Monopol-Podcast

Die Neuentdeckung des Keith Haring

Keith Haring beim Bemalen einer Glasscheibe 1985
Foto: © Muna Tseng Dance Projects, Inc. Kunst: © Keith Haring Foundation

Tseng Kwong Chi: "Keith Haring beim Bemalen einer Glasscheibe", 1985

Keith Harings Malerei wurde lange als zu populär und kommerziell abgetan, aber gerade in der Krise bekommen seine bunten Männchen neue Relevanz. Im aktuellen Monopol-Podcast geht es um Harings Renaissance im Museum und die Frage, wie massentauglich Kunst sein soll

Die bunten Figürchen und Hunde hat bestimmt jeder schon mal gesehen. Doch über den Künstler und die Ideen dahinter weiß man deshalb nicht unbedingt Bescheid. Keith Haring kam als junger Mann vom Land ins New York City der 1980er-Jahre. Er wurde eine zentrale Figur der schwulen Künstlerszene und war mittendrin, als diese von AIDS erschüttert wurde. Noch bevor die Krankheit bei ihm selbst diagnostiziert wurde, behandelte er das Thema in seinen Kunstwerken. Er starb 1990 an den Folgen seiner Erkrankung.

In diesem Jahr widmet sich eine große Retrospektive der Arbeit des Künstler, die zuletzt in Brüssel zu sehen war und im August – um zwei Monate verschoben – im Museum Folkwang in Essen eröffnet. Der Direktor Peter Gorschlüter findet Keith Haring gerade jetzt interessant, wo Museen wegen der Corona-Pandemie schließen mussten und sich die Frage aufdrängte, wie Kunst außerhalb der geschlossenen Räume zugänglich gemacht werden kann.

Keith Haring erlangte schon zu Lebzeiten große Popularität, beispielsweise durch die sogenannten "Subway Drawings": Auf leere Werbeflächen in der New Yorker U-Bahn malte er mit Kreide seine ikonischen Linien. Bald wurden seine Motive massenhaft kopiert. Um dem entgegenzuwirken, eröffnete er selbst mit dem "Pop Shop" einen Raum, in dem seine Werke und Vervielfältigungen verkauft wurden. Von Keith Haring lässt sich also nicht nur etwas über den künstlerischen Umgang mit einer Pandemie, sondern auch über die effektive Vermarktung von Kunst lernen. Weil sich Harings Motive auch besonders gut auf Kaffeetassen und Einkaufstaschen machen, wurde dem Künstler immer wieder vorgeworfen, zu populär und kommerziell zu sein. 

In der neuen Folge des Podcasts "Kunst und Leben" von Monopol und Detektor FM spricht Moderatorin Sarah Steinert mit Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr und Museumsdirektor Peter Gorschlüter über Keith Harings Leben und seinen weiten Kunstbegriff. Die Monopol-Kolumnistin Annika von Taube widmet sich der Frage, inwiefern sich Kunst und Kommerz tatsächlich widersprechen, oder ob Popularität und Massentauglichkeit nicht vielmehr eine Wertschätzung für die Kunst ausdrücken. Außerdem gibt die Journalistin Tipps, wie man für kleines Geld Kunstwerke sammeln und damit Künstlerinnen und Künstler in der Krise unterstützen kann.