Kollektiv Frankfurter Hauptschule

Rechtsextremer Übergriff auf Wiesbaden Biennale von Künstlergruppe inszeniert

Mitglieder der rechten Identitären Bewegung haben vergangene Woche angeblich einen Container der Wiesbaden Biennale umgestaltet, um ironisch und "im Geiste des großen deutschen Künstlers Christoph Schlingensiefs" die Flüchtlingspoltik anzuprangen. Jetzt kam heraus: Die Künstlergruppe Frankfurter Hauptschule, die diesen Übergriff bekannt gemacht hatte, hat ihn selbst inszeniert

Die Bloggerin Tunay Önder hatte im Rahmen der Wiesbaden Biennale, die am Sonntag endete, mit dem "Migrantenstadl" eine "postmigrantische Mehrzweckhalle mit täglich wechselndem Programm" auf den  Faulbrunnenplatz eröffnet. Dieser Container wurde laut einer Pressemitteilung der Künstlergruppe Frankfurter Hauptschule vom Donnerstag vergangener Woche von Mitgliedern der Identitären Bewegung Wiesbaden umgestaltet, um "in Anlehnung an Christoph Schlingensiefs Container-Aktion in Wien im Jahre 2000", die ironisch gemeinte Aktion "Refugee in Paradise (R.I.P)" durchzuführen: "Hier soll in den nächsten Tagen ein 'Speeddating' zwischen Deutschen und Ausländern zum Zweck der Anbahnung von Scheinehen stattfinden. Damit halten wir den scheinheiligen Multi-Kulti-Träumen von Politik, Kulturbetrieb und Medien den Spiegel vor: Der politisch gewollte und systematisch betriebene Austausch unseres Volkes geschieht vor unser aller Augen!"

Dazu haben die vermeintlichen Mitglieder der Identitären Bewegung Wiesbaden ein Video veröffentlicht:

 

Das Künstlerkollektiv Frankfurter Hauptschule, die offiziell auf der Wiesbaden Biennale mit einer Performance angekündigt war, hatte daraufhin eine Neunutzung des Containers angekündigt: "Wir werden in dem Container einen Interracial Gay Porn mit dem Titel 'Der große Austausch' drehen. Außerdem fordern wir alle Menschen in Deutschland zur fröhlichen Rassenschande auf: postet Fotos und Videos von Euch beim Knutschen und Fummeln unter dem Hashtag #dergrosseaustausch!"

Früh kamen jedoch Zweifel an der Authentizität der Videos der Identären auf, die Presseabteilung der Biennale ignorierte entsprechende Anfragen. Am Wochenende nun hat die Frankfurter Hauptschule enthüllt, dass sie selbst verantwortlich sei für die Aktion.

Am Dienstag erklärte Maria Magdalena Ludewig, eine der beiden Kuratorinnen der Wiesbaden Biennale nun, in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" das Anliegen des Kollektivs: "Es geht um die Verwechselbarkeit und Unlesbarkeit der Zeichen. Dass man rechten Identitären Gruppen Aktionskunst nach dem Vorbild des Künstlers Christoph Schlingensief zutraut, ist verwirrend und erschreckend. Die Frankfurter Hauptschule wiederum hat die Mechanismen der Identitären übernommen, mit Pressemitteilung und Film auf Youtube, und sich ihrer Mittel bedient. Die Zeichen und Zuordnungen verschwimmen. Rechtes Gedankengut kann in jeder Form auftreten und auch aussehen wie ein charmant verspieltes Frankfurter Künstlerkollektiv. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn es möglich ist, dass wir den Identitären zutrauen, sich in einem Kunstdiskurs zu bewegen, sind sie dann nicht längst viel tiefer ein Teil unserer Gesellschaft, als wir wahrhaben wollen?"

Das Kunstfestival sorgte auch für Schlagzeilen wegen einer goldenen Statue des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die von einem anonymen Künstler aufgestellt und von der Stadt vorzeitig wegen Sicherheitsbedenken abgebaut wurde.