US-amerikanische Künstlerin

Carolee Schneemann ist tot

Die US-amerikanische Malerin, Performance- und Video-Künstlerin Carolee Schneemann ist im Alter von 79 Jahren gestorben

Das teilte ihre New Yorker Galerie P.P.O.W. mit. In ihrer Karriere, die sechs Jahrzehnte dauerte, befasste sich die 1939 geborene Schneemann mit radikalen Praktiken wie Performance und Body Art. "Ich bin Malerin", sagte sie, und all ihre Arbeit habe mit der Leinwand zu tun - aber in ihrem Werk ging sie weit über die Mediengrenzen hinaus. 

Zum Beispiel in ihrem Film "Meat Joy" von 1964, der eine Performance dokumentiert, bei der sich acht leicht bekleidete Tänzer in einer Art Bacchanal am Boden wälzen. In ihren Happenings, die an der Fluxus-Tradition geschult waren, verhandelte die Künstlerin Themen wie Körper, Geschlecht und Sexualität, so auch in "Interior Scroll" von 1975. Bei der Performance bemalte sie ihren Körper und zog eine Schriftrolle aus ihrer Vagina, dabei las sie eine Antwort an einen Künstlerkollegen, der ihre Arbeit kritisiert hat. 

Schneemann wurde 1939 in Fox Chase im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren. In einem Interview sprach sie über ihre frühe Faszination für Anatomiebücher, als Teenager besuchte sie häufig das Philadelphia Museum of Art. Später bekam sie ein Stipendium für das Bard College in New York, wo sie Malerei studierte, wo sie ihren künftigen Partner, den Komponisten James Tenney, kennenlernte. Ihren Master-Abschluss machte sie an der University of Illinois, und in den frühen 60ern zog sie nach New York. Dort traf sie den Filmemacher Stan Brakhage, ihr erster Kontakt mit Experimentalfilm. Dort war sie auch an der Gründung des Judson Dance Theater beteiligt. 

Sie sei am Mittwoch in ihrem Zuhause umgeben von ihrer Kunst, ihrer Familie und Freunden "friedlich gestorben", bestätigte die New Yorker Galerie P.P.O.W. am Freitag. Schneemann sei eine "visionäre Künstlerin und großartige Freundin" gewesen.

 

Zwar war ihr Einfluss auf jüngere Künstler sehr groß - aber wie bei vielen Künstlerinnen ihrer Generation kam die institutionelle Anerkennung für Schneemann erst spät. Das Museum der Moderne in Salzburg zeigte 2015 eine Retrospektive zu ihrem Werk, die nach New York und 2017 schließlich ins Museum für Moderne Kunst in Frankfurt reiste.