Simon Denny in München

Zukunft war gestern

Nichts ist so interessant wie die Zeitung von gestern: Man bekommt eine Gegenwart und eine Zukunft präsentiert, die bereits historisch sind, und weiß, wie es tatsächlich weitergegangen ist. In dieser „Siehste!“-Stimmung lässt sich auch der Kunstverein München besuchen, wo Simon Denny einen visuellen Abriss der Münchner Digital-Life-Design-Konferenz (DLD) vom Januar 2012 präsentiert.

Das jährlich vom Burda-Verlag veranstaltete Treffen bebt nur so vor Zukunftswillen: Start-up-Unternehmer, Künstler, Wissenschaftler und Spinner, die als große Hoffnung gehandelt werden, diskutieren über die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Gestaltung der Digitalisierung, lassen sich zu Visionen hinreißen oder machen sich einfach nur bei Kaffee und Kuchen gegenseitig Mut. Dennys Ausstellung eröffnete im offiziellen Rahmenprogramm der DLD13 und begrüßt den Besucher mit Bannern zu einer hyperinteressanten Zukunft der Vergangenheit: „Welcome to DLD12!“

Schon der nach Science-Fiction klingende Titel ist eine gelungene Parodie auf den heroischen Anspruch der Konferenz: „All You Need Is Data – The DLD 2012 Conference REDUX“. Man folgt einem Leitsystem aus Absperrungen wie auf einer Großveranstaltung. Daran sind Leinwände angebracht, die Diskussionen, Vorträge, Preisverleihungen, Mittagspausen und sogar die Registrierung der Teilnehmer in Bildern und Zitaten darstellen. Beim Gang durch den Raum erhält man so eine Chronologie der Konferenz, die an Quartettkarten erinnert: Das Panel „How soon is now?“ schlägt „What’s next?“, und dieses übertrumpft „Ways beyond the Internet“.

Die Ironie besteht nicht nur darin, dass der in Berlin lebende Neuseeländer Denny eine altmodische Präsentationsform gewählt hat, die ganz ohne Touchscreens und QR-Codes auskommt. Auch wie er bei seiner Komprimierung der Ereignisse den rauschhaften Enthusiasmus der DLD aufgreift, hat einen parodistischen Effekt: die Fotos der Mover and Shaker, die in der Luft herumstochern und an die Decke schauen, Bilder vom Publikum, das auf iPads rumtippt, daneben Thesen, zusammengedampft auf banale Orakelsätze wie „If you have nothing to say in the future, it’s going to be much harder – so you have to think of something to say.“ Man verlässt die Ausstellung mit dem Gefühl: Wenn das die Zukunft sein soll, dann bitte ohne mich.

„All You Need Is Data – The DLD 2012 Conference REDUX“, Kunstverein München, bis 10. März