Das Durchlüften-Festival in Berlin
Bevor es Unter den Linden wirklich zu heiß wird, lädt das Humboldt Forum Berlin zum "Durchlüften". Vom 9. Juli bis zum 1. August präsentiert das Musikfestival an vier Sommerwochenenden 24 Live-Acts und zwölf DJs aus aller Welt – von mauretanischem Wüstenblues und indigenem Futurismus der Anden über kurdischen Acid-Ritual und afrokolumbianische Bass-Kosmologien bis zu tansanischer Polyfonie und anatolisch-nordischer Electronica. Der Eintritt ist frei, musikalische Entdeckungen dürften einige dabei sein.
"Durchlüften", Humboldt Forum, Berlin, bis 1. August
Eigentlich ist es noch eine Woche hin, bis das Asphalt-Festival wieder Theater, Performance, Musik und Kunst nach Düsseldorf bringt. Doch an diesem Freitag eröffnet bereits die Ausstellung "Verschwinden (Archiv)" von Laurenz Berges. Seine melancholischen und stimmungsvollen Fotografien zeigen den Menschen in seiner Abwesenheit. Der Fotograf geht gezielt in Gebäude und Gegenden, die durch Strukturwandel oder gesellschaftliche Umbrüche, zu Geisterorten geworden sind. Auch wenn kaum Personen auf seinen Arbeiten zu sehen sind, zeigen sie was ist und bleibt, auch nach dem Verschwinden des Menschen.
Die Fotografien des ehemaligen Meisterschülers von Bernd Becher, sind nun zum ersten Mal in einer Ausstellung in Düsseldorf zu sehen. Präsentiert werden die lichtminimalistischen und stillen Arbeiten im Tunnel des KIT – zum ersten Mal wandert das Asphalt-Festival dadurch in diese unterirdische Ausstellungsfläche und bespielt sie im Verlauf des Festivals mit weiteren musikalischen und performativen Events.
"Verschwinden (ARCHIV)"; Asphalt-Festival, KIT – Kunst im Tunnel; Düsseldorf; Eröffnung am Freitag, 10. Juli, 18 Uhr; bis 2. August
Laurenz Berges "Am Markt I", 2008
In Fotografien, Zeichnungen, Video-, Sound- und Textarbeiten verwebt Cihan Çakmak persönliche Fragmente mit kollektiven Erinnerungen. Identität zeigt die 1993 in Niedersachsen geborene Künstlerin nicht als feste Kategorie, sondern stets in Beziehung – zu anderen Körpern, Erinnerungen und Geschichte. Eine Schlüsselrolle nimmt für Çakmak das Selbstporträt ein, das bei ihr Projektionsfläche des fremden Blicks, aber auch Mittel der Dekonstruktion normierter Rollen wird. Wie das Sich-Zeigen zum Akt der Rebellion wird, demonstriert die Soloschau im Leverkusener Museum Morsbroich anhand von rund 60 Werken, darunter auch viele Zeichnungen der Künstlerin.
Cihan Çakmak, "like a warrior", Museum Morsbroich, Leverkusen, 12. Juli bis 8. November
Cihan Çakmak "when we leave", 2025
Eine Sammlung aufzubauen – das ist die Kernaufgabe eines Museums. Im Wiener Belvedere 21 eröffnet jetzt eine Ausstellung, die sich über das Erd- und Obergeschoss, das Blickle Kino und den Garten des Hauses erstreckt. Die "Stellprobe" – eine versuchsweise, intuitive Aufstellung von über 150 Erwerbungen und Schenkungen der letzten zehn Jahre – umfasst Werke aus allen Epochen, von mittelalterlichen Altarbildern bis zu zeitgenössischen Positionen von Caroline Achaintre, Gerwald Rockenschaub, Ashley Hans Scheirl, Maja Vukoje und Anna Witt. Das räumliche Display wurde von dem Künstler Heimo Zobernig entworfen.
"Stellprobe. Sammlungszugänge der letzten Dekade in einem Display von Heimo Zobernig", Belvedere 21, Wien, bis 4. Oktober
Margot Pilz "O. T. (Hände)", 1978/2019, Belvedere Wien
Der Titel "Come, Sit, Stay" der Einzelausstellung der chinesischen Künstlerin Miao Ying mag nach einer fröhlichen Einladung klingen, wie sie auf einem Tafelschild vor einem kleinen Cafe Vorbeigehende anlockt. Im Arbeitskontext der Künstlerin erinnert der Dreiklang jedoch auch an Befehlsrufe, die Menschen an ihre Hunde richten. Ying untersucht die Funktion des Befehls, um dadurch unseren Umgang, unsere Wünsche und unsere Abneigungen gegenüber KI nachzuvollziehen. Tiererziehung und KI-Erziehung setzt Ying bewusst einander gegenüber – ohne dabei ganz unironisch zu bleiben.
Die Ausstellung im Belvedere 21 in Wien zeigt aktuelle Arbeiten der Künstlerin, in denen digitale Technologien und klassische Bildproduktion miteinander zu verschwimmen beginnen. Ihr kritischer Blick bewegt sich zwischen der Absurdität gegenwärtiger Bildwelten und deren sublimen Kontroll- und Überwachungsstrukturen.
Miao Ying, "Come, Sit, Stay", Belvedere 21, Wien, bis 4. Oktober
Miao Ying "Perfect Sameness Makes Difference", Live-Simulation auf PC (Still), 2026