Fotografie-Vorreiterin

Die Künstlerin Anna Blume ist tot

Die Fotografien von Anna und Bernhard Blume entlarvten den bürgerlichen Alltag als absurdes Spektakel. Neun Jahre nach ihrem Partner ist nun auch Anna Blume gestorben

Die Fotografin Anna Blume, geboren 1937, ist tot. Das teilte die Buchmann Galerie mit, die das Werk der Künstlerin vertritt. Bekannt wurde sie zusammen mit ihrem Partner Bernhard Blume, mit dem sie spektakuläre Fotoprojekte realisierte. Dabei integrierte das Paar auch Elemente der Performance und der Malerei und parodierten auf visuell eindrucksvolle Weise den kleinbürgerlichen Alltag. Sie zeigten die Wirklichkeit als Wahn, in dem Dämonen ihr Unwesen zu treiben schienen: Kartoffeln fliegen durch die Luft, Vasen wirbeln in Ekstase und von den beiden Blumes, fast immer auch Darsteller auf ihren Fotos, sind oft nur noch Körperteile zu sehen, die aus Trümmerteilen ragen. Bernhard Blume starb bereits 2011. 

"Die beiden hinterlassen ein ironisch-philosophisches Oeuvre, das sich kritisch der Überhöhung des Künstlers als Repräsentant eines kleinbürgerlichen Milieus widersetzt", heißt es in einem Statement der Buchmann Galerie. "Ihr Werk wird immer für zeitgenössische neue Lesarten offen sein, wie ihre Serie 'Im Wald', die letztes Jahr auf der Art Basel Unlimited gezeigt wurde. Das Werk reflektiert die menschliche Romantisierung des Waldes im Kontrast zu gegenwärtigen Fragen des Umweltschutzes."

Durchbruch auf der Documenta

Die Blumes, beide Jahrgang 1937 und aus Nordrhein-Westfalen, lernten sich zu Beginn der 60er-Jahre an der Kunstakademie in Düsseldorf kennen. Bekannt wurden sie unter anderem 1977 durch ihre Präsenz auf der Documenta 6 in Kassel. In den 80er-Jahren begannen sie nach Einzelarbeiten als dauerhafte Künstlergemeinschaft und wurden auf dem Gebiet der inszenierten Fotografie zu Vorreitern. Das Paar lebte vor allem in Köln, aber auch in Hamburg, wo Bernhard Blume Professor an der Hochschule für Bildende Künste war.

Ihre Fotos entstanden meist mit viel Aufwand. Dabei hantierten die beiden Künstler auch noch im fortgeschrittenen Alter gewagt mit allerhand Materialien. Sie balancierten und kletterten mit vollem Körpereinsatz, wie für die Sequenz "Im Wald", wo er auf einem Ast sitzt und sie ins Nichts stürzt oder in der Reihe mit "Flugversuchen" Bernhard Blumes mit seiner Mutter.

Später setzten sie sich mit den Möglichkeiten der digitalen Fotografie auseinander und arbeiteten mit konstruktivistischen Skulpturelementen und Balken aus Styropor wie für die Serie "Abstrakte Kunst" (2000-2004). Oft gehören beißende Sinnsprüche zu den mehrteiligen, schwarz-weißen Bilderserien. "Der Gedanke des Todes ist unannehmbar" heißt es zum Beispiel in der Werkgruppe "Passionsbilder". Aber auch: "Die Wirklichkeit ist, wie sie ist, d.h. grausam".