Demokratiebewegung durchdrungen war. Er schuf Arbeiten für den öffentlichen Raum, nahm durch Aktionen gesellschaftspolitische Verhältnisse in den Blick, verstand Kunst als Raum, in dem eine Gesellschaft sich selbst befragt. Das Museum Gelsenkirchen widmet dem Künstler, Grafiker und Ausstellungsmacher anlässlich seines 80. Geburtstags eine über 140 Werke umfassende Retrospektive, die erstmals alle Schaffensphasen verbindet. Neu inszeniert wird dabei auch eine legendäre Plakataktion aus dem Jahr 1984 mit dem heute wieder sehr dringlichen Titel "Frieden im Kopf". 

Rolf Glasmeier "Frieden im Kopf", Kunstmuseum Gelsenkirchen, Eröffnung: Sonntag, 16. November, 12 Uhr

Schwarz-weiß Fotografie, 42,5 x 52 cm
Foto: Studio Kukulies, Düsseldorf

Rolf Glasmeier "Der Schatten meiner Hand deformiert das Abflussrohr", 1979, zu sehen im Kunstmuseum Gelsenkirchen


Preisgekrönte Designarbeiten in Halle

In der Kunststiftung des Landes werden bis Anfang 2026 Werke ausgezeichneter Studierender der Kunsthochschule Burg Giebichenstein präsentiert. Über die Preisträger der diesjährigen "GiebichenSteine" entschied eine externe Jury, bestehend aus einer Innenarchitektin und zwei Industriedesignerinnen. Die Preise sind mit jeweils 500 Euro dotiert. 

In der Kategorie "Beste Idee/Bestes Konzept" wurde Jakob Nonnen für seine Arbeit "Auto Fiktion" ausgezeichnet. Nach Angaben der Hochschule untersucht das Projekt "die Ambivalenz zwischen futuristischer Mobilität und realer Umweltzerstörung". Texte und Fotografien sollen "das dystopische Gefühl" in Grünheide bei Berlin einfangen, wo der Elektroautohersteller Tesla Fahrzeuge produziert. 

In der Kategorie "Beste Kommunikation" gewann die angehende Textildesignerin Therese Mieth mit ihrer Serie "XOXO". In der Kategorie "Engagiertestes Anliegen" wurde Lena Konz für "Wo beginne ich – und wo höre ich auf" für eine Arbeit unter anderem zu den Themen traditionelle Rollenbilder, Identität und weibliche Sozialisation ausgezeichnet. Die Arbeit "protoTYPE[ing]..." von Moritz Neuland erhielt den Preis in der Kategorie "Interessantestes Experiment".

Für den Designpreis der Burg konnten sich Studierende aus dem Fachbereich Design mit Projekten und Arbeiten bewerben, die zur Jahresausstellung gezeigt wurden. Bevor die externe Jury die Werke präsentiert bekommen hat, traf eine hochschulinterne Auswahlkommission eine Vorauswahl. (dpa)

GiebichenStein Designpreis, Kunststiftung Sachsen-Anhalt, bis 4. Januar 2026

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Foto: Heiko Rebsch/dpa

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle


Affordable Art Fair in Hamburg

Die Affordable Art Fair - Norddeutschlands größte Kunstmesse - öffnet wieder ihre Türen in der Halle A3 der Hamburg Messe. Unter dem Motto "Kunst für alle" präsentieren 85 Galerien aus 15 Ländern Kunstwerke zu erschwinglichen Preisen zwischen 100 und 10.000 Euro, wie die Veranstalter mitteilten. So stehen große Namen wie Georg Baselitz, David Shrigley und Patty Caroll neben aufstrebenden jungen Talenten wie Jakob Scheidt, Susanne Bonowicz und Lil Blanc. 

Zu den internationalen Highlights zählen laut den Veranstaltern unter anderem das Coletivo Amarelo aus Portugal, die Eye Contemporary Art aus Hongkong sowie die japanische Systema Gallery. Einen internationalen Schwerpunkt bilden 13 Galerien aus den Niederlanden wie Chiefs & Spirits, Gallery40NL und Artitled Contemporary. Aus Hamburg sind zwölf Aussteller vertreten, darunter die Affenfaust Galerie, die Galerie Holthoff sowie die Galerie von Wegen.

"Die Vielfalt unseres Programms geht Hand in Hand mit dem demokratischen Ansatz der Affordable Art Fairs", sagte Messedirektor Oliver Lähndorf. "Wir sind nicht interessiert an Elitarismus und Gatekeeping. Mit der Transparenz der Preise und der lockeren Atmosphäre bauen wir bewusst Schwellenängste um den Kunstkauf herum ab, während das breite Spektrum an Positionen dafür sorgt, dass es für jede und jeden etwas zu entdecken gibt – ob langjährige Sammlerinnen und Sammler oder Kunst-Laien." (dpa)

Affordable Art Fair, Hamburg, bis 16. November 


Rachel Khedoori in Heidelberg

Die in Australien geborene Rachel Khedoori stellt in ihrer Praxis, die Skulptur, Film und Fotografie miteinander verbindet, provokante phänomenologische Fragen. Im Heidelberger Kunstverein präsentiert sie neue Werke im Dialog mit älteren Arbeiten, darunter die Filminstallation "Pink Room" (2000), in der Khedoori fragmentierte Räume in Stadien von Zerfall und Zusammenbruch zeigt. Sie erzeugt auch in ihren jüngeren Werken Atmosphären, die sich kaum von der politischen Gegenwart trennen lassen. Beschädigte Fassaden, kaputte Infrastruktur, Ordnungen, die ins Wanken geraten – ohne explizit zu werden, greift Khedoori die Krisenstimmung auf. 

"Rachel Khedoori", Heidelberger Kunstverein, bis 11. Januar 2026

Rachel Khedoori "Ohne Titel", 2012, Gips und Papier, 30.5 x 53.3 x 38.1 c.
Foto: Stefan Altenburger Photography Zürich Credit Line: Manuela & Iwan Wirth Collection, Switzerland

Rachel Khedoori "Ohne Titel", 2012, Gips und Papier, 30.5 x 53.3 x 38.1 cm


Özlem Günyol und Mustafa Kunt in Karlsruhe

Seit 2005 arbeiten Özlem Günyol und Mustafa Kunt als Duo zusammen, beide sind in Ankara geboren und schlossen ihr Kunststudium an der Frankfurter Städelschule ab. In oftmals minimalistischen Installationen greifen sie gesellschaftspolitische und historische Fragen auf, untersuchen die Bedeutung von Sprache und Symbolen in Diskursen über Macht und Autorität. Die Städtische Galerie Karlsruhe widmet dem Gespann eine große Schau mit neuen und früheren Werken. 2014 schmolzen Günyol und Kunt beim Projekt "Hemzemin" einen Fahnenmast ein und machten aus dem Symbol nationaler Repräsentanz eine schnöde Bodenplatte. 

Özlem Günyol und Mustafa Kunt "Ratatataa", Städtische Galerie Karlsruhe, bis 12. April 2026

Installationsansicht "Upfalling Ones", Dirimart, Istanbul, 2024
Foto: Nazlı Erdemirel © 2025 Özlem Günyol und Mustafa Kunt

Installationsansicht "Upfalling Ones", Dirimart, Istanbul, 2024


Sandra Vásquez de la Horra in München

In Zeichnungen, Malereien, Filmen und Performances behandelt die Chilenin Sandra Vásquez de la Horra Ereignisse, Riten und Glaubensvorstellungen ihrer Heimat – und erzählt auch von Deutschland, wo sie seit 1995 lebt. Das Münchener Haus der Kunst zeigt ihre erste Museumsschau in Europa. Darin wird ihr spiritueller Kosmos ebenso gewürdigt wie ihr Engagement für Selbstbestimmung, Frauen- und Menschenrechte. Ihre in Bienenwachsgetränkten Arbeiten präsentiert Vásquez in experimentellen Hängungen, um multiperspektivische Geschichten und Raumkonstellationen zu gestalten. Erstmals gezeigt werden in München die Videoperformances, in denen die Künstlerin Themen wie Einsamkeit, Trennung und Rassismus verarbeitet. 

"Sandra Vásquez de la Horra", Haus der Kunst, München, bis 17. Mai 2026

Ausstellungsansicht "Sandra Vásquez de la Horra", Haus der Kunst, München, 2025
Foto: Markus Tretter © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Ausstellungsansicht "Sandra Vásquez de la Horra", Haus der Kunst, München, 2025


Neues Studio Museum in New York

Als weltweit wohl wichtigste Plattform für Künstlerinnen und Künstler afrikanischer Herkunft hat das Studio Museum in Harlem dazu beigetragen, dass die Kunstgeschichte deutlich interessanter wurde. Leute wie David Hammons, Kerry James Marshall, Glenn Ligon, Simone Leigh, Mickalene Thomas, Lorna Simpson, Njideka Akunyili Crosby, Jordan Casteel oder Rashid Johnson hatten hier ihre ersten Ausstellungen oder nahmen am Artist-in-Residence-Programm teil, Generationen von Kuratoren, von denen viele inzwischen Schlüsselpositionen in bedeutenden Institutionen bekleiden, lernten hier ihr Handwerk. 

Alles begann im Jahr 1968, als das Museum auf Initiative von Künstlern, Aktivistinnen, Philanthropen und Bewohnern Harlems in einem angemieteten Loft in der 125th Street eröffnete. Mit Bildungs- und Veranstaltungsprogrammen wandte man sich an die Community vor Ort und schuf zugleich Verbindungen zur afrikanischen Diaspora, bot vergessenen historischen Positionen wie Nachwuchskünstlerinnen ein Forum und baute eine mittlerweile 9000 Werke umfassende Sammlung auf. 

Erfolg verpflichtet, und so bezieht die Institution unter der langjährigen Direktorin Thelma Golden jetzt einen von dem Architekten David Adjaye entworfenen Neubau. Das 7600 Quadratmeter umfassende Gebäude wird größere Galerien, Atelierräume, öffentliche Bildungs- und Veranstaltungsbereiche sowie eine Dachterrasse mit Blick auf Harlem bieten. Am Samstag geht es mit einer Soloschau von Tom Lloyd los, der schon das Museumsdebüt 1968 bestritt, einer Sammlungspräsentation – und einem großen, lauten Community Day.

Tom Lloyd "Moussakoo", Studio Museum Harlem, New York, bis 22. März 2026

Ansicht des neuen Gebäudes des Studio Museum in Harlem, New York, 2025
Foto: Courtesy Studio Museum in Harlem. © Dror Baldinger FAIA

Der Neubau des Studio Museum in Harlem in New York


Fotomesse Paris Photo

Die Paris Photo ist die größte Fotokunstmesse der Welt. Und sie spricht mit ihren präzise kuratierten Sektionen ebenso ein internationales Fachpublikum wie auch Laien und Fans von Fotografie an. Die Ausgabe 2025 bringt allein im "Main Sector" 138 internationale Galerien zusammen, die 37 Einzelausstellungen, sieben Doppelausstellungen und 93 Gruppenausstellungen zeigen. Gleich am Eingang des Grand Palais präsentiert die Pariser Galerie Poggi, die zum ersten Mal auf der Messe vertreten ist, eine monumentale Installation der Fotografin Sophie Ristelhueber, Gewinnerin des Hasselblad Award 2025, die verschiedene Serien entlang einer 36 Meter langen Wand und auf dem Boden miteinander verbindet.

Bekannt wurde die Französin, die im Balkan und im Nahen Osten fotografiert hat, mit Aufnahmen, die sich mit den Auswirkungen von Kriegen beschäftigen. Zu den Highlights der Solopräsentationen gehören bislang unveröffentlichte Drucke der 1983 bis 1985 entstandenen, gefeierten und umstrittenen Serie "At Twelve" der US-Fotografin Sally Mann (Jackson Fine Art), in der sie ausschließlich zwölfjährige Mädchen aus ihrem Umfeld porträtiert hat. Bei den Duoausstellungen stellt die Miyako Yoshinaga Gallery (New York) Porträts des in New York lebenden, legendären Fotografen Ken Ohara den in den 1970er-Jahren in der Lower East Side entstandenen intimen Selbstporträts von Melissa Shook (1939–2020) gegenüber.

Nicht verpassen sollte man die junge Szene in der "Emergence"-Sektion und ein Highlight im Rahmenprogramm: die Performance-Lecture der US-Künstlerin Carmen Winant, die für ihr Projekt "The Last Safe Abortion" (2024) eigene Bilder und Archivmaterialien zusammentrug, die sich mit Ärztinnen und Care-Workern beschäftigen, die Abtreibungen in den USA ermöglicht haben − ein feministisches Projekt, das daran erinnert, was in Trumps USA auf dem Spiel steht.

Paris Photo, Grand Palais, bis 16. November

Sally Mann "Lisa and Jenny on a car (At Twelve)", 1983-1985, zu sehen auf der Photo Paris
Foto: Courtesy Sally Mann, Gagosian and Jackson Fine

Sally Mann "Lisa and Jenny on a car (At Twelve)", 1983-1985, zu sehen auf der Photo Paris