Artcrater-Gründerin Gudrun Wurlitzer

"Ich will zeitgenössischer Kunst Liquidität verschaffen"

Artcrater-Gründerin Gudrun Wurlitzer
Foto: Bernd Jaworek

Artcrater-Gründerin Gudrun Wurlitzer

Die Internetplattform Artcrater soll Sammlern ermöglichen, Kunstwerke diskret und günstig wieder loszuwerden. Ein Gespräch mit der Gründerin Gudrun Wurlitzer

Frau Wurlitzer, wie kamen Sie auf die Idee, Artcrater zu gründen? Wieso brauchen Sammler eine Verkaufsplattform für Kunst?

Dieses Problem kennt jeder Sammler: Man will ein Kunstwerk wieder verkaufen und weiß nicht so recht wie. Auch uns ging es so. Einmal wollten wir eine Arbeit an eine sehr große Galerie zurückgeben. Sie haben es widerwillig in Kommission genommen und sich dann drei Jahre nicht mehr gemeldet, bis wir es zurückgeholt haben. Bei einem anderen Werk haben wir es in einem Auktionshaus versucht. Wir haben es für 1000 Euro nach London bringen lassen und drei Tage vor der Auktion riefen sie uns an, ob wir nicht mit dem Preis runtergehen wollten, das Interesse sei so gering. Das Risiko, dass ein Werk bei einer Auktion nicht weggeht, ist groß, und wenn das passiert, gilt es als verbrannt.

Was ist an Artcrater besser?

Nur Leute, die bei uns angemeldet sind, können Werke einstellen und ansehen. Folglich ist der Kreis recht exklusiv. Ein weiterer Vorteil: Wenn ein Werk nicht weggeht, kann der Sammler es einfach wieder herausnehmen, ohne dass jemand sieht, ob es verkauft ist oder nicht.

Was kostet das die Sammler?

Fünf Prozent zahlt der Käufer, fünf Prozent der Verkäufer.

Wenn das so günstig ist – wie finanziert sich die Plattform?

Ehrlich gesagt hoffe ich, dass es sich eines Tages finanziert. Es lässt sich aber schon sehr gut an. Wir verkaufen auf der Plattform nur Kunstwerke, die einen bestimmten Wert haben. Momentan reichen die Preise von 9000 bis 370 000 Euro, der Schnitt liegt bei 50 000 bis 60 000 Euro. Da sind auch zehn Prozent viel Geld. Mein Bestreben mit Artcrater ist, zeitgenössischer Kunst eine gewisse Liquidität zu geben wie sie zum Beispiel Uhren haben. Ein Sammler, der weiß, dass er Kunst auch wieder loswird, kauft mehr.

Wie viele Nutzer haben sich bislang registriert?

Ich hoffe, dass es bis Jahresende 1000 Mitglieder werden. Dann haben wir eine Größe erreicht, die einer kleinen Preview einer Kunstmesse entspricht.

Und was verkaufen und kaufen die so?

Wir haben eine Künstlerliste von den 700 meistgefragten Künstlern weltweit erstellt, damit nicht alles Mögliche angeboten wird. Dafür haben wir Künstler aus Topgalerien herausgefiltert und sind sämtliche Auktionsergebnisse der letzten fünf Jahre und Rankingtabellen wie den "Kunstkompass" durchgegangen. Wir prüfen dennoch jede Anfrage und wenn es ein relevanter Künstler ist und ein tolles Werk, kommt es hinein.