Spektakuläre Aktion in New York

Berliner Künstler stecken offenbar hinter Flaggentausch auf Brooklyn Bridge

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Die Berliner Künstler Matthias Wermke und Mischa Leinkauf haben sich dazu bekannt, im Juli auf der New Yorker Brooklyn Bridge US-Staatsflaggen gegen weiße Fahnen ausgetauscht zu haben. Das teilte das Duo in einer Pressemitteilung am Dienstagabend mit. Wermke und Leinkauf verstehen die Aktion „White American Flags“ als ein Kunstprojekt. In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli dieses Jahres haben sie demnach auf zwei Pylonen der Brücke die Scheinwerfen verdeckt, die Staatsflaggen entwendet und zwei weiß gefärbte US-Flaggen stattdessen gehisst. Laut Mitteilung haben sie die Originalflaggen mit Respekt und gemäß dem Flaggengesetz der Vereinigten Staaten behandelt, das den Umgang mit dem nationalen Symbol vorschreibt. Die US-Flaggen sollen nun zurückgegeben werden.

Der Flaggentausch hatte in den USA für viel Aufsehen gesorgt. Überregionale Fernsehsender und Zeitungen spekulierten über den Urheber der Aktion und diskutierten die dadurch offenbarte Sicherheitslücke. Die Brooklyn Bridge gilt als Wahrzeichen der Stadt und potentielles Anschlagsziel für Terroristen. Der Flaggentausch hatte demzufolge eine groß angelegte Fahndung der New Yorker Polizei und anderer Sicherheitsbehörden ausgelöst, die durch die Aktion unter Druck geraten sind. Zwischenzeitlich hatte sich ein Aktivist, der für die Legalisierung von Cannabis kämpft, zur Tat bekannt. Die Polizei vermutete früh einen künstlerischen Zusammenhang, war sich aber nicht darüber klar, was die Intention des mutmaßlichen Kunstwerks sei.

Die Aktion lasse viele Interpretationen zu, heißt es jetzt in der Mitteilung der Künstler - die damit eine eindeutig politische Lesart ablehnen. Unter anderem solle an den deutschstämmigen John August Roebel, den Architekten der Brooklyn Bridge, erinnert werden. Er starb am 22. Juli 1869. Der Bau der Brücke wurde durch seinen Sohn Washington August Roebling fortgeführt, der am 21. Juli 1926 starb. „White American Flags“ sieht das Künsterduo aber auch in kunsthistorischen Zusammenhängen, etwa in Anlehnung an Jasper Johns Flaggenarbeiten oder öffentliche Interventionen von Gordon Matta-Clark und anderen. In der "New York Times" vom Dienstag nannte der Kunstkritiker Michael Kimmelman die Intervention den "Streich des Sommers".

Der 1978 geborene Matthias Wermke und der 1977 geborene Mischa Leinkauf haben als Künstlerduo Wermke Leinkauf häufiger schon im öffentlichen Raum gearbeitet. So fuhren sie unangemeldet auf einer Draisine auf den Gleisen der Berliner U- und S-Bahn oder brachten illegal Fahnen auf Bauten in Heilbronn an, unter anderem auf einem Turm eines Heizkraftwerks. Das Duo erhielt mehrere Preise, darunter den Columbus Förderpreis für aktuelle Kunst in Kooperation mit der ADKV und den NRW Förderpreis für junge Künstler.

Monopol hat die Künstler (hier ihre Website) am Dienstagabend zum Gespräch getroffen. Das Interview lesen Sie demnächst auf Monopol Online

Einen Bericht der CNN vom 22. Juli sehen Sie hier:




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