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Flugblätter in Diktaturen verteilen

Zentrum für Politische Schönheit sucht Nachfolger der Geschwister Scholl

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Das Künstlerkollektiv Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) sucht – vorgeblich in Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern – Nachfolger der Geschwister Scholl, die Flugblätter in autokratisch regierten Ländern verteilen.

Bislang wendete sich der Künstler und Aktivist Philipp Ruch mit dem Zentrum für Politische Schönheit meist gegen staatliche Maßnahmen, vor allem in der Flüchtlingspolitik. Für die neue, am heutigen Montag startende Aktion hat sich das ZPS vorgeblich mit der Bayerischen Staatsregierung zusammengeschlossen. In einem bayernweiten Schüler- und Studentenwettbewerb werden junge Menschen gesucht, die in Diktaturen Flugblätter gegen das Regime verteilen.

Hintergrund ist das 75. Jubiläum der Studentengruppe Weiße Rose und des Widerstands der Geschwister Scholl gegen die Nazi-Diktatur. Die ersten vier "Flugblätter der Weißen Rose" schrieben und verbreiteten Hans Scholl und Alexander Schmorell zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942. Je 100 Stück schickten sie an Schriftsteller, Professoren, Buchhändler aus München und Umgebung, aber auch an Freunde und Studienkollegen.

"Die Waffe des freien Wortes, das öffentlich und unkontrolliert auf Papier zirkuliert, versetzte 1942 ein ganzes Regime in Alarmzustand", meint Philipp Ruch. "Fünf Menschen gelang es allein mit ihrem Mut, ein gesamtes Regime zu verunsichern."

Bis Donnerstag, den 29. Juni um 16 Uhr, sind Schüler und Studenten offiziell aufgerufen, Flugblätter gegen eine Diktatur ihrer Wahl zu schreiben. Die besten werden von einer Jury gekürt, Preisgelder von bis zu 5.000 Euro sollen zusätzlich motivieren.

Parallel werden Mutige gesucht, die in die Diktaturen reisen, an die sich die Gewinnerflugblätter richten, und sie – in die Landessprache übersetzt – in der Bevölkerung verteilen. Auf der Maximilianstraße in München wird dafür bis Donnerstag eine Schülerregistratur eröffnet. Die Widerstandsreise findet nach Angaben des ZPS unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsminsters des Innern, Joachim Herrmann, statt und beginnt bereits am 30. Juni.

Das ZPS hat in einer früheren Aktion eine Kampagne im Namen des Familienministeriums gestartet und vermeldete als Bundesregierung den Start der "Kindertransporthilfe des Bundes" mit Flüchtlingskindern.

Die neue Aktion werde unter anderem ermöglicht "von den 144.000 Mitgliedern der CSU", heißt es in der Mitteilung des ZPS. Alle Informationen unter www.scholl2017.de

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