Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Aachen, Berlin, Chemnitz, Leipzig, Rudolstadt und Stuttgart

 

Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. In den meisten Bundesländern gelten inzwischen 2G- oder 2G+-Regeln in Museen. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website


Frankfurter Hauptschule in Aachen 

Das Künstlerkollektiv Frankfurter Hauptschule wurde mit Aktionen bekannt, die irgendwo zwischen krawallig und gesellschaftskritisch changieren. So bewarfen Mitglieder Goethes Gartenhaus wegen sexistischer Textstellen in seinem Werk mit Klopapier, ließen einen Streifenwagen im öffentlichen Raum abbrennen und fingierten die Entführung eines Beuys-Werkes, um es nach Tansania zu restituieren.

Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) hat sich die Frankfurter Hauptschule große Themen vorgenommen: Das Lamentieren über "Cancel Culture" als Phänomen eines politischen Rechtsrucks wird mit der neuen Sehnsucht nach Esoterik und den mythischen Strömungen in der zeitgenössischen Kunst zusammengedacht. Die wenig erbauende Prognose angesichts des Romantik-Revivals: Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird wieder Faschismus herrschen. Die Künstlerinnen und Künstler sind sich so sicher, dass sie eine Wette anbieten: Wer jetzt ein Kunstwerk kauft, bekommt in zehn Jahren sein Geld zurück, falls ihre Vorhersage nicht eintrifft.  

Frankfurter Hauptschule "Kanzelkultur", Neuer Aachener Kunstverein, 22. Januar bis 12. März. Eröffnung am Samstag, 22. Januar, 17 bis 22 Uhr, unter Berücksichtigung der 2G-Regel

 

Ai Weiwei in Berlin

Menschenrechte, Migration und Ethik sind die Themen, mit denen sich der chinesische Konzeptkünstler und Aktivist Ai Weiwei in seinen Arbeiten auseinandersetzt. Im Humboldt Forum Berlin ist zum Abschlusswochenende der Ausstellung "Schrecklich schön: Elefant – Mensch – Elfenbein" sein erstes Virtual-Reality-Kunstwerk (VR) zu sehen.

"Omni" soll die erzwungene Migration von Mensch und Tier thematisieren, die unter anderem durch regionale Konflikte und ethnischen Säuberungen ausgelöst wird. Durch die angewandte VR-Technologie wird das Publikum inmitten einer Krisensituation "ausgesetzt".

Der erste Teil von "Omni" schildert die Rohingya-Migrationskrise, bei der seit zwei Jahren bereits 730.000 Menschen aus Myanmar nach Bangladesch flüchteten und hinter der Grenze ihres Heimatlandes ein Migrationslager aufschlugen. Im zweiten Teil wird die Situation von Elefanten beleuchtet, die auch ihre sichere Umgebung verlassen mussten und auf ihrer Wanderroute durch die Wildnis mit dem Lager der Rohingya-Flüchtlinge in Konflikt geraten. Dieses liegt auf der Wanderroute der Elefanten.

Das 12-minütige 360-Grad-Video ist in Zusammenarbeit mit Daniel Birnbaum, dem künstlerischen Leiter von Acute Art London, entstanden. "Omni" knüpft an die Dokumentarfilme "Human Flow" (2017) und "The Rest" (2018) an, in denen sich Ai bereits mit Migration und Flucht auseinandersetzte.

Ai Weiwei "Omni", kostenlos im Humboldt Forum Berlin, 22. und 23. Januar

 


HR Giger und Hans Bellmer in Berlin 

Es ist ungewöhnlich, dass ein Ausstellungshaus, das nicht einem bestimmten Thema gewidmet ist, zweimal hintereinander denselben Künstler zeigt. Offenbar war das Interesse an der Dialgo-Schau "HR Giger & Mire Lee" im Berliner Schinkel Pavillon aber so groß, dass der Kunstverein in Mitte gleich nochmal Werke des 2014 verstorbenen Alien-Schöpfers zeigt.

Diesmal wird die außerirdische Kunst Gigers zusammen mit Fotografien und Zeichnungen des Surrealisten Hans Bellmer (1902–1975) ausgestellt. Beide Künstler begriffen den Körper als erotische Landschaft und gleichzeitig als Schauplatz brutaler Kämpfe. Die beiden Kuratorinnen Laura López Paniagua und Agnes Gryczkowska interpretieren die Werke außerdem als Widerstand gegen Moralvorstellungen ihrer Zeit und wollen ein historisches Band zwischen den beiden Positionen sichtbar machen.

"HR Giger x Hans Bellmer", Schinkel Pavillon, Berlin, 22. Januar bis 20. März


Historische Plakatkunst und Stefan Vogel in Chemnitz

Unter dem Titel "Achtung Werbung!" geben die Kunstsammlungen Chemnitz in einer aktuellen Ausstellung Einblicke in Plakatkunst vergangener Jahrzehnte. Kern der Schau seien 100 Plakate zu den Themen Reisen, Sport, Industrie, Genussmittel und Mode von der Belle Époque bis in die 1960er-Jahre, teilte das Museum mit. Dabei sind Künstler wie Alfons Mucha, Lucian Zabel und Julius Klinger vertreten, auch Arbeiten regionaler Künstler werden vorgestellt.

Mit der Ausstellung solle gezeigt werden, wie das Plakat als bildmächtiges Massenmedium stilistisch unterschiedliche Phasen durchlaufen habe, hieß es. Dabei seien sie für Kultur, Unterhaltung und Kommerz entstanden, aber auch zum Zweck politischer Propaganda. Die Ausstellung ist bis 20. Februar zu sehen.

Parallel dazu präsentieren die Kunstsammlungen die nach eigenen Angaben erste Museumsausstellung des in Leipzig lebenden Künstlers Stefan Vogel. Darin inszeniere er die Ausstellungsräume in Form eines Kellers neu und habe dazu eine Raum-in-Raum-Konstruktion gewählt, teilte das Museum mit. "Diese artifiziellen Räume, in die Erinnerungen und unvollendete Projekte eingelagert sind, sollen vom Publikum erfahren und durchlaufen werden, um so dem Unrat des Unabgeschlossenen und Gescheiterten zu begegnen." Die Ausstellung "Relax, it's only paranoia" wird bis zum 13. Februar gezeigt.

Die Kunstsammlungen am Chemnitzer Theaterplatz stehen angesichts der Corona-Pandemie derzeit im Rahmen der 2G-Regel für geimpfte und genesene Besucher offen. Eine Terminbuchung ist nicht erforderlich. 

"Achtung Werbung", Kunstsammlung ChemnitzKunstsammlungen am Theaterplatz, 28. November 2021 bis 20. Februar

Stefan Vogel "Relax, it´s only paranoia.", Kunstsammlung Chemnitz, Kunstsammlungen am Theaterplatz, 5. Dezember 2021 bis 13. Februar

 

Analoge Fotografie in Leipzig

Nach gut zwei Monaten Corona-bedingter Schließzeit öffnete das Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig am wieder. Parallel dazu werden drei neue Sonderausstellungen präsentiert, wie das Museum am Montag mitteilte. Bis zum 3. April rücken diese Fotografie, Fotobücher und Glasskulpturen in den Vordergrund.

"Analog Total. Fotografie heute" beschäftigt sich mit der wieder populärer gewordenen analogen Fotografie und will anhand von 24 Künstlerinnen und Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum in vier Themengruppen das Medium beleuchten.

Die Sonderausstellung "Fotobücher. Kunst zum Blättern" soll die Bandbreite der Fotobücher beleuchten - "von handgemachten Unikaten bis zu kleineren und größeren Auflagen, von Self-Publishing und Zines bis zu seltenen, aufwändig gestalteten und gebundenen Ausgaben", wie es in der Mitteilung des Museums heißt. Zines sind etwa von Amateuren hergestellte Hefte zu bestimmten Themen.

"Gläserne Steine" zeigt farbintensive Glasskulpturen des in Berlin lebenden Künstlers Kai Schiemenz. Bis zum 9. Oktober ist außerdem die bereits vor der Schließzeit angelaufene Sonderausstellung "Fragile Pracht" mit Porzellankunst aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen. (dpa)

"Analog Total. Fotografie Heute", Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, bis 3. April

"Fotobücher. Kunst zum Blättern", Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, bis 3. April

Kai Schiemenz "Gläserne Steine", Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, bis 3. April

"Fragile Pracht", Grassi Museum für Angewandte Kunst, Leipzig, bis 9. Oktober

 

Neo Rauch in Rudolstadt

Die Ausstellung des Leipziger Künstlers Neo Rauch auf der Heidecksburg in Rudolstadt, Thüringen, wurde bis zum 24. April verlängert. Eigentlich sei geplant gewesen, die Schau Mitte Januar mit einem Künstlergespräch, einem Ausstellungsrundgang und einem Film abzuschließen, sagte die Direktorin des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg, Sabrina Lüderitz, der Deutschen Presse-Agentur. "Da hat Corona aber einen Strich durch die Rechnung gemacht." Daher habe sich das Museum in Absprache mit Rauch entschieden, die Ausstellung zu verlängern - in der Hoffnung, dass die Veranstaltungen dann stattfinden können.

Rauch gilt als wichtigster Vertreter der Neuen Leipziger Schule und gehört zu den bedeutendsten internationalen Malern der Gegenwart. Neben sechs großformatigen und sehr farbigen Leinwandgemälden werden bei der Schau in Thüringen auch viele kleinere, unbekannte Zeichnungen präsentiert. "Viele Besucher waren überrascht, dass wir so eine Ausstellungen in der Heidecksburg zeigen können", sagte Lüderitz. (dpa)

Neo Rauch "Das Wehr", Heidecksburg Rudolstadt, 16. Oktober 2021 bis 24. April 2022

Neo Rauch "Wehr", 2018
Foto: Uwe Walter, Berlin © Neo Rauch, VG Bild-Kunst, Bonn; Courtesy Galerie EIGEN+ART, Leipzig/ Berlin David Zwirner, New York/ London/ Hong Kong/ Paris

Neo Rauch "Wehr", 2018

 

Politiker- und Politikerinnen-Porträts in Stuttgart

Es sind die wenigen Momente, in denen Malu Dreyer (SPD) weit entfernt ist von ihrem Amt als rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und herzhaft lacht. Die Augenblicke, in denen Niedersachsens Regierungschef Stefan Weil (SPD) oder der baden-württembergische Landesvater Winfried Kretschmann (Grüne) gelöst in die Kamera schauen: Ihren persönlichen Blick auf den oder die "Landesfürst*in" der Bundesländer zeigen Angelika und Bernd Kohlmeier in den kommenden Wochen auf Schwarz-Weiß-Fotografien in der gleichnamigen Stuttgarter Ausstellung. Porträtiert werden neben Kretschmann auch zehn weitere Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten in ihrem Alltag oder bei der Arbeit.

Angelika und Bernd Kohlmeier setzen sich seit mehr als 20 Jahren mit politischer Fotografie auseinander. Sie haben sich auf Langzeitstudien und Reportagefotografie spezialisiert. Acht Jahre lang begleiteten sie amtierende Ministerpräsidenten und Regierungschefinnen. "Bei der Fotografie scheint man zum Wesen des anderen vorzudringen", erklärt Bernd Kohlmeier seine Leidenschaft für die Kamera. "Jeder Mensch hat Momente, in denen er ganz bei sich ist. Diese Momente zu erwischen ist wirklich etwas ganz Besonderes."

Die Ausstellung ist bis zum 13. Februar zu sehen. Die Fotografien wurden zuvor bereits im Jahr 2020 in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin gezeigt. Der Eintritt ist frei.

"Landesfürst*in", StadtPalais - Museum für Stuttgart, bis 13. Februar