Schlingensief-Witwe Laberenz im Interview

"Christoph freute sich auf US-Schau"

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New York (dpa) - Das Museum MoMA PS1 in New York widmet dem Künstler Christoph Schlingensief rund vier Jahre nach seinem Tod seine erste Solo-Ausstellung in den USA. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa erzählt Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz (33), die an der Schau mitgearbeitet hat, warum der Künstler in Deutschland lange unterschätzt wurde, und was sie sich vom amerikanischen Publikum erhofft

Was hätte diese Ausstellung für Christoph Schlingensief bedeutet?

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand gemeinsam mit Christoph und er hat sich natürlich extrem darauf gefreut. Die Ausstellung in den Kunst-Werken Berlin 2013 war immer als Co-Produktion mit dem MoMA PS1 gedacht. Aber die Umsetzung war noch viel zu weit entfernt. Dass er schließlich hier ist, dass er hier sichtbar und zugänglich gemacht wird, einem breiteren Publikum geöffnet wird, ist wunderbar und wichtig. Christoph war lange Zeit in Deutschland als Künstler unterschätzt. Und wenn man ihm hier auf einem komplett anderen Kontinent mit einem komplett anderen Hintergrund als Künstler begegnet, werden er und seine Kunst vielleicht auf eine freiere Art und Weise gesehen. Zumindest erhoffe ich mir das.

Was meinen Sie mit freier?

In Deutschland hatte er es lange Zeit als Künstler schwer, weil er fernab von Kategorien gearbeitet hat. Er war nie nur der Filmmann, nie nur der Theatermacher, nie nur der Aktionsküstler oder was er sonst auch gemacht hat. Es gibt keinen Titel für ihn. Und wenn er dann als Provokateur bezeichnet wurde, wenn seine Arbeit darauf reduziert wurde, hat er darunter gelitten. Häufig wurde einfach nicht die Ernsthaftigkeit seiner Arbeit gesehen. Das ist außerhalb von Deutschland deutlich befreiter, hier ist er nicht nur der laute Künstler. Ich hoffe, dass man seine Arbeit sieht, auch den Inhalt hinter den Bildern.

Glauben Sie, die Amerikaner sollten sich ein Beispiel an dem politischen Aktivismus eines Christoph Schlingensief nehmen?

Christoph war ein extrem mutiger Künstler. Er hat permanent alles hinterfragt, untersucht, und über die Kunst darauf reagiert. Und zwar nicht nur bei politischen Themen, das konnten auch religiöse, gesellschaftliche oder tabuisierte Themen sein. Ich erhoffe mir, und das gilt nicht nur für die Staaten, dass die Kunst generell eine Sprache der Freiheit ist und bleibt.

Gibt es Künstler, die den Mut und die schier grenzenlose Energie eines Christoph Schlingensief weiterführen können?

Ich glaube nicht, dass man ihn als Künstler weiterführen kann. Ich weiß auch gar nicht, ob das möglich ist. Es ist aber schön, dass man ermutigt wird, seinen eigenen Weg zu gehen, eine eigene Sprache zu entwickeln und frei und mutig zu sein.

Aino Laberenz, 1981 in Finnland geboren, ist eine deutsche Bühnenbildnerin und Kostümbildnerin. Sie war lange Zeit die Lebensgefährtin Christoph Schlingensiefs. Das Paar heiratet im August 2009, ein Jahr bevor der Künstler an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung starb

MoMA PS1, bis 31. August

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