Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Amsterdam, Basel, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Münster, New York, Stuttgart, Wien und Zürich

 

Männlichkeit(en) in Amsterdam

Ein Teenager tötet eine Mitschülerin, das Motiv führt ins Internet: in Foren, Kanäle und Kommentarspalten, in denen ein ganz bestimmtes Bild von Männlichkeit kursiert. Zuletzt ging es darum in der Netflix-Serie "Adolescence". Ein Begriff taucht dabei immer wieder auf: "Manosphere". Gemeint ist ein loses Onlinegeflecht aus Blogs, Foren und Social-Media-Kanälen, in dem antifeministische und oft offen frauenfeindliche Positionen kursieren. Männlichkeit gilt hier als dominanter Gegenentwurf zu einer Welt, die angeblich gegen Männer arbeitet.

Die Ausstellung "Beyond the Manosphere: Masculinities today" im Stedelijk Museum setzt genau hier an – und versucht, dieses Bild aufzubrechen. Die Gruppenschau versammelt rund 35 Künstlerinnen und Künstler und spannt einen Bogen von den 1960er-Jahren bis heute. Arbeiten von Eduardo Paolozzi, Paul McCarthy oder Sophie Calle treffen auf jüngere Positionen wie Salman Toor und SoiL Thornton. Es geht um Macht und Inszenierung, um Konsum und Körperbilder, aber auch um Unsicherheiten, Routinen und Intimität.

"Beyond the Manosphere: Masculinities today", Stedelijk Museum, Amsterdam, bis 2. August
 

Hans Eijkelboom, aus der Serie "Der ideale Mann", 1977–1982, Detail
© Collection Stedelijk Museum Amsterdam

Hans Eijkelboom, aus der Serie "Der ideale Mann", 1977–1982, Detail

 

Helen Frankenthaler in Basel

Wenn Farbe fließt, lässt sie sich nur bedingt kontrollieren. In der Malerei kann genau das produktiv werden. Die Ausstellung zu Helen Frankenthaler im Kunstmuseum Basel zeigt, wie die Künstlerin das Laufenlassen zur Methode gemacht hat. Mit ihrer Soak-Stain-Technik ließ die 1928 geborene US-Amerikanerin verdünnte Farbe in ungrundierte Leinwand einsickern – und verschob damit das Verhältnis von Bild und Fläche grundlegend.

In Basel sind jetzt mehr als 50 Arbeiten aus sechs Jahrzehnten zu sehen. Sie machen deutlich, wie konsequent Frankenthaler die Technik weiterentwickelt hat: von offenen, fließenden Farbfeldern der 1950er-Jahre bis zu dichteren, stärker gesetzten Kompositionen späterer Jahrzehnte. Immer wieder tauchen dabei Bezüge zur Kunstgeschichte auf, von Tizian bis Monet. Trotz aller Offenheit bleiben die Bilder präzise komponiert: Frankenthalers Malerei bewegt sich zwischen Kontrolle und Zufall, Fläche und Raum – und hält diese Spannung über Jahrzehnte hinweg.

"Helen Frankenthaler", Kunstmuseum Basel, 18. April bis 23. August
 

Helen Frankenthaler in ihrem Studio auf der East 83rd Street, New York, 1974, Im Hintergrund das Werk "April Mood" (1974)
Foto: Alexander Liberman, © J. Paul Getty Trust, Werke © 2026 Helen Frankenthaler Foundation, Inc / ProLitteris, Zurich

Helen Frankenthaler in ihrem Studio auf der East 83rd Street, New York, 1974, Im Hintergrund das Werk "April Mood" (1974)

 

Bauhaus-Fotografinnen in Berlin

Erst im kommenden Jahr wird das sanierte Bauhaus-Archiv in Berlin wiedereröffnet. Eine umfassende Fotoausstellung der Institution ist nun im Museum für Fotografie Berlin zu sehen: rund 300 Fotografien von Frauen. Denn Fotografinnen haben das Medium seit seiner Erfindung im 19. Jahrhundert entscheidend geprägt – auch am Bauhaus, wo sie mit neuen Techniken experimentierten. Sie hielten ihre Umgebung aus ungewohnten Perspektiven fest – zwischen Porträt, Architektur und Abstraktion.

"Neue Frau, Neues Sehen" verweist auf ein zentrales Motiv der Weimarer Republik: Die "Neue Frau" war unabhängig und berufstätig, das "Neue Sehen" löste sich von traditionellen Bildkonventionen. Dass Fotografie damals noch wenig anerkannt war, eröffnete vielen Frauen überhaupt erst einen künstlerischen Zugang. Namen wie Lucia Moholy, Florence Henri oder Grete Stern stehen dafür. Ergänzt wird die Schau durch Arbeiten aus dem "New Bauhaus" in Chicago sowie zeitgenössische Positionen wie Kalinka Gieseler, Caroline Kynast und Sinta Werner.

"Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen", Museum für Fotografie, Berlin, bis 4. Oktober
 

Lucia Moholy "Mädchen mit Kamera beim Fotografieren", um 1929
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Lucia Moholy "Mädchen mit Kamera beim Fotografieren", um 1929

 

Marc Brandenburg in Berlin

Ein irres, dunkel schimmerndes Panorama: Der Berliner Künstler Marc Brandenburg zeichnet Großstadtszenen voll Sex, Exzess und Rausch, und auch Gewalt ist eine Konstante in diesen Bildern. Jetzt widmet ihm die Berlinische Galerie eine Werkschau, in der Besuchende seine Entwicklung nachvollziehen können. Brandenburg porträtiert in den 1990er-Jahren seinen Freundeskreis, noch tastend, frei und spielerisch. Die Figuren sind von lockigem Gekritzel umrankt. Die Strenge kommt später – und mit ihr seine wichtigste methodische Setzung: Brandenburg kehrt seine fotografischen Vorlagen ins Negativ, zieht Schlieren über Figuren und Gegenstände oder verfremdet sie bis zur Unkenntlichkeit.

Es ist faszinierend zu sehen, wie dieser Künstler mit seinem eigentlich auf Bleistift (Härtegrade HH, HB, 5B) und Papier beschränktem Medium immer weiter Freiheiten in Ausdruck und Form findet. Ein ganzer Raum ist seinen temporären Tattoos mit seinen Motiven gewidmet, die in Vitrinen und auf der Haut eines Fotomodells zu sehen sind. Neu sind kurze Filme, die sich wundersam ins Werk fügen und Brandenburger Themen wie Maske, Camouflage und Entfremdung aufnehmen. 

"Marc Brandenburg: 20th Century Debris", Berlinische Galerie, bis 14. September
 

Marc Brandenburg "Ohne Titel", 2024 (Ausschnitt)
Foto: CHROMA, André Carvalho © Marc Brandenburg, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac

Marc Brandenburg "Ohne Titel", 2024 (Ausschnitt)

 

Kunstmesse in Berlin

Kunst kaufen ist oft teuer. Muss es aber nicht. Die Affordable Art Fair in der Arena Berlin setzt genau hier an und zeigt Arbeiten, die zwischen 100 und 10 000 Euro kosten. Mehr als 65 Galerien aus Berlin, ganz Deutschland und aus internationalen Gefilden sind vertreten – darunter Affenfaust Galerie, ATM Gallery Berlin oder Galerie Z22. Die Bandbreite reicht von Malerei und Skulptur bis zu Fotografie und Editionen.

Neben dem klassischen Messerundgang gibt es ein Rahmenprogramm mit Führungen, Talks und Performances. Gleich am Eingang empfängt eine Installation des Berliner Künstlers Christian Hinz, der Malerei und Wasser zu einer begehbaren Arbeit verbindet. Wer selbst sammeln will, bekommt Tipps bei Führungen oder beim "Collectors’ Talk".

Affordable Art Fair, Arena Berlin, bis 19. April
 

Affordable Art Fair Berlin 2026
Foto: David Reineke

Affordable Art Fair Berlin 2026

 

Marina Abramović in Berlin

Schwarz gekleidete Trauerfrauen, die sich rhythmisch auf die Brust schlagen – und ein Wald voller Penisse: so fängt die große Einzelausstellung von Marina Abramović im Gropius Bau an. Bekannt wurde Abramović als Schmerzensfrau der zeitgenössischen Performancekunst, ihre Berliner Schau – die größte in der Stadt seit 1990 – fokussiert jetzt auf ihr anhaltendes Interesse an der erotischen Energie des Körpers und deren gesellschaftlicher Bedeutung.

"Balkan Erotic Epic" vereint historische Werke und neue Arbeiten, filmische und skulpturale Installationen sowie Live-Performances. Ausgehend von der slawischen Folklore ihrer Heimat erforscht die Künstlerin die Verbindungen zwischen Erotik, Leben und Tod: In einem Video penetrieren Männer die Erde in der Hoffnung auf fruchtbaren Boden, in einer anderen reiben sich Frauen ihre Brüste oder recken ihre Vulva gen Himmel, damit der Regen aufhört. Ein bisschen humoristische Überspitzung folkloristischer Klischees ist sicher dabei, aber insgesamt meint es Abramović sehr ernst: Erotische Energie sei die einzige Energie, die im menschlichen Körpers fließt, sagt sie.

Und mit ihr können wir sogar der eigenen Sterblichkeit gegenübertreten: In der Live-Performance "Nude with Skeleton" – inspiriert von einer tibetisch-buddhistischen Praxis, bei der Mönche neben Toten schlafen, um die Angst vor dem Sterben zu überwinden – bewegt ein nackter, schwer atmender Körper die reglosen Gliedmaßen eines auf ihm liegenden Skeletts. Komm, süßer Tod!

Marina Abramović: "Balkan Erotic Epic. The Exhibition", Gropius Bau, Berlin, bis 23. August. Nach der Ausstellung eröffnet im Oktober die neue, mehrstündige Bühnenproduktion "Balkan Erotic Epic. The Stage Version" die Performing Arts Season im Haus der Berliner Festspiele
 

Marina Abramović "Nude with Skeleton", Performance für Video, Belgrad, 2002–05
Foto: Attilio Maranzano, © Marina Abramović / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, courtesy der Marina Abramović Archives

Marina Abramović "Nude with Skeleton", Performance für Video, Belgrad, 2002–05

 

Kunstmesse in Düsseldorf

Über mangelndes Interesse von Anbieterseite kann sich die Art Düsseldorf nicht beklagen. Sie wächst in diesem Jahr auf 119 Galerien, davon nehmen 32 zum ersten Mal teil, zehn davon in der insgesamt 65 Galerien umfassenden "Main Section". Und eine weitere Veränderung gibt es: Mit Gilles Neiens übernimmt erstmals ein künstlerischer Leiter die programmatische Ausrichtung.

Zwischen Malerei, Skulptur und experimentellen Formaten treffen etablierte Positionen auf neue Namen. Esther Schipper bringt Arbeiten von Norbert Bisky, Annette Kelm und Julius von Bismarck, während die Galerie Bärbel Grässlin mit Werken von Georg Herold, Heimo Zobernig und Günther Förg erstmals vertreten ist. Die Pariser Galerie Petrine zeigt eine Bodeninstallation von Alina Rentsch sowie einen Film von Aerin Hong. Auch jüngere Positionen sind präsent, etwa bei Soy Capitán mit Talisa Lallai, Paloma Proudfoot und Grace Weaver. Carlier | Gebauer zeigt eine Solopräsentation von Leonor Serrano Rivas, während Dittrich & Schlechtriem Arbeiten von Julian Charrière präsentiert. Bei Galerie Friese treffen Dieter Krieg und Cornelius Völker auf Malerei von Anna Leonhardt.

Der Fokus bleibt aber auf der Gegenwart und der Region: 33 Galerien kommen aus dem Rheinland, viele weitere aus Berlin. Ergänzt wird das Programm durch Sektionen wie "Next", "Paper", "Fragile Realities" und "Solo Projects". Parallel zur Messe lohnt sich auch ein Blick in die Stadt, wo zahlreiche Galerien eigene Ausstellungen zeigen.

Art Düsseldorf, Areal Böhler, bis 19. April
 

Galerie Bärbel Grässlin: Andreas Breunig "1 oT (4)", 2020
Foto: Johannes Bendzulla, courtesy Galerie Bärbel Grässlin & Andreas Breunig

Galerie Bärbel Grässlin: Andreas Breunig "1 oT (4)", 2020

 

Die 90er in Frankfurt am Main

"Wie warst Du in den 90ern?" fragten Hollywoodstars wie Drew Barrymore in letzter Zeit auf Social Media, und beantworteten die Frage auch selbst gleich mit süßen Fotobelegen. Aber die 90er waren auch eine widerständige Zeit, in der man um den Stadtraum kämpfte, gegen Privatisierung und für die individuelle Freiheit. Im Rhein-Main-Gebiet gab es eine Subkultur, die bis heute die Kulturszene prägt.

Über einen Zeitraum von vier Wochen wird der Frankfurter Kunstverein zu einem Ort der Zusammenkunft, um die subversive Praxis wieder zu beleben. Dabei steht der öffentliche Raum im Fokus, mit Aktionen, Tanzperformances, Hip-Hop-Abenden, Führungen von Künstlerinnen und Künstlern und urbanen Erzählungen der Protagonisten dieser Zeit. Macher der Ausstellung ist Heiner Blum, berufsmäßiger Ermutiger, ehemaliger HfG-Professor und Spritius Rector zahlloser Underground-Locations der vergangenen Jahrzehnte.

"Hidden History", Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main, 18. April bis 17. Mai
 

Model Anne Imhof für Labelstore, 2005
Foto: Nadine Fraczkowski

Model Anne Imhof für Labelstore, 2005

 

Hans Hansen in Hamburg

Rund 220 Fotografien aus über sechs Jahrzehnten zeigt die Ausstellung "Foto: Hans Hansen" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg – und macht deutlich, wie prägend die Arbeit des 1940 geborenen Wahl-Hamburgers für die Produktfotografie seit den 1960er-Jahren gewesen ist. In seinen Stillleben reduziert Hansen die Dinge auf das Wesentliche. Er ordnet, zerlegt und strukturiert Formen, Farben und Materialien. Besonders eindrücklich ist die Aufnahme eines vollständig in rund 7000 Einzelteile zerlegten VW Golf von 1988: ein technisches System, das sich erst im Bild als Ganzes erschließt. Licht, Schatten und Perspektive sind präzise gesetzt.

Zwischen internationalen Kampagnen für Marken wie Lufthansa, Nikon oder Volkswagen und freien Arbeiten entwickelte Hansen eine sachlich-minimalistische Bildsprache, die bis heute nachwirkt. Ergänzt wird die Schau durch Entwürfe, Korrespondenzen und Archivmaterial sowie durch neue Arbeiten aus der Serie "Analog", in denen Hansen sich auf die Grundlagen seiner Fotografie zurückbesann: Licht, Komposition und Material.

"Foto: Hans Hansen", MK&G Hamburg, bis 1. November
 

Hans Hansen, Detail aus o. T. (Objektiv), für Nikon, 1985
© Hans Hansen

Hans Hansen, Detail aus o. T. (Objektiv), für Nikon, 1985

 

Ost- und West-Fotografie in Köln

Wer an Ost und West denkt, erwartet oft klare Unterschiede im Alltag. Die Fotografien aus dem geteilten Deutschland um 1980, die im Museum Ludwig zu sehen sind, machen aber deutlich, wie vielschichtig die Realität war.

Die Schau spannt den Bogen zwischen zwei sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Systemen: hier die Bundesrepublik, geprägt von neuen sozialen Bewegungen und der Ära Kohl, dort die DDR, deren 1980er-Jahre meist als "Phase der Stagnation" beschrieben werden. Drei internationale Fotografen – Henry Maitek, Derek Bennett und Karl Kugel – blicken von außen auf die BRD und auf das Bild Deutschlands nach 1945. Vier mit der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst verbundene Fotograf:innen – Ute Mahler, Christiane Eisler, Erasmus Schröter und Evelyn Richter – halten dagegen den DDR-Alltag fest.

"Zweimal Deutschland um 1980", Museum Ludwig, Köln, 18. April bis 11. Oktober
 

Christiane Eisler "Heike, 1983", 1983
© Christiane Eisler, Repro: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv

Christiane Eisler "Heike, 1983", 1983

 

Gerhard Richter in Münster

Aus der Berufsschule ins Museum: Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zeigt zwei großformatige Ölgemälde von Gerhard Richter. Die Werke "Strich (auf Rot)" und "Strich (auf Blau)" kommen als Dauerleihgaben aus dem Kreis Soest. Dort hingen die beiden 1,90 auf 20 Meter großen Bilder bislang laut Angaben des Museums in einer Berufsschule. Nun präsentiert das Museum die Werke erstmals in der Sammlung am Domplatz der Öffentlichkeit.

Der heute 94 Jahre alte Richter gewann mit den beiden Gemälden 1979 und 1980 den "Kunst am Bau"-Wettbewerb. Zuletzt war "Strich (auf Rot)" in der Retrospektive in der Fondation Louis Vuitton in Paris zu sehen, mit der der Künstler sein Jahr­hundertwerk vollendete. (dpa/Monopol)

Gerhard Richter, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
 

Das Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zeigt erstmals in seiner Sammlung Gerhard Richters "Strich (auf Rot)" und "Strich (auf Blau)"
Foto: Lars Berg/dpa

Das Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zeigt erstmals in seiner Sammlung Gerhard Richters "Strich (auf Rot)" und "Strich (auf Blau)"

 

Junge Kunst in New York

Wie lässt sich eine Kunstszene vermessen, die sich permanent verändert? Die Überblicksschau "Greater New York" im MoMA PS1 versucht genau das – und zeigt in ihrer aktuellen Ausgabe, was Künstlerinnen und Künstler in der Stadt gerade beschäftigt. 53 Positionen sind vertreten, viele Arbeiten eigens entstanden und erstmals zu sehen. Die Bandbreite reicht von Malerei und Fotografie bis zu Installationen und Performances. Themen wie Überwachung, technologische Beschleunigung und soziale Ungleichheit tauchen dabei immer wieder auf. Gleichzeitig geht es um Gemeinschaft und Formen von Widerstand.

Konkreter wird das in den sehr unterschiedlichen Ansätzen: Farah Al Qasimi zeigt fotografische Arbeiten, Janiva Ellis Malerei, Kenneth Tam arbeitet mit Film und Installation. Das Kollektiv Red Canary Song ist mit einer eigenen Präsentation vertreten. Ergänzt wird die Schau durch ein Performance-Programm im Mai und Juni, unter anderem mit einem Theaterstück von Georgica Pettus.

"Greater New York 2026", MoMA PS1, New York, bis 17. August
 

Piero Penizzotto "Kings of Comedy (Chris, Imani, Bernard, Calvin, D’re)", 2024
Foto: Oriol Tarridas, Courtesy the artist and Primary Gallery

Piero Penizzotto "Kings of Comedy (Chris, Imani, Bernard, Calvin, D’re)", 2024

 

"Das kalte Herz" in Stuttgart

In der 1827 erschienenen Erzählung "Das kalte Herz" schilderte Wilhelm Hauff die Folgen von Industrialisierung und Kapitalismus für die damalige Gesellschaft. In einer Gruppenausstellung präsentiert das Kunstmuseum Stuttgart jetzt eine aktualisierte Lesart der im Märchen angelegten Leitmotive Identität, Gewalt und Heilung, Affekt sowie ökologische Ausbeutung. Julius Pristauz und Nora Turato haben sich in Neuproduktionen explizit mit dem Text beschäftigt, ergänzt wird die Schau mit Werken von Kader Attia, Tracey Emin, Jenny Holzer, Pol Taburet, Rosemarie Trockel und anderen.

"Das kalte Herz", Kunstmuseum Stuttgart, 18. April bis 4. Oktober
 

Troika "Irma Watched Over by Machines", 2020
© Troika / Foto: Dirk Tacke

Troika "Irma Watched Over by Machines", 2020

 

Richard Prince in Wien

Seit den 1970er-Jahren eignet sich Richard Prince Fotografien aus Werbung, Medien und Alltagskultur an und verschiebt ihre Bedeutung. Berühmt wurde er mit den "Cowboys": Marlboro-Motive, neu fotografiert und beschnitten, die den Mythos vom amerikanischen Westen zugleich reproduzieren und infrage stellen. Auch Serien wie "Fashion" oder "Gangs" arbeiten mit solchen Bildfragmenten, die neu kombiniert werden und ihre Wirkung gerade aus der Wiederholung beziehen.

Die Ausstellung in der Albertina versammelt Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten und rückt die Fotografie als Leitmedium in den Mittelpunkt. Frühe Arbeiten zeigen, wie Prince Anzeigenbilder neu fotografiert, Logos entfernt und Ausschnitte verschiebt. Spätere Werkgruppen greifen stärker auf eigenes oder gesammeltes Material zurück, das er collageartig anordnet und neu in Beziehung setzt.

Dabei geht es immer wieder um dieselben Fragen: Wer spricht im Bild? Was ist ein Original? Und wie verändern sich Bedeutungen, wenn Bilder aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst werden? Prince zeigt, dass Bilder nicht neutral sind, sondern Teil kultureller Systeme – und dass sich ihre Wirkung gerade durch Wiederholung verstärkt.

"Richard Prince", Albertina, Wien, bis 16. August
 

Richard Prince "Untitled (Cowboy)", 1989
Courtesy of Richard Prince Studio © Richard Prince

Richard Prince "Untitled (Cowboy)", 1989
 

 

Kolonialzeitliche Fotografie in Zürich

Das Museum Rietberg verfügt über eine große Sammlung von Fotografien aus der Kolonialzeit. Teilweise hatten sie dokumentarische Zwecke, teilweise sind sie aber auch Zeugnisse von Grausamkeit und rassistischer Ideologie. Wie kann man diese Bilder in eine gegenwärtige Bildkultur einordnen? Das Zürcher Museum bat zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, mit diesen problematischen Zeitzeugnissen umzugehen.

Aus alten Fotografien entstanden so neue Imaginationsräume, die das bekannte Eroberer-Narrativ gründlich in Frage stellen. Die Positionen, darunter Sammy Baloji, Frida Orupabo, Wendy Red Star und Raphaël Barontini, arbeiten die Geschichte aus der Sicht der damals Kolonisierten neu auf. Poetisch und visionär erkunden die Werke, wie koloniale Bildwelten bis heute Identität, Geschichte und Zugehörigkeit formen.

"Fast ein Paradies. Kolonialzeitliche Fotografie in der Gegenwartskunst", Museum Rietberg, Zürich, bis 6. September
 

Wendy Red Star "Spring – Four Seasons", 2006
© Wendy Red Star, Courtesy the artist; collection of the Newark Museum of Art

Wendy Red Star "Spring – Four Seasons", 2006