Berlinale-Highlights

Stars und Seesternchen

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Heute starten die 67. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Wir stellen die Highlights vor

Brexit, Trump und so weiter: Die Zukunft ist düster, aber war sie je rosiger? Die Internationalen Filmfestspiele Berlin fragen das in allen Sektionen. "Future Imperfect" ist das Thema der diesjährigen Retro­spektive, die perfekt zur Science-Fiction-Ausstellung im Filmmuseum passt (bis 23. April). Neben utopischen und dystopischen Filmklassikern sind Trouvaillen wie "Die Außerirdischen erscheinen in Tokio" (Japan, 1956) zu sehen, mit gutmütigen Aliens als Riesenseesternen. "The Stars Down to Earth" lautet diesmal das Motto des Forum Expanded. Statt immer nur in den Himmel zu gucken, sollte man sich mal wieder um den Boden der Tatsachen kümmern, finden Stefanie Schulte Strathaus und Team. In der Akademie der Künste am Hanseatenweg ist die Gruppenschau mit filmischen Werken von 14 Künstlern zu sehen, darunter die Videoinstallation "Twelve" von Jeamin Cha, die detailliert die geheimen Tarif­verhandlungen zwischen korea­nischen Arbeitgeber- und Arbeit­nehmerverbänden schildert. Der Film "Studies on the Ecology of Drama" ist ein Versuch der Finnin Eija-Liisa Ahtila, den anthropozentrischen Blick auf die Umwelt des Menschen zu lenken.

Ein bildender Künstler hat es in den Wettbewerb, die Königsdisziplin der Berlinale, geschafft: Joseph Beuys gilt auch 30 Jahre nach seinem Tod als der große Rätselhafte der zeitgenössischen Kunst. Filmemacher Andres Veiel ("Black Box BRD", "Der Kick"), der mit seinem RAF-Drama "Wer wenn nicht wir" seinen ersten Spielfilm auf der Berlinale 2011 vorgestellt hatte, ist mit "Beuys" ins Dokumentargenre zurückgekehrt. Neben toten Kaninchen, und Kojoten, 7000 Eichen sowie Unmengen von Honig, Filz und Fett wird es sicher auch um die politische Bedeutung dieser Schlüsselfigur der 60er- bis 80er-Jahre gehen. Ob Paul Verhoeven und die Jury dieser Doku oder lieber doch einem der Spielfilme von Thomas Arslan, Marcelo Gomes, Volker Schlöndorff oder Josef Hader – "Wilde Maus" ist das Regiedebüt des österreichischen Schauspielers – den Goldenen Bären zusprechen, ist am Ende wieder die spannende Frage.

Mit den außer Konkurrenz auf der Wettbewerbsschiene laufenden Filmen bugsiert Berlinale-Chef Dieter Kosslick die Stars auf den roten Teppich. Den dürfte Hugh Jackman beschreiten, denn warum sonst sollte mit "Logan – The Wolverine" der dritte und letzte Auftritt des "X-Men"-Wolfsmenschen ausgerechnet auf der Berlinale Weltpremiere feiern? Filmkünstlerisch interessanter ist die Ankündigung von "T2 Trainspotting", mit dem der britische Regisseur Danny Boyle seinen 20 Jahre alten Klassiker "Trainspotting" fortsetzt. In dem Sequel trifft die Drogenclique von einst wieder in Schottland zusammen. Ewen Bremner, Robert Carlyle und Jonny Lee Miller schlüpfen in ihre alten Rollen, obwohl allein der (natürlich heiß in Berlin erwartete) Ewan McGregor zu Superstar-Ehren gekommen ist. Der diesjährige Eröffnungsfilm "Django" ist ein Biopic um den Jazzer, Begründer des Gypsy-Swing und Namenspatron einer berühmten Italowestern­figur (!) Django Reinhardt – eine Musikerbiografie und zugleich die Geschichte eines Holocaust-Überlebenden.

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