Zilla Leutenegger, der Titel "Plein soleil" verweist auf den gleichnamigen Film von 1960 – die französisch-italienische Verfilmung von Patricia Highsmiths Roman "The Talented Mr. Ripley". Der Film, der in Deutschland unter dem Titel "Nur die Sonne war Zeuge" bekannt ist, verbindet gleißendes Mittelmeerlicht mit einer Geschichte über Täuschung und Identität. Auch Ihre Ausstellung operiert mit Licht und Schatten. Wie konkret ist diese Referenz?
Ich arbeite gern mit Referenzen, die atmosphärisch nachhallen – aus Musik oder Film. Mich interessiert weniger die narrative Vorlage als das, was im Gedächtnis bleibt: eine Stimmung, ein Klang, ein Bild. Ich mag das Vermischen von Sprachen und Titeln. In meinem Werk "Sunday Morning" beziehe ich mich ebenfalls auf einen Song. Unterschiedliche Sprachen eröffnen unterschiedliche Bedeutungsräume – das entspricht den verschiedenen Welten, die ich in meinen Arbeiten nebeneinanderstelle.
Zilla Leutenegger "Sunday Morning", 2025
Die Architektur der ehemaligen Druckhalle mit ihren Oberlichtern prägt die Ausstellung deutlich. Wann wurde der Raum Teil Ihres Konzepts?
Sehr früh. Ich arbeite grundsätzlich ortsbezogen. Als ich die Räume vor einem Jahr zum ersten Mal gesehen habe, war das Licht entscheidend. Es fällt über das Dach in die Halle und verändert sich ständig. Diese Erfahrung hat meine Monotypien beeinflusst, insbesondere die Darstellung verschiedener Tages- und Nachtzeiten. Die Architektur ist kein neutraler Hintergrund, sondern ein aktiver Faktor.
Die Ausstellung wirkt wie eine psychologische Annäherung an Ihr Alter Ego Z – vom Innenraum bis zum Außenbereich. Was erlaubt Ihnen diese Figur, was Ihnen als Person nicht möglich wäre?
Z. ist eine konstante Referenzfigur. In meinen Arbeiten geht es oft um bewusstes Alleinsein, nicht um Einsamkeit. Dieses Alleinsein lässt sich nur untersuchen, wenn man sich selbst beobachtet – beim Zeichnen, beim Verweilen im Raum. Die Figur verbringt Zeit mit sich selbst. Mich interessiert, wie Zeit vergeht und wie sich das anfühlt. Z. ist gewissermaßen ein Instrument, um diesen Zustand sichtbar zu machen.
Verändert sich diese Figur mit der Zeit?
Natürlich. Wenn Zeit vergeht, verändern sich Erfahrung und Wahrnehmung – und damit auch die Figur und die Räume, die sie bewohnt.
Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Klarheit und Mehrdeutigkeit. Ist der Schatten für Sie ein Ort der Freiheit?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Der Schatten braucht Licht, und Licht kommt zum Beispiel von Videoprojektionen oder von außen. Ein Schatten ist immer gefesselt an eine Figur, und damit er da ist und man ihn sieht, braucht er Licht. Der Schatten ist eher Untertan.
Die Installation besteht aus Fragmenten statt aus einer geschlossenen Erzählung. Warum?
Ich möchte, dass die Arbeiten Projektionsflächen bleiben. Wenn alles ausformuliert ist, bleibt kein Raum für eigene Assoziationen. Fragmente, Andeutungen und Momentaufnahmen interessieren mich mehr. Im Kern sind es Bewegungsstudien – Zustände, keine Geschichten.
Welche Verbindung haben Sie zu Berlin?
Ich habe 1999 zwei Jahre hier gelebt. Die Winter können sehr grau sein – das habe ich intensiv erlebt. Vielleicht wollte ich mit "Plein soleil" tatsächlich etwas Sonne zurückbringen. Es war spannend, nach so vielen Jahren wieder Arbeiten speziell für Berlin zu entwickeln.