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Petra Collins' Fotografien junger Frauen

Zwischen Spiegel und Smartphone

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Mit ihrem neuen Buch erzählt die Fotografin Petra Collins vom Erwachsenwerden

Petra Collins ist das Postergirl einer neuen Generation Künstlerinnen. Ryan McGinley ist so etwas wie ihr großer Bruder und Selena Gomez, die gelegentlich eine Beziehung mit Justin Bieber führt, ist ihre beste Freundin. Vielleicht auch nur fast. Sie modelt und dreht Filme für Gucci, ihre Freunde hat sie für Nordstrom und Frank Ocean für "032c" fotografiert, für das Museum of Modern Art in New York durfte sie eine Veranstaltung kuratieren.

Der Spagat zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Kunst- und Modewelt gelingt ihr mühelos. Ihr selbst ist es dabei gar nicht so wichtig, die Kunstwelt zu beeindrucken, weil elitäres Kunstschaffen, so Collins, nicht verändern würde, wie Menschen die Welt sehen. Das erklärt sie im Gespräch Marilyn Minter, die ihr wiederum erzählt, wie es war, von der Kunstwelt ausgeschlossen und erst spät verstanden, anerkannt und dann gefeiert zu werden. "Meine Generation konnte mich nicht sehen, weil es damals noch Hierarchien in der Kultur gab", sagt Minter. Die gibt es auch heute noch, nur hat Petra Collins das Internet und die Sozialen Medien. Und als es selbst dort nicht gab, was sie brauchte, schuf sie sich mit The Ardorous eine eigene Plattform online, auf der junge Künstlerinnen ihre Arbeiten zeigen und sich zusammentun konnten.

Das Gespräch zwischen Minter und Collins, der Grande Dame und dem Shootingstar, bildet den Mittelpunkt im neuesten Buch der kanadischen Fotografin. Die beiden tauschen sich aus, wie sie dorthin gekommen sind, wo sie heute stehen. Collins kann nicht so recht glauben, was Minter wiederfahren ist, die wiederum kann kaum glauben, was Collins so jung schon alles geleistet hat. "Du bist der Punk, nach dem ich gesucht habe", sagt Minter, der der Photoshop verseuchten Werbeindustrie in den Arsch tritt.

Das sagt sie nur fast. Aber meint es. Die Arbeiten von Collins sind licht- und farbgetränkt, ihre Gestalten scheinen sich hinter einem ganz zarten Schleier zu bewegen, der sich über alles legt und die Szenerie immer leicht verträumt und jenseitig erscheinen lässt.

"Coming of age" heißt das Buch und erzählt genau davon: vom Erwachsen werden. Collins hat ihre eigene Geschichte aufgeschrieben, dazwischen werden Stimmen von anderen Künstlerinnen, wie Laurie Simmons, geblendet, die mit an ihrer Geschichte schreiben und ihr damit den Rücken stärken. Collins wollte eigentlich Balletttänzerin werden, ein Unfall kam dazwischen. Also suchte sie nach etwas anderem und fand es, als ihr 2009 eine Einwegkamera in die Hände fiel.

Seither fotografiert sie so obsessiv wie Ryan McGinley, den sie als ihren frühesten Einfluss nennt. Nur fotografiert sie junge Frauen so, wie sie sich selbst als Teenager fühlte: verletzlich und voller Zweifel. Sie fotografiert Mädchen, die vor Spiegeln stehen und Mädchen, die mit Smartphones vor Spiegeln stehen, weil sie genau dort viel Zeit verbringen, um sich für andere zurecht zu machen. Der weibliche Blick, der ihr zugeschrieben wird, den weist sie deutlich von sich. Und auch wenn sie junge Frauen so sexy und verführerisch fotografiert, wie für den männlichen Blick bestimmt: Ihr Blick, der von Petra Collins, das zeigt dieses Buch, ist längst unverkennbar und steht für eine neue Generation Künstlerinnen.

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