Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Charlotte Perriand "Inventing A New World"
Foto: Fondation Louis Vuitton, Paris

Charlotte Perriand "Inventing A New World"

Die Kunst der Woche in Dessau, Dresden, Hannover, Innsbruck, Köln, London, Paris und Rottenburg

 

Archäologie der Moderne in Dessau

Ob Fensterrahmen, Türklinken oder historisches Baumaterial: Am Bauhaus Dessau gibt eine neue Ausstellung Einblicke in eine bisher eher unbekannte Sammlung. Unter dem Motto "Archäologie der Moderne" sind rund 70 Exponate aus dem Bauforschungsarchiv der Stiftung Bauhaus Dessau zu sehen. Dazu gehören auch historische Dokumente und Pläne. "Uns geht es darum, herauszufinden, wie sind Bauhausgebäude entstanden, womit wurde experimentiert, was machte das neue Bauen aus", erklärt die Leiterin Monika Markgraf das Archiv.

Zum Bestand gehören ihren Angaben nach rund 2500 Exponate wie Putzfragmente, Farbproben, Armaturen, Beschläge oder Badzubehör. Dessauer Bauhausbauten gelten den Angaben nach bis heute auch vom Material her als Prototypen dafür, wie mit Stahl, Glas und Beton eine völlig neue, schnörkellose Architektur entstand. Davon zeugen etwa die Dessauer Meisterhaussiedlung und das Bauhausgebäude mit seiner markanten Glasfassade oder die Laubenganghäuser.

"Archäologie der Moderne" ist Teil der Triennale der Moderne, die im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 unter dem Titel "Material begreifen" steht. (dpa)

"Triennale der Moderne", Bauhaus Dessau, bis 6. Oktober

Ausstellung "Archäologie der Moderne" in Dessau
Foto: dpa

Ausstellung "Archäologie der Moderne" in Dessau


A.R. Penck in Dresden

Das Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen ehrt den 2017 gestorbenen Dresdner Künstler A.R. Penck zum 80. Geburtstag mit einer ganz besonderen Ausstellung. "A.R. Penck: "Ich aber komme aus Dresden (check it out man, check it out)" beleuchtet ab Samstag dessen frühe Jahre in seiner Geburtsstadt. Rund 200 Werke der 1950er bis 1970er Jahre zeugen von Vielseitigkeit, Ideenreichtum und enormer Produktivität des in der DDR in den Untergrund und später zur Ausreise Gedrängten, der sich in allen Kunst-Genres ausprobierte - bis zu Performance, Film und Musik.

"Er ist mehr als der Strichmännchen-Maler", sagt Museumsdirektorin Hilke Wagner. Penck habe universelles Interesse gehabt und in den 1970er Jahren die internationale Bildsprache revolutioniert - trotz aller Widrigkeiten.

"A.R. Penck: "Ich aber komme aus Dresden (check it out man, check it out)", Albertinum, Dresden, bis 12. Januar 2020



Nina Hagen in Hannover

DDR-Girlie, Punk-Ikone und Kämpferin für Gerechtigkeit: Das bewegte Leben der Sängerin Nina Hagen zeichnet eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover nach. Zu sehen sind rund 460 Objekte aus der Sammlung von Arne Buhrdorf, der sich als Elfjähriger in die Stimme der Punk-Queen verliebte. "Es war diese opernhafte Art zu singen. So etwas hatte ich vorher noch nie gehört", erzählt der 52-Jährige. Seither hat er beinahe jeden Schritt der exzentrischen Künstlerin und Streiterin für Menschlichkeit verfolgt. Über 3000 Objekte umfasst seine Sammlung: von Platten über Plakate und Titelseiten bis hin zu Fan-Artikeln wie Schals, Kissen oder ein Nina-Hagen-Kartenspiel.

Die bis zum 12. Januar laufende Schau ist in zwölf Kapitel gegliedert und erzählt, unterstützt von Ton- und Videoaufnahmen, den Werdegang vom kessen DDR-Jugendstar bis zur Interpretin von Gospel-Songs und Liedern von Bertolt Brecht. Mit Schlagern wie "Du hast den Farbfilm vergessen" war sie Idol der DDR-Jugend, 1976 folgte sie mit ihrer Mutter ihrem vom Politbüro ausgewiesenen Ziehvater Wolf Biermann in die Bundesrepublik. Noch in der DDR sei sie wegen Biermanns Kritik an der DDR-Führung in Ungnade gefallen, erzählt Buhrdorf: "Sie ist damals mit ihrer Mutter durch kleine Theater getingelt und hat ihre eigene Art zu singen entwickelt."

Buhrdorf fasziniert besonders das gesellschaftliche Engagement der sensiblen Künstlerin, die sich schon für den Tierschutz engagierte, als die meisten noch über Vegetarier wie sie lächelten. Zudem kämpft sie gegen Atomkraft und unterstützt beispielsweise Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung. "Ihr geht es um die Religion der Menschlichkeit", betont der Fan. "Darin lässt sie nicht nach." (dpa)

"Nina Hagen. Collection Arne Buhrdorf", Theatermuseum Hannover, bis 12. Januar 2020

Sammler Arne Buhrdorf mit doppelter Nina Hagen
Foto: dpa

Sammler Arne Buhrdorf mit doppelter Nina Hagen


Rembrandts Radierungen in Köln

Im Amsterdamer Rijksmuseum wird zurzeit vor den Augen der Besucher Rembrandts "Nachtwache" restauriert, ein Gemälde von der Größe eines Lieferwagens. Im Kölner Wallraf-Richartz-Museum kann man sich jetzt davon überzeugen, dass der niederländische Künstler aber auch im Briefmarkenformat ein Meister war. Winzig klein und doch unendlich fein ist zum Beispiel ein dort ausgestelltes Selbstporträt mit Wuschelmähne und Schnäuzer. Bis zum 12. Januar zeigt das Museum "Rembrandts graphische Welt" mit 27 Radierungen Rembrandts und elf Blättern von Vorbildern, Zeitgenossen und Nachfolgern. Rembrandt wurde durch solche Drucke noch zu Lebzeiten europaweit bekannt. Seine Radierungen waren im 17. Jahrhundert sehr innovativ und gewagt. So wurden die beiden biblischen Figuren Adam und Eva von anderen Barock-Künstlern als Idealmenschen dargestellt, sie sehen für heutige Betrachter aus, als würden sie täglich im Fitness-Studio trainieren. Rembrandt dagegen zeigte Adam und Eva als unansehnliches älteres Ehepaar.

Ein zeitgenössischer Kritiker rügte ihn dafür heftig: "Schlaffe Brüste, unförmliche Hände, ja sogar die Spuren der Strumpfbänder an den Beinen" habe er dargestellt. Vermutlich habe ihm eine Putzfrau Modell dafür gesessen. Rembrandt revanchierte sich: Auf einer Karikatur von ihm trägt der Kunstexperte Eselsohren - und der Künstler selbst wischt sich das nackte Hinterteil ab. (dpa)

"Rembrandts graphische Welt", Wallraf-Richartz-Museum, bis 12. Januar 2020

 

Tanzende Pistenraupen in Innsbruck 

Melanie Manchot interessiert sich in ihrer Kunst für den Platz, den der Mensch sich in der Welt zuweist. Und sie ist fasziniert von einer Landschaft, in der sich der Mensch oft am winzigsten fühlt: den Bergen. Was ist das Erhabene, was hat es mit Empathie zu tun? Wie überschneidet sich die große, geologische Zeit der Berge mit der Zeit der Menschen? Was stellt der Mensch alles an, um sich dem Berg zu nähern, ihn zu nutzen, ihn zu kontrollieren? Auch in ihrer Ausstellung im Inn Situ in Innsbruck werden alle diese Fragen eine Rolle spielen. Am spektakulärsten wird vielleicht der Film "Snowdance", für den Manchot im vergangenen Winter mit Pistenraupenfahrern aus dem Montafon in Vorarlberg zusammengearbeitet hat. Aus Drohnenperspektive zeigt er, wie die riesigen Maschinen eine erstaunlich bewegliche Choreo­grafie aufführen, die von den Tänzen der Region inspiriert ist.

Melanie Manchot: "Mountainworks", Inn Situ, Innsbruck, bis 25. Januar 2020

Melanie Manchot "Spectre 2"
Foto: Courtesy Melanie Manchot

Melanie Manchot "Spectre 2"


Kunstmesse mit afrikanischer Gegenwartskunst in London

54 Länder finden sich auf dem afrikanischen Kontinent, und 1-54 ist der Name der Messe für zeitgenössische Kunst aus Afrika, die schon zum siebten Mal parallel zur Frieze in London stattfindet. 45 internationale Galerien zeigen in den intimen, lichten Räumen des Somerset House die Vielfältigkeit der Kunst aus Afrika. Eine Sonderausstellung in Kooperation mit der Charity-Organisation Water Aid präsentiert neue afrofuturistische Fotografien von Aïda Muluneh, und die Edition zur Messe stammt von der zurzeit sehr nachgefragten Kapwani Kiwanga. (dpa)

1-54, Africn Art Fair, London, bis 6. Oktober

 

Charlotte Perriand in Paris

Zwischen 1927 und 1937 war sie für sämtliche Möbel und Interieur-Entwürfe des Studios Le Corbusier verantwortlich (der Meister selbst beließ es meist bei vagen Ideen oder Skizzen). Nach ihrer Bekanntschaft mit dem Maler Fernand Léger stellte sie ab 1930 auch unter eigenem Namen aus und wurde eine der renommiertesten Designe­rinnen Frankreichs. Vor allem aber war Charlotte Perriand (1903–1999) eine bedingungslose Modernistin, deren visionäre Kraft über die Gestaltung schöner Dinge stets hinausging. Die Fondation Louis Vuitton zeigt jetzt die ganze Bandbreite von Perriands Schaffen: ihr politisches Engagement, ihr Interesse an Kunst und Natur, ihren langjährigen Japanaufenthalt, der das dortige Design nachhaltig prägte, und nicht zuletzt ihre Überlegungen zur Rolle der Frau.

"Charlotte Perriand: Inventing a New World", Fondation Louis Vuitton, Paris, bis 24. Februar 2020
 


Dalis Bibel-Illustrationen in Rottenburg 

Das Diözesanmuseum Rottenburg (Kreis Tübingen) zeigt den Zyklus "Biblia Sacra" von Salvador Dali. Dabei handelt es sich um den größten zusammenhängenden Bild-Zyklus, den der spanische Maler (1904-1989) geschaffen hat. Zudem gilt er als eine der wichtigsten Bibel-Illustrationen des 20. Jahrhunderts.

Die 105 Bilder sind eine Leihgabe des Bamberger Kunstkantors Richard H. Mayer. Er besitzt laut dem Museum die größte private Dali-Sammlung, die bekannt ist. Die Werke in Rottenburg am Neckar sind von diesem Sonntag, 6.Oktober, an im Diözesanmuseum und damit erstmals in Baden-Württemberg zu sehen. (dpa)

Salvador Dali "Biblia Sacra", Diözesanmuseum, Rottenburg am Neckar, bis 12. Januar 2020

Salvador Dali "Die blaue Madonna"
Courtesy Diözesanmuseum

Salvador Dali "Die blaue Madonna"