Debatte um sexuellen Missbrauch

Nach Wirbel um Polanski: Pariser Cinemathek verschiebt Brisseau-Schau

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Nach Protesten gegen die Retrospektive über Roman Polanski hat die Pariser Cinemathek "im Bemühen um eine Beruhigung" die geplante Werkschau des französischen Regisseurs Jean-Claude Brisseau (73) verschoben.

Das teilte Costa-Gavras als Präsident der Kino-Institution am Mittwochabend in Paris ohne weitere Gründe mit. Brisseau war laut ergänzenden Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP vor zwölf Jahren wegen sexueller Belästigung von zwei Schauspielerinnen verurteilt worden.

Gegen die Retrospektive des 84 Jahre alten Starregisseurs Polanski in dem Kinomuseum hatten im vergangenen Monat Frauenrechtler protestiert. Zwei Femen-Aktivistinnen mit nackten Oberkörpern waren dabei ebenfalls präsent gewesen. Die Cinemathek hatte ungeachtet der Proteste und einer Petition mit mehr als 27 000 Unterschriften mit Hinweis auf ihre Unabhängigkeit an der Veranstaltung festgehalten. Gegen Polanski läuft in den USA seit 40 Jahren ein Verfahren, ihm wird sexueller Missbrauch einer 13-Jährigen vorgeworfen. Polanski hatte damals unerlaubten Sex mit dem Mädchen zugegeben, sich kurz vor der Verkündung des Strafmaßes aber ins Ausland abgesetzt.

Die Brisseau-Werkschau war ursprünglich für Januar kommenden Jahres geplant, wie die Cinemathek berichtete. Ein neuer Termin wurde nicht mitgeteilt. Brisseau hatte 2012 beim Filmfestival von Locarno mit dem Streifen "La Fille de nulle part" (Das Mädchen von Nirgendwo) im Hauptwettbewerb den Goldenen Leoparden gewonnen.

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