Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Basel, Berlin, Erfurt, Kopenhagen und Stockholm

 

Gili Tal in Basel

Er ist kalt und leuchtet von innen meist grellweiß. Manche Modelle brummen, manche sind groß, andere klein – doch alle sind glatt, alltäglich und ohne Inhalt ziemlich sinnlos. Bei Gili Tal wird der Kühlschrank, denn um ihn geht es hier natürlich, zum Spielfeld der künstlerischen Praxis. Einst machte sie ihn zum Readymade, angeschlossen an die Stromversorgung einer Galerie. 

Warenästhetik und Werbesprache beschäftigen die Künstlerin ebenso wie Fragen nach Leere und Display, dem reinen Zeigen. Für die Ausstellung "Light and Airy" in der Kunsthalle Basel führt Tal diese Stränge nun zusammen. Fotografien von Kühlschränken treffen dort auf Bilder aus Supermarktprospekten, Renderings von Wohnbauprojekten und Buntstiftzeichnungen. Tal greift die makellose Ästhetik von Werbebildern auf und unterläuft zugleich die Versprechen, die sie transportieren. Denn anders als der Titel vermuten lässt, ist "Light and Airy" keineswegs leicht und luftig. Hinter den glatten Oberflächen geht es um Konsum, Begehren und darum, wie Bilder uns etwas verkaufen – ob Kühlschrank, Wohnung oder Lebensentwurf.

Gili Tal "Light and Airy", Kunsthalle Basel, bis 15. November

Installationsansicht: mittelformatiges Wandobjekt unter Acryl, gelb-orange Fläche, Rasterpunkte
Foto: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel

Gili Tal "Cold Drinks", 2026

 

Kunsttage in Basel 

Die Stadt Basel hat keine 200.000 Einwohner, aber vor ihrer Kunstszene können sich viele andere europäische Metropolen verstecken. Wie viel los ist am Rhein, zeigt sich bei den Kunsttagen Basel, für die Galerien und Institutionen aus Kunst und Kultur am letzten Augustwochenende an einem Strang ziehen. 

Über 60 Kunstorte in Basel und der Region machen bei der siebten Ausgabe des Festivals mit. Am Samstag stehen Live-Erlebnisse im Zentrum. Dann ist beispielsweise im Museum Tinguely eine Performance von Ernestyna Orlowska zu erleben, die sich ironisch als Fahrradbotin inszeniert. Im Festivalzentrum, der Kunsttage Plaza im kHaus, dreht sich unter dem Titel "Culinary Infrastructures" alles um Essen und Kochen. Und bei speziellen Gastrospaziergängen kann man Restaurants kennenlernen, die die Kunst der Kulinarik mit der bildenden Kunst zu verbinden wissen.

Kunsttage Basel, bis 30. August

Ernestyna Orlowska Make Your Body Your Machine 2021 Performance mit Figur auf rotem Lieferrucksack
© Ernestyna Orlowska, Foto: Margot Roth

Ernestyna Orlowska "Make Your Body Your Machine", 2021


Lange Nacht der Museen in Berlin

Bei der langen Nacht der Museen dreht sich diesmal alles um Kriminalfälle. An diesem Samstag kann man wieder bis spätnachts durch Museen und Ausstellungshäuser in der Hauptstadt ziehen. Mit einem Ticket kann man 75 verschiedene Orte besuchen.

Neben den bekannten Museen etwa auf der Museumsinsel machen auch viele kleinere Häuser in der Hauptstadt mit. Die meisten Orte sind zwischen 18 und 2 Uhr geöffnet. Schwerpunktmäßig geht es diesmal um Kriminalfälle – von "Kains Brudermord bis zur Cyberkriminalität, vom Mordkomplott im Florenz der Medici bis zum Schwarzmarkt der Nachkriegsjahre", wie die Veranstalter ankündigten. 

"Nehmt Euch nicht mehr als vier bis fünf Museen vor", empfehlen die Organisatoren. "Berlin ist groß, die Wege zwischen den Museen zum Teil lang. Lasst Euch Zeit für Begegnungen und neue Eindrücke und Raum für spontane Entscheidungen." Im Programm stehen etwa auch Swingtanz und Karaoke.

Auf der Internetseite werden Routenvorschläge gemacht, etwa zu den 1920er Jahren in Berlin, queerer Geschichte oder herausragenden Künstlerinnen. Man kann sich auch vom "Museo-Mat" einen Vorschlag machen lassen. Die Tickets kosten 23 Euro, ermäßigt 17 Euro. Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt. Mit den Karten kann man auch Shuttlebusse nutzen. Im vergangenen Jahr hatte die lange Nacht der Museen unter dem Motto Liebe gestanden.

"Lange Nacht der Museen", Berlin, 29. August, 18 bis 2 Uhr

Berlin: Menschen bei der Langen Nacht der Museen am beleuchteten Berliner Dom, Museumsinsel.
Foto: dpa

Lange Nacht der Museen in Berlin 2025

 

Wendekinder in Berlin

"The Kids Are Alright" heißt ein Song der Rockband The Who und auch eine Filmkomödie von 2010, in der es um die turbulenten Beziehungen innerhalb einer ungewöhnlichen Patchworkfamilie geht. Entspannt euch alle, ist die jeweilige Kernbotschaft, den Kindern geht es gut. Eine neue Ausstellung in der Kommunalen Galerie Adlershof sieht das Ganze etwas pessimistischer: Sie trägt den Titel "Die Kids sind nicht alright 2" und zeigt Künstlerinnen und Künstler, die die DDR und die Wendezeit zwar nicht mehr selbst erlebt haben, deren Biografien aber von ihrer Sozialisation im Osten und von deutsch-deutschen Erfahrungen geprägt sind. 

Auch hier geht es um Familienkonstellationen, aber genauso um politische Beziehungen, den Rechtsruck in Deutschland und die Verwerfungen seit der Wiedervereinigung, die kurz vor mehreren Landtagswahlen im Osten intensiv diskutiert werden. Zu sehen gibt es in Adlershof Werke von unter anderem Minh Duc Pham, Eric Meier, Anna Sophia Barth und Manuel Sékou. Teil eins der Ausstellung ist noch bis 13. September im Museum unter Tage in Bochum zu sehen.

"Die Kids sind nicht alright 2", Galerie Alte Schule Adlershof, Berlin, 29. August bis 14. November; Eröffnung: Freitag, 28. August,19 Uhr

Clara Marie Bennewitz, Reine Wäsche, Installation: Wäschespinne mit Kleidung im Galerieraum.
Foto und Courtesy: Clara Marie Bennewitz

Clara Marie Bennewitz "Reine Wäsche", 2025

 

"Why so serious?" in Erfurt

Bloß nichts berühren und ja nicht zu eng ans Kunstwerk treten! Mit dieser Schranke im Kopf sind Ausstellungsbesuche in der Regel verbunden. Die passend titulierte Schau "Why so serious?" in der Galerie Waidspeicher in Erfurt macht es anders. Gleich am Eingang lädt Benedikt Brauns Installation "Star-Shooting" dazu ein, mit Soft-Air-Pistolen auf Papierenten und Porträtfotos des Künstlers zu schießen. Auf Josephine Schulz' mit Keramikkacheln bedecktem Tischtennistisch darf gespielt werden, wobei die Rillen den Ball in unvorhersehbare Richtungen springen lassen. Und Jonas Hohnkes Hüpfburg "White Cube" macht das gleichnamige Ausstellungskonzept zur Sprungfläche. 

Daneben gibt es einen scheinbar magisch im Raum stehenden Haushaltsbesen und Kunst-Memes von Cem A. zum Durchscrollen. "Viele der Arbeiten werden erst durchs Mitmachen vollendet", sagt Kurator Philipp Schreiner. Wer noch aktiver werden möchte, kann Origami-Tauben mit Ben Thiele falten oder beim Tischtennisturnier um einen Keramikpokal spielen – natürlich ebenfalls ein Kunstwerk. (dpa/monopol)

"Why so serious?", Galerie Waidspeicher, Erfurt, 30. August bis 14. März; Eröffnung: Samstag, 29. August, 15 bis 21 Uhr

Installationsansicht: Schießbude mit Gummienten, Spielkarten, Zielen; Person zielt mit Pistole.
Foto: Michael Reichel/dpa

Benedikt Braun "Starshooting", 2029, Installationsansicht "Why so Serious?" Galerie Waidspeicher, Erfurt 2026

 

Kunstmessen in Kopenhagen 

Ende August versammelt sich die nordeuropäische Kunstszene in Kopenhagen. Die Chart bespielt die historische Kunsthal Charlottenborg mit rund 37 ausgesuchten Galerien und einem ambitionierten Nebenprogramm aus Talks, Performances und Outdoor-Ausstellungen – selbst die U-Bahn wird einbezogen. 

Bei Touren durch die Stadt können die bestehenden Kunstwerke im öffentlichen Raum erlebt werden, im Tivoli Park wird für die Messe unter anderem ein Werk von Superflex installiert, und der Hof der Kunsthal Charlottenborg, in dem auch Konzerte und Partys stattfinden, wird in ein Gesamtkunstwerk verwandelt. Parallel lädt die Enter Art Fair in die historische Lokomotivværkstedet, wo sich 87 Galerien aus 19 Ländern versammeln. Ein Skulpturengarten und verschiedene Gesprächsprogramme komplettieren das Angebot.

Chart Art Fair und Enter Art Fair, Kopenhagen, bis 30. August

Luftaufnahme Charlottenborg während CHART Kunstmesse; Hof mit Zelten, Nyhavn-Kanal, Kopenhagen.
Foto: Joakim Züger, Courtesy CHART

Charlottenborg während der Chart Art Fair, 2025

 

Ästhetischer Widerstand in Stockholm 

Können Kunstwerke sich zu einem Widerstand gegen Faschismus, die Verwüstungen und Ungleichheiten unserer Zeit vereinen? Kann Kultur ein Mittel zur Gemeinschaft in der gespaltenen Welt der Gegenwart sein? Die Bonniers Konsthall in Stockholm zeigt eine Gruppenausstellung, die auf dem Roman "Die Ästhetik des Widerstands" des schwedisch-deutschen Schriftstellers, Dramatikers und Künstlers Peter Weiss (1916–1982) basiert. 

Die Schau vereint neu geschaffene Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler, historische Werke und Dokumente aus Weiss’ Umfeld und der Welt des Romans sowie ein Programm mit Vorträgen, Aufführungen, Filmvorführungen und Konferenzen. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf ein Werk von Weiss, das im Jahr 1948 im Verlag Bonniers erschien: "Die Besiegten" beschwört ein Inferno herauf, die Welt in Trümmern, die Weiss vorfand, als er nach Kriegsende seine ehemalige Heimat Deutschland besuchte. Eine Erfahrung, die er als surreale Traumlandschaft umsetzte.

"The Defeated: The Aesthetics of Resistance 2026", Bonniers Konsthall, Stockholm, bis 8. November

Gemälde: Vier frontale Figuren, eine mit Baby, in pasteller Landschaft, zarte Pinselzüge
Courtesy Bonniers Konsthall

Kateryna Lysovenko "Madness of fascism", 2026