Kunstbiennale Venedig

Franciska Zólyom kuratiert deutschen Pavillon

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Ihre Wurzeln liegen in Ungarn, derzeit leitet sie ein Ausstellungshaus in Leipzig: Franciska Zólyom wird den deutschen Pavillon auf der Kunst-Biennale in Venedig gestalten. Ihre Vorgängerin war sehr erfolgreich

Sie wurde von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) berufen, wie das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) am Dienstag mitteilte. Die 1973 in Budapest geborene Kunsthistorikerin arbeitete im Rahmen eines vom ifa vergebenen Rave-Stipendiums am Hamburger Bahnhof in Berlin und am Ludwig-Museum für zeitgenössische Kunst in Budapest. Sie war drei Jahre lang Direktorin des Institute of Contemporary Art – Dunaújváros in Ungarn. Seit 2012 ist sie Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfzK), außerdem ist sie Mitglied im Universitätsrat der Bauhaus-Universität Weimar und im Sächsischen Kultursenat. Auch an der Ausstellung "Lajos Kassák. Botschafter der Avantgarde" in der Berlinischen Galerie war sie beteiligt.

Gabriel würdigte Zólyom als "eine herausragende Kuratorin". Sie stehe mit ihrer Vita und ihrem bisherigen Wirken für künstlerische Koproduktion und damit für einen pro-europäischen Kunstbegriff jenseits nationaler Grenzen.

In der GfzK wurde unter ihrer Leitung unter anderem Einzelausstellung von Mario Pfeifer, Leon Kahane, Kateřina Šedá, Seiichi Furuya, Andy Warhol und John Smith, sowie Gruppenausstellungen zu Graphic Novels, zur Beziehungen zwischen China und Afrika und zu slowakischer Kunst gezeigt.

"Ich freue mich auf einen intensiven Austausch mit Menschen, die mich im Nachdenken über Kunst und Gegenwart inspirieren", sagte Zólyom nach ihrer Berufung. Sie folgt auf Susanne Pfeffer, die mit der Künstlerin Anne Imhof 2017 den Goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag gewann.

In der Parkanlage in Venedig wird jedes Jahr wechselnd Kunst und Architektur präsentiert. Die Kunstbiennale gehört neben der Documenta zu den renommiertesten internationalen Kunstschauen der Welt.

Der deutsche Pavillon wurde in der NS-Zeit von den Nazis umgestaltet und für ihre Propaganda genutzt. Das Gebäude wurde 1908 ursprünglich als bayerischer Pavillon errichtet, 1938 grundlegend umgebaut und kurz darauf dem Deutschen Reich geschenkt. Die Nazi-Vergangenheit ist häufig Thema bei der Wahrnehmung und Gestaltung des deutschen Beitrags gewesen. Für Deutschland hatten in der Vergangenheit so namhafte Künstler wie Gerhard Richter oder Joseph Beuys ihre Arbeiten gezeigt. 1993, 2001, 2011 und 2017 gewann der deutsche Pavillon Goldene Löwen.

Die Ernennung des Kurators folgt einer Empfehlung des Kunst- und Ausstellungsausschusses des Auswärtigen Amts. Ihm gehören Direktoren und Direktorinnen führender deutscher Kunstmuseen und Kunstexperten an.

Für die Architektur-Biennale ist das Bundesbauministerium zuständig. Dort werden dieses Jahr die frühere Stasi-Unterlagenbeauftragte Marianne Birthler und das Berliner Büro Graft den deutschen Pavillon gestalten.

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