Venedig-Biennale

Anna Maria Maiolino und Nil Yalter erhalten Goldene Löwen fürs Lebenswerk

Die Künstlerinnen Anna Maria Maiolino und Nil Yalter werden auf der Venedig-Biennale 2024 mit Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet

"Diese Entscheidung ist besonders bedeutsam angesichts des Titels und des Rahmens meiner Ausstellung, die sich auf Künstler konzentriert, die zwischen Nord und Süd, Europa und darüber hinaus gereist und migriert sind, und umgekehrt", freut sich Adriano Pedrosa, Kurator der 60. Ausgabe der Kunstbiennale. Sie soll sich im nächsten Jahr vornehmlich mit Migration und Exil beschäftigen, im Fokus steht die Erfahrung von Fremdheit. Der Titel der Biennale in der norditalienischen Lagunenstadt ist "Stranieri Ovunque - Foreigners Everywhere" (Fremde überall).

Die 1942 in Italien geborene Anna Maria Maiolino ist nach Südamerika ausgewandert, zunächst nach Venezuela und später nach Brasilien, wo sie heute lebt. In ihren Werken erzählt sie mit "armen" Materialien wie Ton, Papier und Tinte von Sehnsucht, Zerbrechlichkeit und Widerstand. Maiolinos gestische Formen erinnern an Backwaren, Hausarbeit und Ritualgegenstände. Sie ist auch bekannt für ihre Filme und Fotografien, die unter dem Radar des brasilianischen Militärregimes entstanden sind.

Die 1938 in Kairo geborene Türkin Nil Yalter lebt heute in Paris. Nach ihrer anfangs noch abstrakten Malerei, die Anleihen bei den russischen Konstruktivisten, aber auch bei byzantinisch-osmanischer Ornamentik machte, wurde ihre Kunst in den 70ern politischer, ausgelöst durch die aufkommenden Unruhen und den Militärputsch in der Türkei 1971. Drei Jahre später arbeitete Yalter als eine der ersten Künstlerinnen in Frankreich mit Video, sie engagierte sich in feministischen Kollektiven und setzte sich für die Solidarität unter Frauen und die Sichtbarkeit von Künstlerinnen ein. 

Der Preis wird am 20. April 2024 verliehen, wenn die Biennale für das Publikum öffnet.