Ausstellung "bOObs - Wir zeigen Brust"

Die frohe Busen-Botschaft

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Der Busen gilt heute selbst in der westlichen Welt noch als schambehaftet. Warum eigentlich? Die Berliner Ausstellung "bOObs – Wir zeigen Brust" will der Unbeholfenheit entgegenwirken

Ein Strauß aus rosa, schwarzen, weißen und goldenen Luftballons an einem Baumstamm führt geradewegs in die Karl Oskar Gallery in Berlin-Tempelhof. Mit Brustwarzen versehen, bringen sie den Anlass auf den Punkt: Die Galerie präsentiert mit der Gruppenausstellung "bOObs – Wir zeigen Brust" kleine, große, pralle, flache, junge und alte Busen, von mom- bis transboobs, und feiert die Schönheit der Vielfalt. Gemeinsam mit 21 Künstlerinnen und Künstlern widmen sich die Kuratorinnen Saralisa Volm und Britta Adler hier dem Mythos, der Rolle und der Ästhetik der Brust.

Denn mehr noch als mit Gewebe, Milch oder Silikon ist die Brust mit vielen Erwartungen gefüllt. Die vor allem in der Werbeindustrie propagierte Vorstellung von Form und Größe trägt nicht nur zu einer seltsamen Wahrnehmung nackter Körper bei, sondern auch zum ungesunden Selbstbild junger Frauen. Die Berliner Fotografin und Filmemacherin Annique Delphine serviert diesem Ideal entsprechend kugelrunde, schokoladenüberzogene und mit Zuckerstreuseln geschmückte Silikonbrüste in der Eistüte. Auf die Objektifizierung und Reduzierung der Frau auf ihre Sexualität deutet Birgit Diekers "Matrone" hin, eine aus großen, ausgestopften Büstenhaltern geformte Skulptur.

 


Versuche, über soziale Medien mit Erwartungen zu brechen, werden jedoch oftmals in prüder Empörung zensiert. Auf das Nippelverbot bei Instagram reagierte die Künstlerin Camila Gonzales Corea daher mit einer fotomontierten und damit geschickt verschlüsselten Busencollage aus hunderten von Emojis – darunter Schweine, Rosen und Nationalflaggen -, um den Zensurmechanismen der Plattform zu entgehen. "Nipple Act" macht auf die Absurdität und Ungerechtigkeit aufmerksam, die in diesem Verbot des weiblichen Oberkörpers steckt.

 

Eine Fotografie von Fréderic Schwilden zeigt die Brust in einer ihrer biologischen Funktionen: Umgeben von Blüten und Bäumen gibt sie einem Baby die lebenserhaltende Milch. Inhaltlich knüpfen Saralisa Volm und Britta Adler damit an ihre im vergangenen Jahr und ebenfalls in Zusammenarbeit entstandene Schau "bitch MATERial" an, die sich dem Thema der Mutterschaft verschrieb. Mit zeitgemäßen Darstellungen von unterschiedlichsten Mutteridentitäten haben sie sich zur Aufgabe gemacht, mit veralteten Rollenklischees aufzuräumen.

In welcher Form, Beschaffenheit und Farbe auch immer, die Kuratorinnen sind davon überzeugt, dass der Brust mehr Platz in der Kunstwelt gebührt. Indem sie in der übergreifenden Schau von stereotypen, sexualisierten Darstellungen völlig absehen, bestärken sie den positiven, selbstbestimmten und natürlichen Umgang mit dem weiblichen Körper – sowohl dem eigenen, als auch dem fremden. Um die frohe Busen-Botschaft in die Welt hinauszutragen, verteilten sie bei der Eröffnung weiße T-Shirts von "Hauptstadtmutti" mit kleinen, gedruckten boobs auf Herzhöhe an die Besucherinnen und Besucher.

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