Direktorenwechsel im Louvre

Neuer Mann, neue Politik?

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Henri Loyrette hat aus dem Louvre ein Flaggschiff gemacht. Mit rund 9,7 Millionen Besuchern ist der Louvre das meist besuchte Museum der Welt. Der Kunsthistoriker und Manager wird von einem Archäologen abgelöst. Er soll eine neue Marschroute einschlagen

Paris (dpa) – Louvre-Abu Dhabi, Louvre-Lens und rund 9,7 Millionen Besucher jährlich: Henri Loyrette hat in seiner knapp 12-jährigen Amtszeit aus dem Louvre das gemacht, was er heute ist: Das meist besuchte Museum der Welt und ein Aushängeschild mit Dependancen im In- und Ausland. Als erstes internationales Museum in der arabischen Welt wird voraussichtlich Anfang 2016 der Louvre-Abu Dhabi eröffnet - noch vor dem Guggenheim im Jahr 2017. Der Heimatableger Louvre-Lens in Nordfrankreich hat Ende vergangenen Jahres die ersten Besucher empfangen. Loyrettes Expansionspolitik war nicht immer unumstritten. Nach 12 Jahren übernimmt ein Archäologe das Flaggschiff.

Der 49-jährige Jean-Luc Martinez ist Spezialist für griechische Plastik der Antike. Seit 1997 arbeitet er in dem Museums-Flaggschiff. Zunächst als Chefkonservator für griechische Skulpturen, bevor er im Jahr 2007 an die Spitze der Abteilung für das griechische, etruskische und römische Altertum avancierte. Der Louvre sei sein Leben, sein Kindheitstraum und seine jugendliche Leidenschaft, gestand der Kunsthistoriker nach der Bekanntgabe seiner Ernennung.

Im Gegensatz zu Henri Loyrette, der im schicken Vorort Neuilly-sur-Seine als Sohn eines Anwalts geboren ist, stammt Martinez aus bescheidenen Verhältnissen. Er ist ein Sozialaufsteiger. Aus seiner Herkunft macht er keinen Hehl. Seine Mutter war Hausmeisterin, sein Vater Briefträger, wie er erzählt, und gewohnt habe er mit seinen Eltern in den ersten Jahren nach seiner Geburt in einer Sozialwohnung. Wie der Name besagt, ist der Kunsthistoriker spanischer Herkunft.

Loyrette hat auf neue Amtszeit verzichtet

So unterschiedlich wie die sozialen Wurzeln sind, könnte auch die Politik der beiden Experten sein. Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti hat bereits wissen lassen, dass sie eine andere Marschroute von dem neuen Louvre-Chef erwarte. Wie sie der französischen Nachrichtenagentur AFP vor kurzem anvertraute, wünsche sie sich einen Louvre, der mehr auf nationaler Ebene tätig werde.

Die Politikerin wünscht sich von Martinez eine Politik der Demokratisierung des Zugangs zur Kultur und zu den Werken. Bisher sei die Expansionspolitik gerechtfertigt gewesen, doch nun müsse man sich umorientieren und die Besucher zufriedenstellen, damit sie wiederkehren, wie sie weiter ausführte.

Der 60-jährige Loyrette hat viel vollbracht. Doch seine Modernisierungs- und Expansionspolitik war nicht immer unumstritten. Man warf ihm wegen seiner Leihgabenpolitik an das amerikanische High Museum in Atlanta - 13 Millionen Euro für rund 183 Kunstwerke – den Ausverkauf des Louvre vor und wegen des Louvre-Abu Dhabi Vermarktung von Kunst und Kultur.

Der Louvre-Abu Dhabi, für den das erdölreiche Scheichtum Paris mehr als 800 Millionen Euro gezahlt haben soll, hätte ursprünglich 2014 seine Türen öffnen sollen. Loyrette hat von sich aus auf eine neue Amtszeit verzichtet. Er wird am 14. April sein Büro im Louvre verlassen und als Mitglied des Staatsrats weiterwirken.

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