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Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

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Eröffnungen der Woche: Tipps für Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Humlebæk, Karlsruhe, Köln, London, Neuss, Wien und Wolfsburg

Drei Fotoausstellungen in Berlin
Spätestens seit der NSA-Affäre ist das Thema Überwachung brandaktuell. Drei inhaltlich aufeinander abgestimmte Foto-Ausstellungen in Berlin gehen dem Phänomen von Freitag an künstlerisch und historisch nach. Dafür hat sich die renommierte C/O Galerie an ihrem neuen Standort am Bahnhof Zoo erstmals mit dem nahegelegenen Museum für Fotografie zusammengetan. Unter dem Titel "Watched! Surveillance, Art & Photography" (18.2.- 23.4.) fragt die C/O Galerie, wie zeitgenössische Kunst und Medientheorie zu einem besseren Verständnis der modernen Überwachungsgesellschaft beitragen können. Zu sehen sind die Arbeiten von rund 20 internationalen Künstlern, darunter Szenestar Hito Steyerl, Julian Röder, Paolo Cirio und Ai Weiwei. Im Museum für Fotografie untersucht die Ausstellung "Watching You, Watching Me" (17.2.-2.7.) die Frage, wie weit das Phänomen der Überwachung die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit verwischt. Zu den zehn vertretenen Künstlern gehören Edu Bayer, Josh Begley, Hasan Elahi und Mishka Henner. Den historischen Aspekt schließlich beleuchtet die Schau "Das Feld hat Augen" (17.2.-2.7.) mit Objekten, Dokumenten, Fotografien und optischen Apparaten aus den vergangenen fünf Jahrhunderten. (dpa)

"Videonale" in Bonn
Um den Hang zur Selbstdarstellung dreht sich das diesjährige Festival "Videonale" in Bonn. Ab Donnerstagabend sind im Kunstmuseum Bonn Videos zum Thema "Performancezwang" zu sehen. Sie zeigen eine Tendenz, das gesamte Leben in eine einzige Aufführung und Leistungsschau zu verwandeln, etwa durch persönliche Durchoptimierung im Beruf und Selbstdarstellung in sozialen Medien. "Die vorgelebten Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen, werden immer größer", sagte die künstlerische Leiterin Tasja Langenbach der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. "Aber viele sind mit diesen Möglichkeiten eben auch überfordert." Unter den 55 von der Jury um Langenbach ausgewählten Werken ist zum Beispiel die auf Video festgehaltene Karikatur eines Selbstoptimierungs-Seminars zum Thema Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer vor laufender Kamera ganz sie selbst sein sollten. Das Festival beginnt am Donnerstagabend (20.00 Uhr) mit der Ausstellungseröffnung im Kunstmuseum. Dabei wird auch der mit 5000 Euro dotierte "Videonale"-Preis verliehen. (dpa)
"Videonale", Kunstmuseum Bonn, bis 2. April

Akademie-Rundgang in Düsseldorf
Studenten der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie präsentieren seit Mittwoch wieder ihre Semester- und Abschlussarbeiten. In Klassen bekannter Künstler wie Gregor Schneider, Andreas Gursky oder Katharina Fritsch zeigen die Studenten Werke ihrer Studienzeit und legen ihre künstlerische Entwicklung dar. Die Bandbreite reicht von Installationen, Skulpturen, Malerei, Fotografie, Grafik bis zu Performances. Jedes Jahr zieht der "Rundgang" nach Angaben der Akademie bis zu 45 000 Besucher an. (dpa)
Die Arbeiten sind bis Sonntag in den Werkräumen der Kunstakademie Düsseldorf ausgestellt

Claudia Andujar in Frankfurt
Vier Jahre lang hat die schweizerisch-brasilianische Fotografin Claudia Andujar beim bedrohten indigenen Volk der Yanomami im Amazonas-Gebiet gelebt. Jetzt gibt eine Ausstellung im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) erstmals in Europa einen größeren Einblick in die Arbeiten der seit vielen Jahrzehnten in São Paulo lebenden 85-jährigen Künstlerin und politischen Aktivistin. Im Zentrum der Schau unter dem Titel "Morgen darf nicht gestern sein" stehen zahlreiche Porträts der Yanomami, die dabei mit Nummernschildchen um den Hals völlig anonym wirken. Die Aufnahmen entstanden zu Beginn der 1980er Jahre, als das durch das Eindringen der Weißen bedrohte Volk bei einer Impfkampagne gegen die Zivilisationskrankheiten nummeriert wurde. Die Yanomami selbst kennen keine Eigennamen. "Marcados" ("Markiert") heißt die Serie, die Erinnerungen an Bilder aus Konzentrationslagern weckt. Den Todgeweihten in den KZs setzt jedoch die im schweizerischen Neuchatel gebürtige Holocaust-Überlebende Andujar die Yanomami als diejenigen gegenüber, die beim Impfen für das Überleben "markiert" werden. Nach großem internationalen Druck haben die Yanomami, größtes indigenes Volk Brasiliens, 1992 von der Regierung einen Anspruch auf eigenen Lebensraum erhalten. (dpa)
"Claudia Andujar: Morgen darf nicht gestern sein", Museum für Moderne Kunst (MMK), 18. Februar bis 25. Juni, Eröffnung: Freitag, 17. Februar, 19 Uhr

"Warten. Zwischen Macht und Möglichkeit" in Hamburg
In der Arztpraxis, beim Einwohnermeldeamt, in der Besucherschlange bei Mega-Museumsevents: Warten ist das halbe Leben. Handelt es sich um vergeudete Zeit oder um einen Zeitraum ungeahnter Möglichkeiten? Eine Themenschau der Hamburger Kunsthalle spürt dem Thema nach. Der Untertitel "Zwischen Macht und Möglichkeit" deutet übrigens an, dass Warten eine Frage des sozialen Status' ist: Mächtige Menschen warten seltener. 23 zeitgenössische Künstler wie David Claerbout, Ceal Floyer, Michael Sailstorfer und Aleen Solari beschäftigen sich mit dem Phänomen des Wartens in beschleunigten Zeiten.
"Warten. Zwischen Macht und Möglichkeit", Hamburger Kunsthalle, bis 18. Juni

William Kentridge in Humlebæk
Von mächtigen Videoinstallationen bis zu feinen Zeichnungen: Das dänische Louisiana-Museum präsentiert seit Donnerstag Werke des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Die Schau "William Kentridge - Thick Tim" konzentriere sich auf die prominenten Arbeiten des 61-Jährigen aus der Zeit zwischen 2003 und 2016, wie das Museum in Humlebæk bei Kopenhagen mitteilte. Im Vordergrund stehen die großen Videoinstallationen, die das Schaffen des Südafrikaners in den vergangenen 15 Jahren geprägt haben. Das Museum für moderne Kunst zeigt aber auch kleinere filmische Arbeiten, Zeichnungen, Skulpturen und Maschinen. "Jedes einzelne Werk in der Ausstellung, von denen einige brandneu sind, enthält seine eigene Fabel", erklärte Museumsdirektor Poul Erik Tøjner. "Gleichzeitig ist die Schau ein Universum, durch das wir reisen." In seinen Werken beschäftigt sich Kentridge etwa mit dem Konzept der Zeit und der kolonialen Vergangenheit seiner Heimat. (dpa)
"William Kentridge - Thick Tim", Louisiana-Museum, Humlebæk, bis 18. Juni

Art Karlsruhe
"Entdecken. Lieben. Sammeln" ist das Motto der diesjährige Kunstmesse Art Karlsruhe (mehr zur Messe in unserem Dossier). Die internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst betont damit einmal mehr ihren Fokus auf private Sammler und Kunstliebhaber jenseits millionenteurer Investitionskunst. Gezeigt werden rund 6500 verschiedene Werke - Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen oder Installationen. Jahr für Jahr beschränkt sich die "art" dabei auf etwa 200 Galerien. In diesem Jahr sind 211 Galerien aus elf Ländern vertreten, 30 davon sind zum ersten Mal dabei. Private Sammelleidenschaft betont auch eine dem Kunstsammler Reinhold Würth gewidmete Sonderschau mit einem Querschnitt aus dem riesigen Werk Tomi Ungerers. Außerdem gibt es eine Sonderausstellung zum Thema Druckgrafik sowie zu "30 Jahre Retour de Paris". Dabei zeigen baden-württembergische Künstler, die als Stipendiaten in Pariser Ateliers arbeiteten, ihre Sicht auf die französische Hauptstadt. Wie jedes Jahr präsentiert die 14. Ausgabe der von Gründer Ewald Karl Schrade betreuten Messe ihre Skulpturen und Installationen auf 19 Skulpturenplätzen. Auf der Begleitveranstaltung "Artima art meeting" soll es um "Malerei in politischen Zeiten" und um Fragen nach der Kunst der Zukunft gehen. Erwartet werden rund 50 000 Besucher. (dpa)
Art Karlsruhe, bis 19. Februar

Otto Freundlich in Köln
Das bekannteste Werk des Künstlers Otto Freundlich ist ausgerechnet eine 1937 auf dem Titelblatt des NS-Ausstellungsführers für die Diffamierungs-Schau "Entartete Kunst" abgedruckte Skulptur: "Großer Kopf". Eine Retrospektive im Kölner Museum Ludwig würdigt nun das umfangreiche und vielfältige Werk des großen Unbekannten der Moderne – der 1943 dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer fiel. Die um 1910 entstandenen Kopf-Plastiken werden ebenso gezeigt wie Freundlichs Zeichnungen, Gemälde und Gouachen. Der Künstler lebte ab 1924 in Paris und war mit Berühmtheiten wie Kandinsky und Picasso befreundet. Abstraktion hatte für Freundlich  eine soziale Dimension; alle dingliche Wahrnehmung war für ihn von Besitzdenken durchdrungen und somit überholt. Sein großes Mosaik "Die Geburt des Menschen" (1919, Bild), seit 1954 in der Kölner Oper installiert und jetzt ins Museum geholt, wird als zentrales Stück der Ausstellung im Kontext des Gesamtswerks gezeigt.
"Otto Freundlich: Kosmischer Kommunismus", Museum Ludwig, Köln, 18. Februar bis 14. Mai

Wolfgang Tillmans in London
Für ihn sei Fotografie "immer ein Nachdenken über die Welt" sagte Wolfgang Tillmans im großen Gespräch mit Chris Dercon in der Februar-Ausgabe von Monopol. Er wäge ab, sagt der Künstler weiter: "Ist das relevant oder nicht? Ist das signifikant für das Sein, unsere Zeit?" Signifikante Bilder sind jetzt in der großen – und ersten – Tillmans-Schau in der Tate Modern zu sehen. Im Jahr 2000 hatte der Fotograf als erster Nicht-Brite den Turner Prize bekommen. Drei Jahre später marschierten US-Truppen im Irak ein – für Tillmans eine Zeitenwende, an der seine Werkschau einsetzt. Die für ihn typische Mischung aus Porträtaufnahmen, Landschaften, Stillleben und abstrakten Fotos werden gezeigt, aber auch Videoarbeiten oder Musikproduktionen sind zu erleben.
"Wolfgang Tillmans: 2017", Tate Modern, London, bis 11. Juni

Benefiz-Auktion in Neuss
Eine Benefizauktion, die am 17. Februar in der Langen Foundation in Neuss stattfindet, kommt der Welthungerhilfe zugute. Zu ersteigern sind unter anderem Werke von Thomas Ruff, Katharina Sieverding, Meuser, Zhao Gang oder Rosemarie Trockel.
"Kunst gegen Hunger", Freitag, 17. Februar um 18.30 Uhr in der Langen Foundation in Neuss

"Porträt(s) der Moderne" in Wien
Die Höhepunkte der Sammlung des deutsch-österreichischen Galeristen Helmut Klewan (73) sind nun in der Orangerie des Belvedere in Wien zu sehen. Unter den Titel "Porträt(s) der Moderne" sind bis zum 11. Juni 193 Werke von mehr als 50 Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Max Beckmann, Joseph Beuys und Otto Dix ausgestellt. Unter den zeitgenössischen Malern sind Namen wie Christian Ludwig Attersee, Maria Lassnig und Arnulf Rainer zu finden. Klewan, in Bad Friedrichshall in Baden-Württemberg geboren und in Österreich aufgewachsen, eröffnete Ende der 1960er Jahre seine erste Galerie in Wien, der eine Galerie in München folgte. Bekannt ist Klewan auch für seine Rolle als DJ bei Künstlerfesten. (dpa)
"Porträt(s) der Moderne", Belvedere, Wien, bis 11. Juni

Pieter Hugo in Wolfsburg
Hyänen- und Pavian-Bändiger, Honigsammler und Darsteller der Filmindustrie Nigerias - der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo setzt in seinen Porträts außergewöhnliche Menschen seines Heimatkontinents in Szene. Das Kunstmuseum Wolfsburg widmet dem 40 Jahre alten Künstler von diesem Sonntag an eine umfassende Einzelausstellung mit teils noch nie gezeigten Serien, auch aus den USA und China.  Große Themen für Hugo sind die Bürde der Geschichte und die Suche nach Identität. So wirken seine Porträts von Kindern aus Südafrika und Ruanda nur auf den ersten Blick idyllisch. Der Schrecken der Vergangenheit, die Apartheid in Südafrika und der Völkermord in Ruanda sind gegenwärtig. (dpa)
"Pieter Hugo: Between the Devil and the deep blue Sea", Kunstmuseum Wolfsburg, 19. Februar bis 23. Juli

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