Kontroverse

Anish Kapoor sichert sich Exklusivrechte am ultraschwarzen Material Vantablack

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Der britisch-indische Bildhauer Anish Kapoor darf fortan als einziger Künstler das ultra-schwarze Material Vantablack nutzen – und zieht damit den Zorn seiner Kollegen auf sich

Anish Kapoors Name erscheint seit 2010 regelmäßig auf der "Rich List", ein von der der "Sunday Times" jährlich veröffentlichtes Ranking der reichsten Bewohner Großbritanniens, basierend auf Daten des Handelsregisters. Auf 130 Millionen Pfund wird das Vermögen des Künstlers veranschlagt. Kapoor investiert vor allem in Immobilien – und in seine künstlerische Zukunft.

"Daily Mail" berichtet, dass der britisch-indische Bildhauer sich ein alleiniges Nutzungsrecht für die Farbe Vantablack erkauft habe. Vantablack ist ein Produkt der Firma Surrey Nanosystems. Die Farbe besteht aus einem Netz vertikaler Karbon-Nanoröhren und absorbiert 99.965 Prozent des sichtbaren Lichts, das auf sie trifft. Die Lichtwellen werden so lange von den Nanoröhrchen hin und her reflektiert, bis sie sich schließlich in Hitze umwandeln. Vantablack ist also extrem schwarz und extrem matt. Diese Mattheit macht es für ein menschliches Gehirn schwierig, die Form eines Objektes zu erfassen, das mit Vantablack bestrichen ist. 

In einem Interview mit dem englischen Radiosender "BBC 4" sprach der Kapoor über sein Interesse an der Arbeit mit Vantablack: "Es hat eine irreale Qualität, und es zog mich schon immer zu exotischen Materialien wegen der Gefühle, die sie erwecken können."

Bislang hat der Deal aber nur negative Gefühle heraufbeschworen: Auf Kapoors Vantablack-Monopol reagiert Kollegen mit Entrüstung. Der englische Maler Christian Furr kommentierte in der "Daily Mail", es sei nicht richtig, dass die Farbe einem Mann gehört. Der indischstämmige Künstler Shanti Panchal sagte im "Telegraph India", die Vorstellung irgendeines Monopols in der Kunstwelt sei doch absurd.

Dass ein Künstler eine Farbe unter Rechtschutz stellte, kam zum letzten Mal 1960 vor. Yves Klein entwickelte mit Chemikern das International Klein Blue und ließ es in Frankreich patentieren.

Details zu dem Übereinkommen zwischen Kapoor und Surrey Nanosystems sind bislang nicht bekannt. Auf Nachfragen will die Firma sich nicht äußern, dementierte aber in einem Facebook-Statement das Abkommen mit Kapoor nicht. Da Vantablack auch in der Rüstungsindustrie, Weltraumforschung, Solarenergiegewinnung und für den Bau von Teleskopen angewandt wird, beschränkt sich Kapoors exklusives Nutzungsrecht vermutlich auf die künstlerische Arbeit.

Aber auch auch für Künstler gibt es Alternativen zu Vantablack. Frederik de Wilde entwickelte gemeinsam mit Forschern 2004 das ebenso tiefschwarze Material Nano Black. In einem Interview mit "Dazed" erläutert der belgische Künstler sein Interesse am lichtlosen Nichts: "Ich sehe mein Schwärzer-als-Schwarz als einen Raum der Verweigerung, aber auch als einen Raum der Fantasie. In absoluter Dunkelheit ist jeder gleich, Dinge werden vereinigt."

Ben Jensen, technischer Direktor von Surrey NanoSystems, sagte in "Dazed": "Vantablack ist ein großer Durchbruch, es hat das Potenzial unsere Weltanschauung zu verändern." Das Potential – zumindest in künstlerischer Sicht – liegt nun in der Hand von Anish Kapoor. 

 

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