"Die muss weg"

Mannheimer Kunsthalle weicht einem Neubau

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Mannheim (dpa) - Eine Riesenbaustelle direkt an Mannheims Vorzeigeplatz: 2014 wird der «Mitzlaff-Bau» der Kunsthalle abgerissen. Auf dem Friedrichsplatz in unmittelbarer Nähe des Wasserturms soll ein Neubau entstehen, der den Plänen zufolge nicht nur energetisch alle Anforderungen erfüllt. Damit geht ein langgehegter Traum von Museumsdirektorin Ulrike Lorenz in Erfüllung. Der jüngste Kraftakt ist gerade erst abgeschlossen: Seit Oktober ist nach dreieinhalbjähriger Generalsanierung der Jugendstilbau der Kunsthalle wieder offen. Er und der Neubau sollen ein repräsentatives Ensemble bilden. Nicht alle Mannheimer sind angetan von den Plänen.

   Im Mai soll der Bau des Architekten Hans Mitzlaff von 1983 leer sein, kurze Zeit später kommen die Bauzäune. Der Abriss ist auf den Sommer terminiert. Für 2017 ist die Eröffnung der neuen Kunsthalle geplant. Der Mitzlaff-Bau war Museumschefin Lorenz schon lange ein Dorn im Auge - die Vorfreude auf das neue Haus ist ihr anzumerken.

   Als sie 2009 zur Kunsthalle kam, sprach Lorenz Klartext. Eine Sanierung des Baus sei zwar damals schon in der Diskussion gewesen. «Ich habe dann aber gesagt: Wenn hier einmal notwendigerweise Geld ausgegeben werden soll, kann man dann nicht konsequenterweise einen Neubau mit in die Vorüberlegungen einbeziehen?» Hier habe sie einige offene Türen eingerannt - es seien wohl schon vorher nicht alle mit dem Bau glücklich gewesen.

   Beim Anblick der Kunsthalle war ihr schnell klar: Die muss weg. Schon allein von der Grundfläche her sei das Haus für eine wachsende Sammlung nicht ausreichend. Der jetzige Bau sei zudem provinziell und daher weder Mannheim noch dem Potenzial des Hauses angemessen. «Wenn dieses Haus wieder an die großen Erfolge des frühen 20. Jahrhunderts anknüpfen will, dann muss hier grundsätzlich nachgedacht werden» - diese Meinung habe sie von Anfang an vertreten, sagt Lorenz.

Sehr zum Ärger mancher Mannheimer: Eine Bürgerinitiative macht Stimmung gegen den Abriss. Sie bangt vor allem um den ästhetischen Gesamteindruck des Friedrichsplatzes. Der geplante Neubau füge sich nicht in die Umgebung, kritisiert der Sprecher der Initiative, Wolfgang Fabian. Eine Sanierung des Mitzlaff-Baus wäre aus seiner Sicht ausreichend. «Wir haben nichts gegen ein modernes Gebäude, aber man muss ja nicht so ein Ding hinsetzen, das man mit einem Parkhaus verwechseln könnte», sagt er. «Wir sind der Meinung, dass man dieses Museum durchaus weiterverwenden kann.»

   Lorenz wehrt ab. Für einen solchen Bau habe sich international zu viel in der Museumsszene getan. «Dazu ist unser Publikum zu anspruchsvoll geworden.» Energetisch sei die Kunsthalle sogar schon vor dreißig Jahren ungenügend gewesen. Langfristig sei der Plan daher die kostengünstigste Variante.

   Es soll der größte Neubau eines Museums für moderne und zeitgenössische Kunst in Deutschland werden. Der Löwenanteil der bislang angesetzten Kosten von 68,3 Millionen Euro soll über eine 50-Millionen-Euro-Spende des SAP-Mitbegründers Hans-Werner Hector gesichert sein. Bauen wird die neue Kunsthalle das Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp). Bei der Bekanntgabe vor einem Jahr war die Rede von einer «Museumsstadt in filigraner Metallhülle».

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