"Fantasiemuskel"-Podcast #65

Sich berühren lassen - mit Ralph Linde

Podcast "Fantasiemuskel" mit Ralph Linde

Der Manager Ralph Linde hat gerade seinen ersten Lyrikband veröffentlicht. Im Podcast erklärt er, warum man keinen Gurus hinterherlaufen sollte, wenn es um Transformation geht - sondern lieber Gedichte lesen

Warum schreibt ein Manager Gedichte? Und wovon handeln sie? Das erfahren die Podcaster Friedrich von Borries und Torsten Fremer von Ralph Linde, der 17 Jahre lang Leiter der Volkswagen Group Akademie und damit verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung von 650.000 Volkswagen-Mitarbeitenden war. Jetzt hat er seinen ersten Gedichtband veröffentlicht. "Das Gefälle dieser Tage" heißt das Buch, in dem es um Liebe, Vergänglichkeit, aber auch die Welt der Unternehmen geht. 

Eines seiner Kernthemen ist die Transformation von Unternehmen. Deshalb denkt er viel darüber nach, warum sie so häufig scheitert. Statt Neues zu suchen, so Linde, "berauschen, wir uns an dem, was uns früher stark gemacht hat. Wir hängen an dem, was unsere Überzeugung war. Wir hängen an dem, was unsere Stärken waren. Und ich befürchte, dass in der Zukunft viele dieser Stärken keine Rolle mehr spielen werden." 

Kunst könne helfen, dies besser zu verstehen. Mit Tschechows "Kirschgarten" könne man zum Beispiel Managern die Parallele zwischen "der russischen Aristokratie, die die Moderne verschläft und sich nicht darauf einstellen kann und in der Transformation untergeht", und heutigen Unternehmen gut vor Augen führen. Außerdem, so Linde, helfe Literatur, aus einer Situation herauszutreten und sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Eine Fähigkeit, die im Coaching und der Beratung wichtig sei.

Wir werden viel zu selten berührt

Im "Fantasiemuskel"-Podcast liest Linde auch eigene Gedichte, und die Zuhörerinnen und Zuhörer können überprüfen, ob es ihnen genauso ergeht wie den Managern, denen er seine Gedichte schon vorgetragen hat. Denn anders als bei Vorträgen im Unternehmenskontext, bei denen das Publikum begeistert werden soll, hätten Gedichten die Kraft, Menschen zu berühren – etwas, was heute viel zu selten passiere. 

Es brauche gerade in Unternehmen, die vor Veränderungsprozessen stehen, viel mehr Zeit zum Nachdenken und "Sich-Berühren-Lassen". Leider, so Linde, würden viele nach wie vor "Gurus" hinterherlaufen, die behaupten, sie wüssten, wo es langgeht. Und die Antworten auf alle Fragen haben. Das aber, so Linde, funktioniere nicht. "Jeder muss seinen eigenen Weg finden, jeder kann auch seinen eigenen Beitrag zu dieser Transformation beitragen." Deshalb, so Linde, sollten wir "aufhören, Antworten zu geben auf Fragen, die eigentlich niemand beantworten kann." Und stattdessen? Gedichte lesen. 

Sie können "Fantasiemuskel", den Monopol-Podcast über Kunst, Wirtschaft und gesellschaftliche Transformation, auf allen bekannten Plattformen hören – oder die neue Folge direkt hier: