Phillips de Pury, London

Kein Fetisch zu befremdlich: Eine Auktion zum Thema Sex

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Vor ihrem Trieb sind alle Menschen gleich, und mit dem Schlagwort „Sex“ um Aufmerksamkeit zu buhlen, ist natürlich ungefähr so subtil, wie auf Genitalien in Großaufnahme zu masturbieren. Sex sells, hat sich Simon de Pury vom Auktionshaus Phillips de Pury gedacht und die am 19. März stattfindende Themenauktion provokant betitelt. Verkauft werden bei „Sex“ 221 Werke, die „unser Konzept von Begierlichkeit, Geschlecht und die Art und Weise, wie wir sexuelle Bilder konsumieren“ herausfordern.

Wer sich vorab einen Überblick über das Angebot auf der Homepage des Unternehmens verschaffen will, wird zunächst darüber aufgeklärt, dass die Inhalte der darauffolgenden Seiten nicht jugendfrei sind und muss seine Volljährigkeit bestätigen – ein Prozedere, dem im Internet sonst bloß potenzielle Pornoseitenbesucher ausgesetzt sind.

Und auch wenn sich unter den Losen keine Homestrip-Filmchen oder Hardcore-Streifen verbergen, bedienen sie doch so ziemlich jede sexuelle Obsession. Im Angebot: Alt-Herren-Fantasien (Pablo Picasso), Lolitaträume (Noritoshi Hirakawa), gleichgeschlechtliche Liebe (Tom of Finland), heterosexueller Akt (Marcel Dzama), Gruppenaktivitäten (Anton Solomoukha), Selbstbefriedigung (Thomas Ruff), Sadomasochismus (Frédéric Fontenoy), Voyeurismus.

Mal bleibt das Objekt der jeweiligen Begierde dem neugierigen Blick verborgen, mal wird es in schon fast wissenschaftlich anatomischer Weise seziert. Keine Pose zu obszön, kein Fetisch zu befremdlich, dass sie nicht aus dem niederen Genre der Pornographie in die hohe Sphäre der Kunst überführt werden könnten – von der Matratze ins Museum, ein vertikaler Aufstieg für horizontale Angelegenheiten.

Anders als im Bordell misst sich der Preis jedoch nicht an der Eigenwilligkeit der Obsession. Softporno übertrumpft in der Kunst offensichtlich preislich nicht selten den harten Kram. Ezplixität verhält sich nicht zwangsläufig proportional zu Exklusivität. Wolfgang Tillmans Fotografie „Stiefelknecht II“ (1993) zum Beispiel ist – trotz deutlich erkennbarem homosexuellen Oralverkehrs – mit einem Schätzwert von 1.200 bis 1.800 Pfund gewissermaßen noch die billige Bordsteinschwalbe unter den leichten Mädchen der Kunstwelt, während Allen Jones harmloses Gemälde „Soft Thread“ (1966-67), das schlicht bestrumpfte Frauenbeine zeigt, mit 60.000 bis 80.000 Pfund eindeutig den Rang einer Edelkurtisane einnimmt.
 
 Mehr Informationen unter www.phillipsdepury.com
 

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