Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Apolda, Berlin, Dortmund, Frankfurt, Göttingen, Hamburg, Lübeck, Potsdam und Bad Rothenfelde


Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. In den meisten Bundesländern gelten inzwischen 2G- oder 2G+-Regeln in Museen. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website

 

Ernst Barlach und Käthe Kollwitz in Apolda

Mit Arbeiten von Ernst Barlach (1870-1938) und Käthe Kollwitz (1867-1945) steigt das Kunsthaus Apolda wieder in das Ausstellungsgeschehen ein. Nach dem Ende der erfolgreichen Hundertwasser-Ausstellung Ende Dezember 2021 soll auch die ab Samstag zu sehende Ausstellung "Über die Grenzen der Existenz" mit Ästhetik und Tiefe durch die andauernde Pandemie führen. Mit mehr als 100 Exponaten bietet die Ausstellung einen Einblick in das Gesamtwerk beider Künstler. Dabei werden ihr Verhältnis zueinander aufgezeigt und ihre Arbeiten in historische Kontexte gesetzt.

"Trotzdem darf man nicht erwarten, in einer Geschichte mit zwei handelnden Hauptpersonen ein geschlossenes Bild von jedem der beiden Künstler zeichnen zu können. Es geht vielmehr darum, Berührungen und Grenzen aufzuzeigen", hieß es vonseiten des Kunsthauses. Die Ausstellung soll bis zum 18. April zu sehen sein. (dpa)

Ernst Barlach und Käthe Kollwitz "Über die Grenzen der Existenz“, Kunsthaus Apolda, 16. Januar bis 18. April

Ernst Berlach "Das Wiedersehen", 1926
Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Ernst Berlach "Das Wiedersehen", 1926, Installationsansicht Kunsthaus Apolda 2022

Nation und Narkose in Berlin

Das Weltende sei vorstellbarer als das Ende des Kapitalismus, mit diesem Aphorismus wird am Hamburger Bahnhof in Berlin eine Schau um ökologische und soziale Aspekte der Klimakatastrophe vorgestellt. Die hiesige Nationalgalerie kooperiert mit Museen aus Indonesien, Thailand und Singapur für die aus ihren Sammlungen stammenden Werke von über 50 Kunstschaffenden, darunter Apichatpong Weerasethakul, Arahmaiani, Ho Tzu Nyen, Marina Abramović, Melati Suryodarmo und Willem de Rooij. Ausgehend von Joseph Beuys’ Konzept der sozialen Plastik, konfrontiert die Ausstellung den Begriff der Nation mit alternativen Konzepten von Verbundenheit und Solidarität.

"Nation, Narration, Narcosis", Hamburger Bahnhof Berlin, bis 3. Juli

Kawita Vatanajyankur "Dye" 2018
Foto: (c) Courtesy the Artist, Collection: MAIIAM ContemporaryArt Museum, Thailand

Kawita Vatanajyankur "Dye" 2018

 

Monets Garten in Berlin

In der digitalen Kunstwelt ist immersiv das Gebot der Stunde. Damit gemeint sind virtuelle Darstellungen, die auf Aktionen von Besucherinnen und Besuchern reagieren. Spektakulär und ein bisschen kitschig kann es werden, wenn solche Präsentationen mit großen Namen verbunden werden. Für Berlin haben sich im Januar gleich zwei solcher Ausstellungen angekündigt. Im Zentrum dabei der französische Maler Claude Monet (1840-1926) und das italienische Universalgenie Leonardo da Vinci (1452-1519).

"Monets Garten" will bis zum 15. März in der Alten Münze in die bunte Welt des Impressionisten entführen. Dafür haben die Veranstalter drei Räume gestaltet, in denen auch Teile aus dem bekannten Garten des Künstlers in Giverny bei Paris rekonstruiert wurden. Die digitalen Elemente lassen Zeichnungen entstehen, sind aus Monets berühmten Bildern entlehnt oder kommen als Animation daher.

Die Ausstellung "Genius Immersive Experience" wird sich vom 28. Januar bis Ende des Jahres im Wriezener Karree die Welt da Vincis vornehmen. Aus Sicht der Veranstalter lassen sich Erfindungen und Ideen des Malers, Bildhauers, Architekten, Anatomen, Mechanikers und Ingenieurs auf neue Art und Weise entdecken.

"Monets Garten", Alte Münze Berlin, 12. Januar bis 15. März

 

Tatjana Doll in Berlin

Sie malt mit großer Wucht und das meist großformatig. Die in Berlin lebende Künstlerin Tatjana Doll schert sich wenig um konventionelle Grenzen des Mediums Malerei. Ein wichtiger Aspekt ihres Werks liegt in der Untersuchung sozio-politischer Kontexte der Bildgegenstände, die in schneller, oft roher Malweise in Lack- und Ölbilder umgesetzt werden. Dolls Solo im Berliner Kindl-Zentrum wird von Gefühlen der Unruhe und Bedrohung dominiert.

Tatjana Doll "Was heißt Untergrund?“, Kindl - Museum für zeitgenössische Kunst, Berlin, 19. September 2021 bis 27. Februar

 

Kunst aus Ghana in Dortmund

„Efie“ bedeutet in den Akan-Sprachen, die in Ghana gesprochen werden „Zuhause“ oder „Heim. Eine Schau mit historischer und zeitgenössischer Kunst aus Ghana des Dortmunder Museums Ostwall stellt die Frage, ob ein Ausstellungshaus zu einem Zuhause für Kunstwerke werden kann. Dahinter steht der Widerspruch, dass die westliche Tradition einen universellen Anspruch formuliert und gleichzeitig an einer rein europäischen Perspektive auf die Welt und das „Exotische“, „Fremde“ festhält. Neben historischen Artefakten sind Videoarbeiten und multimediale Installationen von Afroscope, Diego Araúja, Rita Mawuena Benissan, Kwasi Darko, Kuukua Eshun, Na Chainkua Reindorf, El Anatsui und Studio Nyali zu sehen.

"Efie: The Museum As Home", Museum Ostwall im Dortmunder U Zentrum für Kunst und Kreativität, 10. Dezember 2021 bis 6. Mai

 

Lydia Ourahamane in Frankfurt

1992 in Algerien geboren, als Neunjährige mit ihrer Familie nach England ausgewandert, beschäftigt sich Lydia Ourahmane mit der Transformation von Objekten und Erzählungen durch Migration über Grenzen oder Adaption in späteren Zeiten. Ihre ortsspezifische Installation "Survival in the Afterlife" im Frankfurter Portikus zeigt Archivmaterial aus einer Religionsgemeinschaft, die von Ourahmanes Familie während des algerischen Bürgerkriegs gegründet wurde. Das Werk kreist um Räume und Formen der Gastfreundschaft – ein Thema, das uns in der Pandemie besonders nahegeht.

Lydia Ourahamane "Survival in the Afterlife", Portikus, Frankfurt, 4. Dezember 2021 bis 20. Februar


Ruth Harriet Louise in Göttingen

Sie setzte sich als erste weibliche Berufsfotografin in Hollywood durch und ist dennoch in Vergessenheit geraten. Ruth Harriet Louise porträtierte die Stars und Sternchen der Stummfilmzeit für die Filmproduktionsgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer. Fast ein Jahhundert, nachdem ihre Karriere begann, erleben Louises Bilder nun ihr Deutschland-Debüt.

Joan Crawford, Norma Shearer, Marion Davies, John Gilbert, Lon Chaney, Greta Garbo und weitere Schauspieler und Schauspielerinnen können bis zum 6. Februar als zeitgetreue Schwarz-Weiß-Fotografie im Erdgeschoss des Kunsthauses Göttingen begutachtet werden.

Aus privaten Nachlässen und ehemaligen Zeitungsarchiven in den USA seien die Bilder in die Sammlung des Autors und Filmkritikers Daniel Kothenschulte gekommen, der sie dem Kunsthaus zur Verfügung gestellt habe. Der Hollywood-Starruhm wäre nichts ohne die Fotografie, so das Kunsthaus Göttingen.

"Hollywoods Erste Fotografin: Ruth Harriet Louise", Kunsthaus Göttingen, bis 6. Februar

 

Kunst für die Zukunft in Hamburg

Unter dem Titel "Futura" beschäftigen sich 30 internationale Künstlerinnen und Künstler bis zum 10. April in der Hamburger Kunsthalle mit den Themen Zeit, Nachhaltigkeit und Visionen. Ausgangspunkt ist die Tropfsteinmaschine (1996-2496) des Künstlers Bogomir Ecker, teilt die Kunsthalle mit. Seit der Eröffnung der Galerie der Gegenwart vor 25 Jahren durchzieht die Maschine - angelegt auf eine Laufzeit von 500 Jahren - das Gebäude vom Dach bis zum Sockelgeschoss. Im Zusammenspiel von Regenwasser, einem Biotop aus Pflanzen und einem Kalkstein bildet die Maschine über diesen Zeitraum einen Tropfstein.

"Den Besucherinnen und Besuchern wird eine gedankliche Reise in die Zukunft eröffnet: Was ist Zeit und wie kann diese künstlerisch dargestellt und vermessen werden?", sagte Ecker, der die Schau zusammen mit Brigitte Kölle kuratiert hat. "Futura" frage darüber hinaus, wie Zukunft gestaltet werden könne. Dabei komme es auch zu Dialogen über Jahrhunderte und Disziplinen hinweg: So trifft eine Zeichnung von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1826 auf eine zeitgenössische Fotografie von Pierre Huyghe, Katinka Bocks Keramik-Installation mit dem Titel "Trostpfützen" begegnet Gustave Courbets Gemälde "Die Quelle der Loue" (1864).

"Futura", Hamburger Kunsthalle, 14. Januar bis 10. April


Neue Pläne für den Hauptbahnhof in Hamburg

Der Hamburger Hauptbahnhof ist chronisch überlastet. Wer längere Zeit auf seinen Zug warten muss, kann jetzt im nahen Museum für Kunst und Gewerbe die Entwürfe eines Architekturwettbewerbs betrachten. Architekten haben Modelle entworfen, wie der Verkehrsknoten neu gestaltet werden könnte.

Die Ausstellung zeigt Modelle zur Neugestaltung des Hauptbahnhofs. Der Fokus liege auf dem Siegerentwurf von bof Architekten aus Hamburg und hutterreimann Landschaftsarchitekten aus Berlin, teilte die Stadtentwicklungsbehörde mit. Dieses Modell mit einer offenen gläsernen Halle vor der Südseite des Bahnhofs war bereits Anfang Dezember von der Stadt und der Deutschen Bahn präsentiert worden.

Mit ihrem Entwurf hatten sich die Gewinner gegen sechs weitere Bewerber in der Endrunde durchgesetzt. Besucher und Besucherinnen der Ausstellung können sich alle 30 eingereichten Arbeiten ansehen. Sie sind auf 3D-Bildern dargestellt. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Es gelten die aktuellen Hygienebestimmungen des Museums für Kunst und Gewerbe.

Wettbewerbsentwürfe Erweiterung Hauptbahnhof, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 11. Januar bis 23. Januar

 

Kunst aus Afrika in Lübeck

Die Lübecker Museen stehen in diesem Jahr mit gleich drei Ausstellungen im Zeichen Afrikas. Grundlage dieser Ausstellungen ist eine Auswahl der rund 3500 Kunstwerke aus dem Nachlass des Kieler Afrika-Sammlers Bernd Muhlack, die erst vor wenigen Monaten in den Besitz der Völkerkundesammlung gelangten, wie die Museen mitteilen. Die Höhepunkte dieser bisherigen Privatsammlung sollen nun weltweit erstmalig öffentlich präsentiert. Geplant sind drei Teilausstellungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Dabei soll auch die Kolonialismusdebatte aufgegriffen werden.

Zum Auftakt präsentiert die Völkerkundesammlung gemeinsam mit dem Museum für Natur und Umwelt von Freitag an bis zum 29. Mai die Ausstellung "Macht und Magie - Tiere in den afrikanischen Kulturen" über das Verhältnis von Mensch und Tier in Afrika. Das Herzstück der Ausstellung bilden Tierskulpturen aus 13 Ländern Afrikas.

Die komplette Sammlung umfasst rund 3500 afrikanische Kunstwerke überwiegend aus der Zeit nach 1945. Dazu gehören neben Holzskulpturen auch Musikinstrumente, Spielzeug, Metallobjekte, Textilien sowie einige wertvolle Gemälde moderner, ostafrikanischer Künstler. Muhlack, der am 16. Oktober 2020 gestorben ist, hatte die Sammlung, die auf dem Kunstmarkt einen Wert von mehreren Millionen Euro hätte, kurz vor seinem Tod der Hansestadt Lübeck geschenkt.

"Macht und Magie - Tiere in den afrikanischen Kulturen", Museum für Natur und Umwelt Lübeck, 13. Januar bis 29. Mai

Ausstellung "Macht und Magie"
Foto: Michael Haydn

Ausstellung "Macht und Magie"


Gedenken an jüdische Künstlerinnen und Künstler in Potsdam

18 Künstlerinnen und Künstler, die während der NS-Zeit aufgrund ihrer jüdischen Abstammung von den Nationalsozialisten inhaftiert, misshandelt und ermordet wurden, bekommen nun eine Ehrung im Brandenburger Landtag in Potsdam. "Unvollendete Leben", welche durch Kunstschaffen ein Testament an ihre Nachwelt hinterlassen haben.

Die Wanderausstellung der Bente-Kahan-Stiftung Breslau im Foyer des Landtags macht die Besucherrinnen und Besucher mit Hilfe von QR-Codes in deutscher, polnischer und englischer Sprache mit der Biografie und den Werken der Ermordeten vertraut.

Zu den gezeigten Künstlern und Künstlerinnen gehört der Schauspieler und Regisseur Kurt Gerron, der im Ghetto Theresienstadt von den Nazis gezwungen wurde, einen Propagandafilm mit dem späteren Titel "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" zu drehen, woraufhin Gerron und seine Ehefrau in Auschwitz ermordet wurden.

"Inmitten des Grauens wurden Kunstwerke geschaffen", sagte die in Norwegen geborene Künstlerin und Stifterin Bente Kahan über die Porträtierten und ihre Arbeit. "Dieses Erbe gehört nun uns und es liegt an uns, was wir damit machen."

"Unvollendete Leben", Foyer des Landtags Brandenburg, Potsdam, 11. Januar bis 31. März


"Lichtsicht"-Triennale in Bad Rothenfelde

Viel Licht für die dunkle Jahreszeit gibt es derzeit in Niedersachsen zu sehen. Dort findet in Bad Rothenfelde im Landkreis Osnabrück zum siebten Mal die Projektions-Triennale "Lichtsicht " statt. Diese verwandelt den Kurpark jeden Tag pünktlich zur Dämmerung ab 17.30 Uhr in einen Kunstparcours. Internationale Künstlerinnen und Künstler wie Nao Yoshigai, Mirai Mizue, Takashi Kuminoto oder Refik Anadol projizieren ihre Lichtgemälde an Salzgradierwände, an denen das Publikum kostenfrei entlangspazieren kann. Optional kann eine Führung gebucht werden.

."Lichtsicht 7", Bad Rothenfelde, bis 20. Februar