Bildhauer Anklam in Berlin

Transparenz und Masse

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Raum, Licht, Objekt – die Skulpturen Axel Anklams erzeugen ein Wechselspiel aus Offenheit und Geschlossenheit, aus Transparenz und Masse. Sehenswert sind nicht nur die Kunstobjekte selbst, sondern auch ihr Ausstellungsort: das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbandes von Erich Mendelsohn

Wie der Qualm einer überdimensional großen Zigarette schwebt die silberne Edelstahlplastik "Inside" von Axel Anklam im Berliner Ausstellungsraum der Gewerkschaft IG Metall. Ihre ineinander geschwungenen Strukturen bäumen sich nach oben auf – dass sie überhaupt steht, scheint statisch fast unmöglich. Die Arbeit "Muleta" wirkt hingegen wie die Symbiose einer riesigen Trompetenblume mit einer Muschel und sticht dabei besonders farblich heraus: Bonbonrot hebt sie sich von den monochrom weißen, schwarzen und silbernen Plastiken ab.

Es geht bei dieser Ausstellung, deren Titel "Kaskadenschaltung" auf die aus Kreisen bestehende Grundform einiger der Objekte zurückgeht, vor allem um das Verhältnis von Form und Material, ihr Miteinander, ihr Gegeneinander. So wie der massive Edelstahl in seiner gitterartigen Struktur lichtdurchlässig, fast fragil ist, erhält die organische Form der Trompetenblume durch ihre rotglänzende Oberfläche etwas Künstliches.

Anklam gestaltet seine Objekte nicht willkürlich, sondern bedient sich zur Formfindung mathematischer Konstruktionsweisen, bei der mit Monochorden harmonische Verhältnisse errechnet werden. Inspiration zieht der Meisterschüler von Tony Cragg auch aus Wanderungen, während denen er Skizzen anfertigt. Ein bisschen denkt man beim Anblick der Arbeiten an die organischen Formen früher computergenerierter 3D-Modelle. Doch damit haben die Plastiken, das betont der gelernte Kunstschmied, nichts zu tun: Seine Modelle formt er aus Aluminiumdraht, die meist riesigen Kunstwerke werden in seiner Werkstatt hergestellt.

Die modernistische Architektur Erich Mendelsohns, in der sich die IG Metall befindet, eignet sich nicht nur wegen ihrer Deckenhöhe hervorragend als Ausstellungsort für die großen Plastiken, sondern auch, weil ihr ein ähnlicher Kontrast inhärent ist wie den Arbeiten Axel Anklams: Lichte Räume und organische Strukturen beherbergen die Gewerkschafter der Schwerindustrie. Wirkliche Interaktion mit der Umgebung findet in dieser Schau aber nur bei einem Werk statt: Das muschelartige Edelstahlgebilde "Nova Form" sieht aus, als wäre es schon immer im Foyer des Arbeiterbaus gestanden, unter der Wendeltreppe mit dem goldenen Geländer und der Glasfassade im Hintergrund, um ein Wechselspiel zwischen Härte und Weichheit, Arbeit und sinnlicher Wahrnehmung zu erzeugen.

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