In Hamburg erinnert eine Gruppenschau an den Schrecken nach der Flowerpower

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Der Titel ist catchy und die Idee ja nicht schlecht: Nach den Gedenkver- anstaltungen zu „40 Jahre 68“ knüpft sich die Gruppenausstellung „Man Son 1969“ das Folgejahr vor. Der verquere Hippie Charles Manson, dessen Sekte im August des Jahres die Schauspielerin Sharon Tate und sechs weitere Menschen ermordete, dient als Sinnbild für die Extreme dieser Zeit: 1969 landeten Napalmbomben auf Vietnam und der erste Mensch auf dem Mond, wurde in Woodstock friedlich gekifft und beim Altamont-Festival ein Fan erstochen, flohen Baader und Meinhof nach Paris. Die Flowerpower-Bewegung verlor ihre Unschuld.

 

Gleich der erste Raum der Schau macht ihre Schwächen klar: Da ist Sigalit Landaus Video einer nackten Frau, die mit einem Reifen aus Stacheldraht Hula-Hoop tanzt. Daneben lässt Teresa Margolles menschliches Fett auf den Fußboden tropfen. Zwei gute Arbeiten, aber: Margolles verwendet das Fett einer ermordeten Mexikanerin; das Video der Israelin Landau entstand am Strand von Tel Aviv – die Werke lassen an andere Konflikte als „1969“ denken.
Diese Unschärfe ist den Kuratoren Frank Barth und Dirck Möllmann bewusst, Manson sei nur der Stichwortgeber, um dem „Schrecken der Situation“ nachzugehen. Doch oft wirken die Arbeiten zusammengestückelt und sind dazu von höchst unterschiedlichem Niveau: Joseph Beuys’ Kojotenperformance und Fotografien von Martin Eder; Meister Franckes „Christus als Schmerzens- mann“ und ein Video Josephine Mecksepers; Malerei von George Grosz und Till Gerhard.

 

Wirklich zu sich kommt diese Ausstellung erst in einem Manson-Porträt von Joe Coleman: Stilistisch gehalten zwischen Comic und Ikonenmalerei, verdichtet sein Bild die Ambivalenz von Martyrium und Heilsversprechen, Hollywood und Babylon, Faszination und Schrecken des Bösen.
 

Hamburger Kunsthalle, 30. Januar bis 26. April

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