Merkel signiert in Berlin
Wegen des großen Interesses wird das Porträt von Ex-Kanzlerin Angela Merkel noch länger auf der Berliner Museumsinsel ausgestellt. Das Bild soll nun noch bis zum 3. Januar 2027 im Bode-Museum zu sehen sein, wie das Museum ankündigte. Merkel werde am 4. Oktober auch persönlich zu Gast sein und Postkarten mit dem Porträtmotiv signieren.
Das Gemälde war Ende Juni enthüllt worden, seitdem hatten sich die Besuchzahlen in dem Museum fast verdoppelt. Eigentlich sollte das Gemälde nur noch bis Anfang Oktober ausgestellt werden und dann als Leihgabe an das Bundeskanzleramt gehen. Merkel hatte sich lange Zeit gelassen, bis sie sich für einen Künstler entschied. Gemalt wurde das Porträt nun von dem Künstler Jérémie Queyras. Der noch junge Künstler stammt aus einer Freiburger Musikerfamilie und hatte sich bei Merkel 2022 handschriftlich beworben.
Das Gemälde zeigt die frühere Kanzlerin mit leuchtend blauem Blazer vor goldbraunem Hintergrund. Gemalt wurde sie stehend bis zu den Knien, die Hand hat sie auf einer Stuhllehne abgelegt. Bei der Enthüllung des Bildes hatte Merkel erklärt, dass sie sich mit dem Porträt Zeit lassen wollte. "Ich brauchte Abstand", sagte sie damals. Das Porträt sollte kein Punkt auf einer abzuarbeitenden To-do-Liste werden, "sondern ich wollte Freude an einem solchen Vorgang haben". (dpa)
"Das Porträt der Bundeskanzlerin", Bode-Museum, Berlin, bis 3. Januar 2027, Signierstunde am 4. Oktober
Detail aus dem Merkel-Gemälde von Jeremie Queyras
Kunstwoche der Kommunalen Galerien in Berlin
36 Galerien, 44 Ausstellungen: Am Freitag startet in Berlin die Kunstwoche der Kommunalen Galerien. Über eine Woche lang können die Werke von mehr als 150 Künstlerinnen und Künstlern angeschaut werden. Die Arbeiten decken ein breites Spektrum ab, darunter Malerei, Fotografie, Performance, Video- und Soundkunst. Eröffnet wird die Woche mit einer großen Party im Kunsthaus Acud in Mitte.
Während der Kunstwoche stehen verschiedene Ausstellungseröffnungen auf dem Programm. Das Haus am Kleistpark zeigt künstlerische Arbeiten von Daniela Friebel zum Nachlass eines ostdeutschen Teilchenphysikers. Der Kunstverein Tiergarten entwirft in der Galerie für zeitgenössische Kunst RK mögliche Perspektiven für die Zukunft. Mehrere Galerien widmen sich der Kunst in der DDR, wie die Prater Galerie und die Galerie Pankow. In Pankow werden Werke der Fotografin Ute Mahler gezeigt. Außerdem bieten die Galerien Touren und Workshops an. (dpa)
Kunstwoche der Kommunalen Galerien, Berlin, bis 11. Oktober
Ute Mahler "Martina im Tulpenbaum, Hohen Neuendorf", 1980
Sonnenrituale in Berlin
Dass im Berghain plötzlich jemand anfängt, in fremden Zungen zu sprechen, kann schon mal passieren. In diesem Fall hat das aber weniger mit psychoaktiven Substanzen als mit Kunst zu tun. Die Worte, die durch die imposante Industriearchitektur wabern, gehören zur Installation "A Shroud Woven of Solar Threads" von Ala Roushan und Charles Stankievech, die ab diesem Wochenende in der Halle am Berghain zu sehen ist. Das Duo hat nach eigenen Angaben mithilfe eines Linguistikprofessors aus Toronto und eines KI-Sprachmodells einen Text in der verlorenen Sprache Proto-Indoiranisch erstellt und lässt ihn nun von einem Chor von Stimmen aufführen.
Es handelt sich um ein archaisches Ritual für die Gottheit Mithra, die die Sonne kontrollieren soll. Das rhythmische Gebet, das sich wie ein Ohrwurm im Kopf festsetzt, wird von computergenerierten Bildern aus einer mithräischen Höhle begleitet, die Ala Roushan und Charles Stankievech gescannt haben. In der Ausstellung, die von Juliet Kothe und Nadim Samman für die Kunstplattform House kuratiert wurde, mischen sich Spekulationen über jahrtausendealten Glauben mit einem sehr zeitgenössischen düsteren Clubgefühl. Und die Sonne wird ja immer noch verehrt und als Ressource genutzt, heute allerdings eher von der Energiewirtschaft und Tech-Bros, die vom solaren Geoengineering träumen.
Ala Roushan und Charles Stankievech "A Shroud Woven of Solar Threads", House, Halle am Berghain, Berlin, bis 18. Oktober. Am 14. Oktober findet ab 20 Uhr eine Performance mit den Künstlern statt
Ala Roushan und Charles Stankievech "A Shroud Woven of Solar Threads", Installationsansicht House, Halle am Berghain, Berlin, 2026
Talks zu Kantors Kunst in Berlin
Wie entstehen künstlerische Räume zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Theater und Museum? Die Gesprächsreihe "Kantor’s Room. Conversations on Art and Risk" im Gorki Theater widmet sich an diesem Wochenende drei unterschiedlichen Perspektiven. Am Samstag sprechen die Schauspielerin Anne Ratte-Polle und Hausregisseur Sebastian Baumgarten über ihre künstlerischen Werdegänge in Ost- und Westdeutschland und darüber, wie Erinnerungsräume die körperliche Praxis prägen. Am Sonntag geht es zunächst mit der Theaterwissenschaftlerin Uta Schorlemmer und Ludwig Haugk um Tadeusz Kantors Stück "Die Rückkehr des Odysseus", das 1944 im besetzten Krakau unter Lebensgefahr aufgeführt wurde. Zum Abschluss diskutieren Çağla Ilk, die neue Intendantin des Hauses, und Kurator Udo Kittelmann über die Übergänge zwischen Theater und Museum und das Zusammenspiel von Bühne, Ausstellung, Dramaturgie und kuratorischer Praxis.
Talkserie "Kantor's Room" am Gorki Theater, Berlin, Samstag und Sonntag
Installationsansicht im Gorki Theater. Links: Sarkis "On the Breaking Bad’s", ohne Jahr. Rechts: Dokumentation Tadeusz Kantor "The Return of the Odysseus", 1944
Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer in Chemnitz
Seit den 1970er-Jahren griffen Kunstschaffende in der DDR verstärkt auf klassische Mythen und literarische Stoffe zurück, um gesellschaftliche Fragen zu verhandeln. Das galt für Wolfgang Mattheuer ebenso wie für seine Frau Ursula Mattheuer-Neustädt, die ihre künstlerische Inspiration vor allem in Literatur und Poesie fand, die sie in eindringlichen, meist schwarz-weißen Zeichnungen und Grafiken von nahezu symbolischem Charakter umsetzte. Eine Doppelausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz zeigt die Bandbreite der jeweiligen Œuvres und beschäftigt sich mit großen Lebensfragen zu Individuum, Freiheit und Liebe.
"Allegorien des Lebens. Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer", Kunstsammlung am Theaterplatz, Chemnitz, bis 11. April 2027
Wolfgang Mattheuer "Hemd im Wind II", 1991
Drachen in Darmstadt
In die Welt der Drachen taucht eine neue Sonderausstellung des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt ein. Die interdisziplinäre Schau "Drachen - Mythos und Wirklichkeit" beleuchtet nach Angaben des Museums das Fabelwesen aus kunsthistorischer und naturwissenschaftlicher Perspektive. Drachen beflügeln die Fantasie des Menschen seit Jahrtausenden, teilten die Ausstellungsmacher mit. Während die Wesen in europäischen Kulturen eher als bedrohlich erschienen, würden sie in asiatischen Ländern wie China, Korea und Japan als göttliche Himmelsdrachen positiv wahrgenommen. Die Ausstellung ist bis zum 17. Januar zu sehen.
Unter den Ausstellungsstücken sind dem Museum zufolge ostasiatische Kunst, mittelalterliche Objekte, historische Dokumente und naturkundliche Stücke wie Fossilien und Tierpräparate. Gezeigt werden mehr als 170 Kunstwerke aus verschiedenen Epochen mit Darstellungen von Drachen. Darunter sind auch grafische Blätter von Albrecht Dürer, Rembrandt Harmensz van Rijn und Arnold Böcklin. (dpa)
"Drachen – Mythos und Wirklichkeit", Hessisches Landesmuseum, Darmstadt, bis 17. Januar 2027
Etienne Marius, genannt Georges Blanchin "Zähmung der Tarasque (Drache) durch die Hl. Martha", um 1900
Rebellinnen in Emden
Ein Archiv wird kritisch beleuchtet. Die Sammlung der Kunsthalle Emden spiegelt, wie die Kunstwelt der 1980er aussah: von Männern dominiert. Nun eröffnet die Ausstellung "Rebellinnen" den Diskurs um Sammlungslücken und stellt wichtige Fragen zur Gegenwart. Gezeigt werden ausschließlich Werke von Künstlerinnen, die in den Gründungsjahren der Kunsthalle die Kunstwelt ihrer Gegenwart beeinflusst haben. Beteiligt sind etwa Elvira Bach, Ina Barfuss, Miriam Cahn, Monika Funke Stern, Sabine Herrmann, Johanna Kandl, Jutta Koether, Käthe Kruse, Verena Kyselka, Michaela Melián, Christa Näher, Bettina Semmer, Gabriele Stötzer und Rosemarie Trockel.
"Rebellinnen", Kunsthalle Emden, Emden, bis 28. Februar 2027
Käthe Kruse "Die Tödliche Doris, Maria-Kissen", 1985/86, Detail aus 4-teiliger Serie
Mohammed Sami in Kassel
Ein Muster wird eine Fläche, wird ein Raum und zerfällt dann wieder in etwas Unbestimmtes. Auf den großformatigen Malereien von Mohammed Sami (geboren 1984 in Bagdad) sind keine Menschen, sondern nur Objekte zu sehen; trotzdem scheinen sie von einer leicht unheimlichen Präsenz bewohnt zu sein. Sami, der unter anderem am Londoner Goldsmiths College studiert hat, war 2025 für den renommierten britischen Turner Prize nominiert und eröffnet im Fridericianum in Kassel nun seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland.
In Samis neuesten Bildern bekommen malerische Strategien der Abstraktion etwas Körperliches. "Hostless" ist gleichzeitig die letzte Ausstellung des Fridericianum-Direktors Moritz Wesseler, dessen Amtszeit in Kassel nach acht Jahren regulär endet. Anfang 2027 macht das Haus dann Platz für die Vorbereitung der Documenta 16.
Mohammed Sami "Hostless", Fridericianum, Kassel, 3. Oktober bis 3. Januar 2027. Eröffnung: Freitag, 2. Oktober, ab 19 Uhr
Mohammed Sami "The Basement (Detail)", 2025
Transatlantische Moderne in Köln
Zum 50-jährigen Bestehen richtet das Museum Ludwig den Blick nach innen und findet dabei eine Leerstelle: Werke Schwarzer Kunstschaffender waren kaum vertreten. Nun wird eine Vielzahl internationaler Leihgaben zusammengebracht: Moderne Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen sowie Literatur und Musik der Schwarzen Diaspora treten in Dialog mit Werken der Sammlung. Anhand der Harlem Renaissance in den USA oder der Négritude-Bewegung in Europa werden transatlantische Verbindungslinien nachgezeichnet.
"Along the Color Line. Spuren einer transatlantischen Moderne", Museum Ludwig, Köln, bis 7. März 2027
James Gregory Atkinson "6 Friedberg-Chicago", 2021, Filmstill
Gritli Faulhaber in Langenthal
Die Künstlerin Gritli Faulhaber lebt seit neun Jahren mit der Autoimmunkrankheit ME/CFS. Wenn ihr Körper nichts anderes schafft, malt sie Punktbilder. Durch diese Arbeiten bricht sie mit Vorstellungen von Normalität und kontert chronische Unsichtbarkeit mit Kunst. Außerdem arbeitet Faulhaber mit der Aneignung historischer Referenzen: Viele ihrer großformatigen Malereien beziehen sich auf das Leben und Werk bekannter Künstlerinnen, verbunden mit Zitaten aus Mode und Popkultur. Das Kunsthaus Langenthal im Kanton Bern zeigt nun die erste institutionelle Einzelausstellung der Malerin in der Schweiz.
In kleinformatigen Serien wie "Militant Joy" verhandelt sie Fragen des Lebens als chronisch kranke Künstlerin, bezieht sich etwa auf das Konzept der "Crip Time" nach der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Alison Kafer. Der Begriff beschreibt die Art, wie Menschen mit Behinderungen Zeit und Geschwindigkeit anders erleben (müssen) als eine Gesellschaft, die auf gleichförmig funktionierende Produktivität ausgerichtet ist. Faulhaber arbeitet zwar gezwungenermaßen oft nach den Regeln der Krankheit, ihr künstlerisches Œuvre wächst und entwickelt sich aber stetig. Der Ausstellungstitel "Chronic State of Becoming" ist damit vielleicht auch als Hoffnung auf ein In-Bewegung-Bleiben zu lesen.
Gritli Faulhaber "Chronic State of Becoming", Kunsthaus Langenthal (Schweiz), bis 15. November
Gritli Faulhaber "Ohne Titel (4), (Named by _ )", 2026
Lee Krasner und Jackson Pollock in New York
Jackson Pollock stellte schon 1943 im Metropolitan Museum aus, in einer Schau zur Unterstützung des Zweiten Weltkrieges. Er gehörte zu den sogenannten "Irascibles", den Jähzornigen, die für die damals vorherrschende Kunst nur Verachtung übrig hatten. Das "Life"-Magazin fragte 1949 suggestiv, ob Pollock "der größte lebende Maler der Vereinigten Staaten" sei. Sein früher Tod und die posthume Aufmerksamkeit überschatteten lange die Kunst der Malerin Lee Krasner, mit der er verheiratet war. Lange stellte sie ihre eigene künstlerische Arbeit zurück, um seine Karriere voranzubringen. Erst nach seinem Tod war sie freier für ihre eigene Kunst.
Heute, endlich, sind beide gleichermaßen als Innovatoren in der Kunst des 20. Jahrhunderts anerkannt. "Krasner and Pollock: Past Continuous" setzt hier an und bringt beide bewusst auf eine Stufe. "Lebenspartner, Giganten der Kunstgeschichte und Revolutionäre, die definiert haben, was Abstraktion sein kann", nennt David Breslin sie, Leiter der Abteilung für moderne und zeitgenössische Kunst am Met. "Jeder von ihnen fand im anderen einen Partner, der auf den Vorrang der Kunst gegenüber dem Leben bestand." Das Metropolitan Museum war 1984 auch Schauplatz von Krasners Gedenkfeier. Jähzornig war sie nie.
"Krasner and Pollock: Past Continuous", Metropolitan Museum, New York, bis 31. Januar 2027
Lee Krasner "Bald Eagle", 1955