Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Berlin, Duisburg, Leipzig, Köln, Saint Ives und St. Gallen

 

Moor Mother in Berlin

Die US-amerikanische Lyrikerin, Aktivistin und Musikerin Moor Mother gastiert noch zweimal in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Die Künstlerin, die mit bürgerlichem Namen Camae Ayewa heißt, ist Teil des Duos Black Quantum Futurism, das zu Zeitmodellen jenseits von Jetzt-Fixierung, Heile-Welt-Nostalgie und Wachstumsziel-Erfüllungs-Zukunft arbeitet und unter anderem 2022 zur Documenta Fifteen eingeladen war. 

Ihre Musik vereint Einflüsse aus experimentellem Hip-Hop, Free Jazz und historischen Archivaufnahmen. In Berlin arbeitet Moor Mother für ihre Museumskonzerte mit dem Ensemble Mosaik und verschiedenen Gästen zusammen. Auch soll es Platz für Improvisation und Beteiligung des Publikums geben. In der tief verschneiten Hauptstadt gibt es ja derzeit genügend Anlass, die Zeit anders wahrzunehmen als sonst.

Moor Mother: "Time Travel Hear Today", Neue Nationalgalerie, Berlin, 9. und 10. Januar, ab 20.30 Uhr

Camae Ayewa alias Moor Mother
Foto: Ebru Yildiz

Camae Ayewa alias Moor Mother

 

Flaka Haliti in Duisburg

Sie fügt Alltagsgegenstände zu verführerisch anmutigen Formen zusammen: Die Werke von Flaka Haliti bestechen durch Leichtigkeit und die Gabe, politischen Zuständen eine poetische Form zu verleihen. Die aus dem Kosovo stammende Künstlerin rückt die Auswirkungen von Vertreibung, Migration und geopolitischer Abschottung ins Zentrum ihrer Kunst. Für das Duisburger Lehmbruck Museum realisiert sie eine Arbeit mit Überresten ehemaliger Nato-Militärlager aus ihrem Heimatland. Jetzt wird wieder aufgerüstet in Europa. Flaka Halitis Werk bleibt hochbrisant. 

"Sculpture 21st: Flaka Haliti", Lehmbruck Museum, Duisburg, bis 8. März

Flaka Haliti "Its urgency got lost in reverse (while being in constant delay) #2"
Foto: Courtesy Flaka Haliti

Flaka Haliti "Its urgency got lost in reverse (while being in constant delay) #2"

 

Kunst im Hochhaus in Köln

Zeitgenössische Kunst einmal nicht im klassischen White Cube erleben, sondern dort, wo eigentlich gewohnt wird: Im Kölner Colonia-Haus wird eine private Wohnung im 29. Stock zum Ausstellungsraum, und das samt großzügigem Balkon mit Aussicht auf die Stadt. "Die Senkrechte" nutzt die ikonische Hochhausarchitektur der 1970er-Jahre nicht nur als Kulisse, sondern als Mitspieler. Skulpturen, Malerei, Video und performative Arbeiten reagieren auf die strenge Vertikalität des Gebäudes, auf seine Linien, Blickachsen und Materialien – und auf die Spuren des Wohnens, die sich in jeden Raum eingeschrieben haben.

Beim Rundgang verschwimmen die Grenzen zwischen Kunstwerk und Umgebung. Manche Arbeiten wirken wie beiläufige Bestandteile des Interieurs, andere treten bewusst in Kontrast zur Architektur oder öffnen neue Perspektiven nach außen. So soll eine Ausstellung entstehen, die weniger erklärt als erfahrbar macht, wie Kunst Räume verändert – und wie das Umfeld die Kunst prägt.

"Die Senkrechte", Colonia-Haus, Köln, 11. Januar bis 8. Februar, Eröffnung: Samstag, 10. Januar, 14 bis 20 Uhr

Heinz Breloh "Z1470", 1997
Foto: Courtesy Heinz Breloh und Rehbein Galerie

Heinz Breloh "Z1470", 1997

 

Winterrundgang in Leipzig

Die Galerien auf dem Leipziger Spinnerei-Gelände öffnen am Samstag ihre Pforten für den Winterrundgang. Dabei werden Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland präsentiert, wie die Veranstalter mitteilten. Malerei gebe es unter anderem von Martin Galle, Stefan Guggisberg oder Rigo Schmidt. Installationen werden von Doris Frohnapfel und der Finnin Elsa Salonen gezeigt. Der Winterrundgang ist der erste der drei jährlichen Spinnerei-Rundgänge.

Winterrundgang, Baumwollspinnerei, Leipzig, 10. Januar, 11-19 Uhr

Leipziger Baumwollspinnerei
Foto: Sebastian Willnow/dpa

Leipziger Baumwollspinnerei

 

Marie Schumann in St. Gallen

Was passiert, wenn eine Treppe nicht nur Durchgang, sondern Arbeitsfeld wird? Im Kunstmuseum St. Gallen greift die Schweizer Künstlerin Marie Schumann, Jahrgang 1991, in die zentrale Architektur des Hauses ein. Für die Haupttreppe entwickelt sie eine ortsspezifische Installation aus Metall und eigens gewebten Hightech-Textilien, die sich über das Geländer spannen, Wege markieren und Blickachsen verschieben. 

Die Stoffbahnen – am Jacquard-Webstuhl im Appenzell entwickelt – reagieren auf Bewegung und Körper, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Schumann interessiert weniger das Spektakel als die Frage, wie Material Wahrnehmung lenkt und wie sich Architektur durch textile Eingriffe neu lesen lässt. In St. Gallen wird diese Forschung jetzt begehbar.

Marie Schumann: "Coatings", Kunstmuseum St. Gallen, bis 3. Januar 2027

Marie Schumann "Monofil Fold - moss green", 2025
Foto: Alexander Schlosser

Marie Schumann "Monofil Fold - moss green", 2025

 

Emilija Škarnulytė in Saint Ives

Die Filme und immersiven Installationen von Emilija Škarnulytė oszillieren zwischen Dokumentarischem und Imagination. Als "zukünftige Archäologin" probiert die Litauerin eine neue Sichtweise auf Strukturen und Naturräume aus, um die Rolle des Menschen in der Gesellschaft und im Kosmos zu hinterfragen. In ihrer Soloschau in der britischen Tate St. Ives taucht Škarnulytė auch selbst auf – als Hybridwesen zwischen Mensch und Fisch, das Brücken zwischen alten Legenden und neuen Prophezeiungen schlägt. 

Emilija Škarnulytė, Tate St. Ives, bis 12. April

Emilija Škarnulytė "Æqualia", Filmstill, 2023
Foto: Courtesy Emilija Škarnulytė

Emilija Škarnulytė "Æqualia", Filmstill, 2023