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Sammlermuseum

Feuerle Collection ist ein Austragungsort der Berlin Biennale

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Berlin bekommt ein neues Privatmuseum: Désiré Feuerle eröffnet in Kreuzberg seine Sammlung asiatischer Möbel und zeitgenössischer Kunst

Massive Pfeiler, roher Beton, weitläufige Räume: In einem Telekommunikationsbunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Berlin-Kreuzberg eröffnet der Sammler Désiré Feuerle am 29. April sein Privatmuseum. Auf 6000 Quadratmetern Fläche stellt er historische Möbel und Objekte aus Asien internationaler zeitgenössischer Kunst gegenüber. Arbeiten von Anish Kapoor, Zeng Fanzhi oder James Lee Byars treffen auf Khmer-Skulpturen des 7. Jahrhunderts und für einen Kaiser von China gefertigte, fein geschnitzte Stühle.

Für Désiré Feuerle, der als Galerist und Kurator gearbeitet hat, sind diese Stücke keine Möbel, sondern Skulpturen: "Ich betrachte historische Objekte auf die gleiche Weise wie zeitgenössische Kunst. Und so inszeniere ich sie auch.“ Der gleiche kaiserliche Repräsentationstisch würde im Palastmuseum in Peking wohl ganz anders wirken als auf dem glänzend weißen Sockel im Kreuzberger Bunker. Hier fällt auf, wie reduziert, fast schon abstrakt die chinesischen Möbelstücke sind.

Auf genau solche Aha-Effekte hat es Désiré Feuerle mit seinem Kontrastprogramm von Alt und Neu, Ost und West abgesehen. Er kombiniert die Stücke intuitiv. "Ich habe ein sehr gutes Bildgedächtnis und dann passiert es immer wieder, dass ich denke: So ein ähnliches Gefühl, wie ich es bei diesem Objekt habe, hatte ich schon mal bei einer anderen Arbeit. Manchmal liegen Jahrhunderte zwischen diesen Werken. Aber darauf kommt es nicht an – sondern darauf, dass sie das gleiche Gefühl hervorrufen."

Nach diesem Prinzip hat Feuerle auch alle Ausstellungen in seiner Kölner Galerie konzipiert, die er von 1990 bis 1998 am Hansaring betrieb. Richard Deacon harmonierte für ihn mit silbernen Tee- und Kaffeetassen des 17. Jahrhunderts, Anish Kapoor stellte er mit vorchristlicher Keramik aus dem nordthailändischen Ban Chiang aus. Ende der 90er siedelte Feuerle dann nach Asien über, um sich ganz dem Sammeln zu widmen. "Es war der richtige Zeitpunkt", sagt er. "Damals konnte ich noch Stücke kaufen, die heute nicht mehr zu kriegen wären."

Fasziniert von Asien ist Désiré Feuerle schon seit seiner Jugend. "Der Kontinent hat eine andere Sensibilität als Europa“, sagt er. Begeistert erzählt er von zwei chinesischen Duftholzschalen aus seiner Sammlung: "Das waren Schalen – speziell hergestellt für den Kaiser –, die er seinen Gästen während eines Gesprächs reichte, um sie an den Dufthölzern darin riechen zu lassen. Nicht um daraus zu trinken, sondern nur für die Nase. Was für eine Raffinesse!"

Einen eigenen Raum für chinesische Räucherzeremonien hat Feuerle ins Untergeschoss des Museums einbauen lassen. Je vier Besucher gleichzeitig können dort den Duft von erhitzten Hölzern als ephemere Kunst erleben. Glaswände geben den Blick in den großen Ausstellungsraum frei, in dem Decken, Pfeiler und Boden des Bunkers erhalten sind. Der britische Architekt John Pawson hat das Gebäude behutsam zum Museum umgestaltet. Hinter einer eingezogenen weißen Wand im Erdgeschoss liegen unsichtbar Stromkabel, Entfeuchtungsanlage, Heizung und Sicherheitssystem. Das ursprüngliche Raumgefühl bleibt bestehen – ähnlich wie in der Sammlung Boros im ehemaligen Reichsbahnbunker in Berlin-Mitte. Genau wie dort kann man die Feuerle Collection nur nach vorheriger Anmeldung in einer geführten Gruppe besuchen.

Jetzt bekommt Berlin noch einen Kunst-Bunker dazu. Braucht die Stadt das denn? Ja, sagt Désiré Feuerle mit freundlichem Nachdruck: "Das sind ganz andere Kunstwerke als die, die in der Sammlung Boros zu sehen sind, eine ganz andere Herangehensweise. Das doppelt sich nicht, das ergänzt sich vielmehr."

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