Günter Rössler in Apolda
Der bekannte Fotograf Günter Rössler wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden - aus diesem Anlass zeigt das Kunsthaus Apolda Avantgarde Aufnahmen des an Silvester 2012 gestorbenen Künstlers. Die Ausstellung kuratiert hat Kirsten Schlegel, Witwe und Nachlassverwalterin Rösslers. Sie hat einst für ihren späteren Ehemann selbst Modell gestanden. Am 29. Januar und am 29. April führt Schlegel persönlich innerhalb des Begleitprogramms durch die Ausstellung.
Rund 130 Schwarz-Weiß-Fotografien werden vom 18. Januar bis zum 3. Mai unter dem Titel "Günter Rössler – Mode- und Aktfotografie" gezeigt. Die Aufnahmen stammen aus sechs Jahrzehnten und sollen laut Kunsthaus einen Überblick über das Werk eines der bedeutendsten deutschen Fotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermöglichen.
Rösslers Reportage- und Modefotografie ist dabei in der unteren Etage zu sehen, im ersten Obergeschoss hängen die Akte. Ihm gehe es dabei um die "höchstmögliche Authentizität", sagte Rössler einmal der dpa. In einem Audioguide für die Ausstellung sollen die Modelle selbst zu Wort, kommen und über die Aufnahmen und die Arbeit mit Rössler sprechen. Auch ein 90 Minuten langer Dokumentarfilm läuft innerhalb der Schau.
Zu DDR-Zeiten wurde Rössler, der Fotografie studiert hatte und freiberuflich arbeitete, mit seinen Bildern im "Magazin" und in der "Sibylle" berühmt. 1984 druckte der "Playboy" eine Fotostrecke unter dem Titel "Mädchen der DDR".
Kurz vor seinem Tod erschien "Starke Frauen im Osten", ein Bildband mit seinen bekanntesten Modellen. Lange lebte der Fotograf in Markkleeberg am Rande seiner Geburtsstadt Leipzig. (dpa)
"Günter Rössler: Mode- und Aktfotografie", Kunsthaus Apolda Avantgarde, 18. Januar bis 3. Mai
Das Kunsthaus Apolda Avantgarde
Radenko Milak in Berlin
Liebe Generation X, richtig, der Ausstellungstitel kommt euch bekannt vor wegen eines Albums, das ihr 1996 auf CD gekauft habt: "Pre-Millennium Tension" von Tricky. Trip-Hop, der so düster war, dass man sich gar nicht vorstellen konnte, dass die Zukunft noch dunkler werden würde. Wurde sie aber.
Radenko Milak hat all das, was seit Francisco de Goyas "Desastres de la Guerra" (1810–14) geschah – von der Zerstörung des Kölner Doms über Stanley Kubricks Darstellung von künstlicher Intelligenz in "2001" –, aquarelliert. Die Ereignisse der Weltgeschichte in Wolken aus Farbe und Wasser aufzulösen, sie zu verunklaren und gleichzeitig künstlerisch zu überhöhen, erscheint nur folgerichtig. Milak, der 1980 in Bosnien geboren wurde, hat alles für uns gesammelt und zusammengetragen, scharf stellen müssen wir dann schon selbst. Die von Max Dax als Gastkurator und von Marc Wellmann für das Haus am Lützowplatz herausgegebene Monografie zu Radenko Milak enthält einen ausführlichen Essay von Udo Kittelmann.
Radenko Milak: "Post-Millennium Tension", Haus am Lützowplatz, Berlin, 17. Januar bis 8. März. Eröffnung: Freitag, 16. Januar, ab 19 Uhr
Radenko Milak "Madonna Kisses Britney", 2025
Nachwuchskunst aus Sachsen in Berlin
Der Freistaat Sachsen stellt junge Kunst in Berlin aus. In der sächsischen Landesvertretung werden unter anderem Malereien, Fotografien und Objekte gezeigt, die die Kulturstiftung des Landes voriges Jahr bei Förderankäufen erworben hat. Gezeigt werden 18 Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, wie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mitteilten. Die Ausstellung ist bis zum 19. April täglich geöffnet.
Die Kulturstiftung kauft jedes Jahr Werke von Nachwuchskünstlern an. 2025 wurden den Angaben zufolge rund 95.000 Euro investiert. Für den Kunstfonds des Landes wurden in über drei Jahrzehnten mehr als 1.000 Werke aller Gattungen gesammelt.
"Neuzugänge zeitgenössischer Kunst im Kunstfonds 2025", Sächsische Landesvertretung, Berlin, bis 19. April
Franziska Koch "Die Nachtigall", 2023
Erweiterte Weltsichten in Bochum
Schönheit ist nicht genug. Eine Bestandsaufnahme der Landschaftskunst wird im Bochumer Museum unter Tage vorgenommen. Angesichts gegenwärtiger Brüche im Weltbild – bedingt durch Klimawandel, Artensterben und andere Ökokatastrophen – schauen wir heute anders auf künstlerische Darstellungen von Landschaft. Die Ausstellungsliste bezieht aber auch Kunstschaffende früherer Jahrhunderte ein, darunter Joos de Momper, Gustave Courbet oder Lotte Laserstein. Jüngeren Datums sind Landschaftswerke von Suzanne Caporael, Stan Douglas, Lada Nakonechna und Bilder des kürzlich verstorbenen Arnulf Rainer.
"Neue Blicke auf vertrautes Terrain - Erweiterte Weltsichten", Situation Kunst - Museum unter Tage, Bochum, bis 19. April
Max Gubler "Landschaft mit Gaswerk", um 1939
Ho Tzu Nyen in Hamburg
In den Werken von Ho Tzu Nyen wankt die konventionelle Auffassung von Vergangenheit. Die Multimedia-Installationen des 1976 in Singapur geborenen Künstlers, Schriftstellers und Filmemachers stützen sich auf historische Ereignisse, Kunstgeschichte oder mythische Erzählungen, um die Konstruktion von Geschichte und das Verstreichen der Zeit zu untersuchen. "Time & the Tiger" in der Hamburger Kunsthalle zeichnet die Entwicklung von Hos Werk anhand des Tigers und anderer sich wandelnder Figuren nach, die das Versprechen des Werdens sowie Zeit als heterogene Erfahrung vermitteln. Es handelt sich um die erste Überblicksausstellung zu seiner vielfältigen künstlerischen Praxis.
Ho Tzu Nyen "Time & the Tiger", Kunsthalle Hamburg, bis 12. April
Ho Tzu Nyen "Hotel Aporia", 2019, Videostill
Rosa Barba in Leipzig
Während digitale Räume zunehmend unsere Wahrnehmung bestimmen, pochen Kunstschaffende wie Rosa Barba auf die Bedeutung physischer Erfahrung. Für die große Terrasse im zweiten Obergeschoss des Leipziger Museums der bildenden Künste hat Barba mit "Under the Canopy" eine Rauminstallation geschaffen, die eine zweite Decke aus farbigem Glas in den Raum einzieht und das Tageslicht wie ein Kameraobjektiv bündelt und projiziert. Zeit – das Tageslicht in seiner unterschiedlichen Qualität – erhält dank dieser künstlerischen Intervention eine Gestalt.
Rosa Barba "Under the Canopy", Museum der bildenden Künste, Leipzig, bis 31. Mai
Rosa Barba "Under The Canopy", Installationsansicht MdbK, Leipzig, 2025
Fabian Knecht in Neuss
Die Langen Foundation in Neuss zeigt eine eindringliche Installation des deutschen Künstlers Fabian Knecht. Für seine Serie "Lachen ist verdächtig" verhüllt Knecht seit 2022 Kunstorte mit handgeknüpften "Tarnnetzen" aus Kleidung und Alltagsstoffen ukrainischer Zivilisten. Diese Netze gehören seit Beginn der russischen Invasion 2022 zu den wichtigsten, aber international kaum beachteten Formen zivilen Widerstands in der Ukraine.
Die Installation entfaltet sich im Innen- und Außenraum der Langen Foundation und tritt in einen Dialog mit der Architektur von Tadao Andō: Textile, organische Strukturen kontrastieren mit Glas, Beton und klarer Geometrie. Zugleich verweist die Arbeit auf die Geschichte des Ortes, der während des Kalten Krieges selbst mit Tarnnetzen bedeckt war. Ergänzt wird die Präsentation durch das 20-minütige Klangwerk "Land" des ukrainischen Künstlers Ihor Okuniev, das die akustische Dimension eines vom Krieg geprägten Landes erfahrbar macht.
Fabian Knecht: "Der Weg des größten Widerstandes", Langen Foundation, Neuss, 17. Januar bis 15. März 2026
Fabian Knecht "Der Weg des größten Widerstandes", Langen Foundation, Neuss, 2026
Afrikanische Porträtfotografie in New York
1960 gilt als "Jahr Afrikas", in dem 17 Staaten des Kontinents unabhängig wurden. Von der damaligen Aufbruchstimmung erzählt die Ausstellung "Ideas of Africa" im New Yorker MoMA, die den Zusammenhang von Porträtfotografie und politischer Vorstellungskraft untersucht. Gezeigt wird, wie Fotoschaffende und die von ihnen porträtierten Menschen und Szenen zur panafrikanischen Solidarität beitrugen. Neben historischen Fotos von Jean Depara, Seydou Keïta, Malick Sidibé und Sanlé Sory sind zeitgenössische Arbeiten von Samuel Fosso, Silvia Rosi oder Njideka Akunyili Crosby ausgestellt. Das fotografische Porträt bleibt relevant.
"Ideas of Africa", Museum of Modern Art (MoMA), New York, bis 25. Juli
Kwame Brathwaite "Untitled (Nomsa With Earrings)", 1964-68