Restitution

Parzinger sieht Umdenken in Sachen Rückgaben von Kolonialschätzen 

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, sieht eine veränderte Einstellung bei Rückgaben von Kolonialschätzen aus deutschen Museen

"Ich glaube, es ist ein Umdenken in unserer gesamten Gesellschaft, von der Politik bis zu den Museen, kein Teil der Gesellschaft nimmt sich da aus", sagte Parzinger am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Die 34 Jahre deutscher Kolonialgeschichte seien immer beiseite geschoben und zudem überlagert worden vom Holocaust und anderen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. 

Auch durch die Debatte um das Humboldt Forum in Berlin sei verstärkt klar geworden, "dass man sich diesem Thema unserer Geschichte widmen muss, auch in den Schulen, in allen Bereichen des öffentlichen Lebens", sagte Parzinger. Die Museen müssten jetzt agieren. "Und sie haben jetzt relativ schnell gehandelt."

Außenministerin Annalena Baerbock und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (beide Grüne) wollen am Freitag mit ihren nigerianischen Amtskollegen eine Absichtserklärung unterzeichnen, die den Weg für die Übertragung des Eigentums an den sogenannten Benin-Bronzen freimacht. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Skulpturen und anderer Gegenstände aus dem Königreich Benin, das als Edo State heute zu Nigeria gehört. Sie wurden durch britische Truppen als Beutekunst nach Europa und in die USA verkauft.

Nun müsse jedes der rund 20 Museen in Deutschland, die Objekte besitzen, Vereinbarungen mit ihren Trägern abschließen, sagte Parzinger. Die Stiftung wolle das Eigentum seiner mehr als 500 Objekte übertragen.

Ein erster Schritt erfolgt bereits mit der Unterzeichnung. "Symbolisch werden zwei Objekte schon übergeben, aber wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr weitere Objekte folgen werden", sagte Parzinger. Die künftige Zusammenarbeit werde regeln, was zurückgeht, was hier bleibt, was immer wieder ausgetauscht werden könne. "Das ist eigentlich moderne Zusammenarbeit und die Zirkulation der Objekte."