Nachruf auf Gloria Vanderbilt

Tod der Schwanenkönigin

Gloria Vanderbilt 1995 in New York
Foto: New York Post/AP/dpa

Gloria Vanderbilt 1995 in New York

Sie war Sammlerin, Designerin, Schauspielerin und hat mit über 90 Instagram für sich entdeckt. Mit Gloria Vanderbilt ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der New Yorker Kunstszene gestorben

Als er den Tod Gloria Vanderbilts am Montag vermeldete, versagte dem Reporter fast die Stimme: CNN-Journalist Anderson Cooper ist der Sohn des vielleicht berühmtesten It-Girls der USA. Vanderbilt war Millionenerbin, Modedesignerin, Malerin und Schriftstellerin. Als 93-Jährige wurde sie noch Influencerin, begann damit einen Mix aus alten Fotos, Malereien, Zeitschriftenartikeln und Schnappschüssen aus ihrer Wohnung an der Upper East Side Manhattans auf Instagram zu posten. 213.000 Follower. "Ich liebe es, auf meinen Badezimmerkacheln herumzumalen", schrieb Vanderbilt noch eine Woche vor ihrem Tod und präsentierte das Foto einer Bad-Ecke voller gerahmter Bilder und eines auf die Kacheln gepinselten Sterns, darunter das Wort "Child". "Why not, Star Child?", kommentierte die betagte Dame. 22.000 Likes.

Am 20. Februar 1924 wurde Gloria Laura Morgan Vanderbilt in eine Dynastie von Eisenbahnunternehmern geboren, als einziges Kind von Gloria Morgan Vanderbilt und Reginald Claypoole Vanderbilt – der schon 1925 am Suff zugrunde ging. Als das Kind 10 Jahre alt war, stritten ihre – wohl bedingt zuverlässige – Mutter und ihre Tante Gertrude (die Gründerin des Whitney Museums) um das Sorgerecht für Gloria. Gertrude Vanderbilt Whitney gewann vor Gericht, doch obwohl Gloria auf dem Anwesen der Tante aufwuchs, war das Verhältnis zu ihr schlecht. Mit 21 bekam Vanderbilt Zugang zu ihrem Vermögen von 4,5 Millionen Dollar, sie malte, schrieb Tagebuch und trat als Schauspielerin in Thornton Wilders "Unsere kleine Stadt" auf. In ihren 2004 erschienenen Memoiren "It Seemed Important at the Time" beschrieb sie ausführlich ihre Liebesaffären mit Marlon Brando, Frank Sinatra, Gene Kelly oder Howard Hughes.

Erfolgsmodell Jeans

Vanderbilt war viermal verheiratet, mit dem Hollywoodagenten Pasquale DeCicco (der sie schlug und von dem sie sich 1945 scheiden ließ), mit dem legendären Dirigenten Leopold Stokowski und mit dem Filmregisseur Sidney Lumet ("Die zwölf Geschworenen"). Als ihre glücklichste Ehe hat sie die mit dem Schriftsteller Wyatt Cooper bezeichnet, der mit Anfang 50 starb. Anderson Cooper, der CNN-Mann, wurde 1967 geboren, der zwei Jahre ältere Carter nahm sich 1988 das Leben. Seine Mutter musste hilflos zusehen, wie der 23-Jährige noch kurz an der Brüstung ihres Penthouse im 14. Stock hing und dann losließ. Fast wäre sie hinterher gesprungen, gestand seine Mutter später, nur der Gedanke an Anderson habe sie davon abgehalten.

Ihre berufliche Hochphase hatte Gloria Vanderbilt ab Mitte der 70er. Sie entwarf Jeans, die speziell für Frauen geschnitten waren – damals noch eine Neuheit – und ließ ihre Kreationen bei Mohan Murjani produzieren. Das Logo war ein Schwan, nach dem Bühnenstück "The Swan", in dem sie 1954 aufgetreten war. Als erste Amerikanerin, die einen berühmten Familiennamen auf Designerkleidung nutzte, setzte sie einen neuen Trend. Allein 1980 flossen 10 Millionen Dollar Einkommen auf ihr Konto. Doch in den späten 80ern, die Marke hatte nun viel Konkurrenz durch andere Modelabels, lief das Geschäft nicht mehr gut. Vanderbilt, die ihr Geld stets mit vollen Händen ausgab, hatte Probleme mit der Steuer, kam in finanzielle Schwierigkeiten, musste Besitz verkaufen, zog in eine kleine Wohnung in Manhattan – und leugnete beharrlich, pleite zu sein.

Bis fast zuletzt hat Gloria Vanderbilt gemalt – abstrakte Bilder. Anfang Juni wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Am 17. Juni ist sie im Alter von 95 Jahren gestorben.