Berliner Fotograf

Michael Schmidt gestorben

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Michael Schmidt wurde 1945 in Berlin geboren, wuchs in beiden Teilen der Stadt auf. Sein Bruder und Vater waren beide zeitweise in Haft, er selbst arbeitete zehn Jahre als Polizist. Zur Fotografie kam Schmidt als Autodidakt, 1976 gründete er an der Volkshochschule Kreuzberg die legendäre Werkstatt für Fotografie.

Bekannt wurde Schmidt mit seinen kompromisslosen Porträts der Mauerstadt. Mit Bildern, über die das Magazin "New Yorker" schrieb, sie ließen im Vergleich selbst Thomas Struths Arbeiten "dekorativ" erscheinen. Mit der Serie „Waffenruhe“, die 1988 im Museum of Modern Art gezeigt wurde, feierte Schmidt seinen internationalen Durchbruch. Von 1991 bis 1994 entstand "EIN-HEIT", eine radikale Collage aus Vorkriegszeit, Mauerzeit und Wendejahren; Honecker, Göring, Adenauer, RAF-Terroristen. Auf Reisen durch die deutsche Provinz produzierte er die Serie "Irgendwo".

Viele Fotografen der jüngeren Generation beziehen sich auf Schmidt, Andreas Gusky nannte ihn seinen wichtigsten Lehrer. Michael Schmidt stellte weltweit in renommierten Museen aus, 2010 auf der Berlin Biennale und in einer Retrospektive im Haus der Kunst. Zuletzt fand seine Serie "Lebensmittel" Beachtung. Vier Jahre lang reiste der Fotograf quer durch Europa zu Plätzen der Nahrungsmittelherstellung und enthüllt in glanzlosen Bildern die durchökonomisierte Welt hinter der Landliebe-Verpackung. "Lebensmittel" wurde 2012 im Museum Morsbroich in Leverkusen, im Folgejahr im Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Zurzeit ist die Serie im Victoria and Albert Museum in London als Preisausstellung zum Prix Pictet zu sehen. Die Auszeichnung wurde Schmidt erst am Donnerstag verliehen.

Wie aus Familienkreisen bekannt wurde, ist Michael Schmidt am heutigen Samstag mit 68 Jahren gestorben. (monopol)

Hier lesen Sie ein Monopol-Interview mit Michael Schmidt aus dem Jahr 2009

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