Böhm-Kirche Hürth

Menschenfischen

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Warum sollte man nicht neben der Kunst auch Architekturklassiker sammeln?  Im Immobilienteil der „FAZ“ machte der Galerist Rafael Jablonka einen unwiderstehlichen Fund: Die ehemalige Pfarrkirche Sankt Ursula in Hürth bei Köln, erbaut 1954–56 von Gottfried Böhm. Ein paar Stunden später war der Kauf besiegelt.

Profaniert im Jahre 2006, hat die „Böhm Chapel“ zwar alle sakralen Einbauten verloren, und die sechs Konchen, jene bogenförmigen Nischen, die ursprünglich die Sakramente symbolisierten, zieren jetzt abstrakte Gemälde des New Yorkers Terry Winters (bis 27. März).

Dennoch ist im restaurierten Rundbau wieder jener visionäre Geist erwacht, mit dem Böhm seine demokratische Idee des Kirchenraums entwarf – und damit Ideen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorwegnahm. Böhms elegant gefasste, weiße Fenster verzichten auf jeden gegenständlichen Verweis und symbolisieren doch mit ihrer Netzstruktur unmittelbar das Bild vom Menschenfischen.

Welch Unterschied zu Jablonkas Anfang 2010 aufgegebenem Loft in Berlin. Mit dem Menschenfischen dürfte es nun schwierig werden: Laufkundschaft wäre in Hürth-Kalscheuren höchstens aus den anliegenden Film- und Fernsehstudios zu erwarten. Dafür haben die in ihre 50er-Jahre-Architektur verliebten Kölner nun ein neues Ausflugsziel, geöffnet an Wochenenden zwischen 11 und 14 Uhr.

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