Venedig-Biennale 2015

Künstler für Deutschen Pavillon stehen fest

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"Widerständige Bilder in Zeiten digitaler Überbelichtung" ist das Motto, das Kurator Florian Ebner seiner Ausstellung im Deutschen Pavillon auf der Venedig-Biennale gegeben hat. Die Schau solle den Besucher zu einer Meditation über die materielle und politische Natur der Bilder im digitalen Zeitalter anhalten, heißt es in der Pressemitteilung des Instituts für Auslandsbeziehungen, das den Pavillon organisiert.

Dass Florian Ebner, Leiter der fotografischen Sammlung am Museum Folkwang in Essen, sich bei seiner Auswahl auf Fotografie stützen würde, lag auf der Hand. Die Künstlerauswahl lässt nun trotzdem eine sehr vielfältige Ausstellung erwarten. Der 1962 geborene Olaf Nicolai ist als Bildhauer, Konzept- und Medienkünstler eine gute Wahl, um den Raum mit intelligenten Gesten in den Griff zu bekommen. Ebner hat ihm die Rolle zugedacht, den schwierigen Pavillon sowohl innen als auch im Außenraum künstlerisch und architektonisch zu bearbeiten – auch das Dach als „anderer Ort“ wird er in die Gestaltung mit einbeziehen.

Der 1973 geborene Tobias Zielony ist als einer der interessantesten künstlerischen Dokumentarfotografen in Deutschland gleichfalls eine Persönlichkeit, die man gern im Deutschen Pavillon sieht: Seine Projekte sind gleichermaßen engagiert wie ästhetisch reflektiert. Und die 1966 geborene Hito Steyerl hat mit ihren kritischen und ironischen Filmen viele gute Kommentare zu Themen wie Überwachung, politische Repräsentation im Bild und Digitalisierung gegeben. Sie wird sich, so Ebner, unter anderem mit dem Licht als elementarem Bildträger auseinandersetzen.

Mit dem in Kairo lebenden Künstlerpaar Jasmina Metwaly und Philip Rizk hat Ebner bewusst Künstler ausgewählt, die nicht auf dem Radar des etablierten Kunstbetriebs sind. Metwaly hat sich als Videoaktivistin, Rizk als Blogger einen Namen gemacht.

"Klassische Fragen der Repräsentation – das Machtverhältnis von Subjekt und Objekt und die alte Assymmetrie von Fotograf und Modell – stellen sich im Lichte der digitalen Bilder neu. Ein heutiges Verständnis des 'Fotografischen' als einer zentralen Haltung dokumentarischen Arbeitens steht zur Diskussion", kommentierte Ebner sein Konzept. Alle Arbeiten werden speziell für den Deutschen Pavillon entstehen und dort zum ersten Mal gezeigt.

Wenn das Zusammenspiel dieser recht unterschiedlichen Künstler gelingt, kann man also im Mai 2015 eine Schau erwarten, die sich gleichzeitig um eines der wichtigsten politischen Themen heute kümmert – die Entstehung, Verwendung und Distribution von Bildern im Zeitalter der Digitalisierung – und dieses Thema ästhetisch reflektiert. Einen Goldenen Löwen wird man damit vielleicht nicht gewinnen, der ist mit Einzelpräsentationen leichter zu erhalten. Aber die richtige Ausstellung zur Zeit kann das durchaus werden.

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