"Dreamachine"-Ausstellung

Drop-outs in Basel

Vor 40 Jahren besuchten die Beat-Pioniere Brion Gysin und William S. Burroughs Basel, schreckten mit einer Lesung das Publikum auf und ließen hier eine erste "Dreamachine" bauen. Diese legendären Meditationsapparate sind jetzt wieder in der Rheinstadt zu sehen

Man kann nicht behaupten, Brion Gysin hätte zu wenig für seinen Nachruhm getan. Der Nomade und Beatnik war überall vorne mit dabei: im Paris der 30er-Jahre, wo er sich mit den Surrealisten anlegte, in Marokko, in dem von ihn gegründeten Café 1001 Nights (das er aufgeben musste, weil seine Angestellten ihn angeblich verhexten), im Paris der 50er-Jahre im Beat-Hotel, wo Gysin gemeinsam mit William S. Burroughs und Ian Sommerville die "Dreamachine" erfand, einen drehbaren Hohlzylinder, der psychedelische Flicker-Effekte verursachte.

Überhaupt verbrachte man super Nächte damals in der Rue Gît-le-Coeur. Für einige Minuten soll Gysin sich dort auch vor den Augen anderer in Luft aufgelöst haben. Eigentlich nannten alle den Schriftsteller Burroughs "El Hombre Invisible", aber auf Brion Gysin, den in England geborenen Sohn eines Schweizers und einer Kanadierin, trifft dieser Beiname eher zu: Der Dichter und Künstler hat zwar Eindruck hinterlassen, etwa auf Max Ernst, David Bowie, Keith Haring oder Iggy Pop – alles bekennende Gysin-Jünger –, doch ihm wurde nie die gleiche Würdigung zuteil wie seinen Wegbegleitern. Ungerecht: Brion Gysin erfand das cut-up, Burroughs wurde mit dieser literarischen Technik berühmt.

In den 10er-Jahren änderte sich das. 2010 widmet etwa das New Museum in New York dem 1986 verarmt gestorbenen Gysin eine Einzelschau. Jetzt sind beide Beatpoeten in einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Titel "The Dreamachine" in Basel zu sehen. Vor 40 Jahren waren Burroughs und Gysin in die Stadt am Rhein gekommen, um in der Galerie von Bartha aus Burroughs' berühmten Buch "Naked Lunch" zu lesen, als Nebenprodukt hat Miklos von Bartha die erste voll funktionsfähige "Dreamachine" konstruiert. 

Prototypen dieser "Traumapparaturen" stehen nun wieder in der Galerie. Sie senden Lichtwellen zwischen 8 und 13 Hertz in die Augen des aussteigewilligen Betrachters, das soll dem Rhythmus der Alphawellen im Gehirn entsprechen und diese in der Meditation und Tagträumen aktiven Hirnwellen aktivieren. Wer es sofort ausprobieren will: Den "Dreamachine"-Effekt gibt es mittlerweile auch im Browser als Website. 

Schöner ist es natürlich, die "Dreamachine" in echt und leise ratternd in Basel zu erleben. Vielleicht läuft auch Gysin selbst noch unsichtbar durch die Räume.