John Jaspers über den International Light Art Award

Mehr Licht!

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Herr Jaspers, warum braucht das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna einen Kunstpreis?

Der Kunstpreis bietet die Möglichkeit für ein Engagement, das uns schon lange ein Anliegen ist und das wir nun, dank der Unterstützung unseres Partners, der RWE Stiftung für Energie & Gesellschaft, endlich realisieren können. Ziel ist es, angesichts des rapiden technologischen Fortschritts aufzuzeigen, wie junge Künstler sich dieser Innovationen annehmen, welche Inhalte sie daran knüpfen und wie sich das Genre der Lichtkunst selbst weiterentwickelt. Mit dem International Light Art Award (ILAA) wollen wir Künstler unterstützen und ermutigen, neue Wege zu gehen. Als eine Art "Kompetenzzentrum" ist es uns wichtig, eine aktive Rolle einzunehmen und die Debatte rund um die Lichtkunst voranzutreiben. Im Vergleich ist die Lichtkunst ein relativ junges Genre, das umso mehr ein hochaktuelles künstlerisches und gesellschaftliches Feld bearbeitet und wegweisende Fragen an unsere Zukunft stellen kann. Was wir ebenfalls bei uns im Museum immer wieder beobachten können: Lichtkunst übt auf Jung und Alt eine ganz besondere Faszination aus. Der ILAA bietet somit auch im Hinblick auf den gesellschaftlichen Dialog mit und über Kunst viele Möglichkeiten der Partizipation und Teilhabe. Lichtkunst schafft soziale Räume, die integrativ und weniger exklusiv wirken.

Wie wurde der Gewinner ermittelt?

Bei dieser ersten Vergabe des ILAA haben wir uns für einen geschlossenen Wettbewerb entschieden, das heißt Künstler, Museumsleiter, Kuratoren, Kritiker und Sammler weltweit, von Sydney über Kiew bis New York, haben jeweils zwei Kandidaten für den Lichtkunstpreis nominiert. Am Ende reichten 29 der vorgeschlagenen Künstler Beiträge ein und eine internationale Fachjury hat die drei Preisträger ermittelt. Von Anfang an war klar, dass wir nicht nur einen Sieger, sondern drei Positionen prämieren wollten, auch um über diese drei Beiträge eine Diskussion zu initiieren. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die eingereichten Konzepte auf die speziellen Anforderungen unserer Räume eingingen: Eine zehn Zentimeter kleine Lichtskulptur beispielsweise würde in den riesigen Kellern der ehemaligen Bierbrauerei in Unna, in denen unser Lichtkunstzentrum untergebracht ist, nicht funktionieren.

Den Jury-Vorsitz übernahm Otto Piene. Wie sehr fehlt er jetzt?

Otto Piene ist mir seit Langem vertraut, ich schätze seine Arbeit sehr und sehe, welch großen Einfluss sein positiver Geist auf die Kunst und insbesondere die Lichtkunst hat. Persönlich bin ich ihm im Juli bei der Eröffnung seiner Ausstellung "More Sky" in der Berliner Neuen Nationalgalerie begegnet. Er war begeistert, bei unserem Unterfangen dabei sein zu dürfen und den ILAA mit seinem Elan und seiner Reputation zu unterstützen. Junge Künstler zu ermutigen, ihren Weg zu gehen, war für ihn ein wichtiger Aspekt seiner Arbeit. Als ich dann am nächsten Tag den Anruf erhielt, dass er ruhig eingeschlafen sei, war ich bestürzt und traurig. Aber sein Enthusiasmus begleitet uns weiterhin..

Warum wird der Preis in Berlin vergeben?

Hauptziel des ILAA ist es, möglichst viel Aufmerksamkeit auf das Lichtkunstgenre und seine Künstler zu lenken, und sie so zu fördern. Berlin ist dafür ein prädestinierter Ort, da hier eine rege Diskussion über Kunst geführt wird, an der wir uns beteiligen möchten. Außerdem sind wir eingebunden in das Unesco-Themenjahr des Lichts 2015 und unsere Veranstaltung wird im Rahmen der Berliner Festspiele stattfinden. Ich hoffe, dass wir den Preis fortan alle zwei Jahre vergeben können. Das Feedback ist jedenfalls bisher großartig: Es rufen immer noch Künstler aus den USA oder Australien an, die mitmachen wollen. Das zeigt uns, dass wir etwas Sinnvolles angestoßen haben.

Welche Fragen treiben die Finalisten in ihren Arbeiten um?

Das Künstlerduo Martin Hesselmeier & Andreas Muxel aus Köln setzt sich philosophisch mit dem Gewicht von Licht – natürlich als Gedankenexperiment – auseinander. Die LED-Lichtskulptur der beiden Künstler wird von Tonelementen begleitet. Iván Navarro, ein Chilene mit Wohnsitz in New York, steuert eine große Mobile-Installation aus Verkehrsampeln bei und hinterfragt die Bedeutung von gesellschaftlich codierten Handlungsweisen und Symbolen. Und Dirk Vollenbroich, setzt besonders innovative Technologie ein: Die Besucher sollen mit ihren Gedanken das Licht steuern und damit den Raum verändern können.

Was erwartet die Preisträger?

Sie können ihre Ideen umsetzen, die bei Lichtkünstlern oft aus Kostengründen nicht über die Planungsphase hinauskommen. Die Installationen, die in der begleitenden Sonderausstellung "The Future of Light Art" ab Ende Januar für fast sechs Monate in Unna gezeigt werden, gehen danach ins Eigentum der Künstler über. Der erste Preisträger bekommt zudem ein Preisgeld von 10000 Euro. Und, nicht zu vergessen, die Künstler erhalten eine mediale und somit öffentliche Aufmerksamkeit, die für ihre Entwicklung entscheidend sein kann.

Gibt es bestimmte Themen, die gerade besonders bei den jüngeren Künstlern hervortreten?

Bei vielen der eingereichten Arbeiten handelt es sich um Lichtprojektionen, also ist das Licht selbst die Grundvoraussetzung für die Umsetzung einer ästhetischen Idee. Es gibt außerdem einen Trend zum multimedialen Ansatz, oft kommen Klang und interaktive Elemente unterstützend hinzu. Die Schnittmenge mit Medienkunst wird immer größer. Aber genau diese Reflexion und Diskussion wollen wir anstoßen: Was zeichnet Lichtkunst aus und was ist ihre Zukunft?

Die Preisverleihung zum ILAA findet am 22. Januar um 19.30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele an der Schaperstraße 24 statt. Die Festrede hält Peter Sloterdijk. Zum Preis erscheint als Beilage zur Febuarausgabe von Monopol ein Sonderheft

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