Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Harry Hachmeister "Prinzessin"
Foto: © Grit Hachmeister, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Harry Hachmeister "Prinzessin", zu sehen in der Ausstellung "Inside - Out. Konstruktionen des Ichs", Kunstmuseum Wolfsburg 

Die Kunst der Woche in Basel, Brandenburg, Düren, Frankfurt, Hannover, Herford, Kassel, Leipzig, Luxemburg, Mannheim, München, Potsdam, Waldenbuch und Wolfsburg


Joanna Piotrowska in Basel

Berühren, streicheln, drücken und erdrücken: In ihren Schwarz-Weiß-Fotos und Filmen widmet sich Joanna Piotrowska den alltäglichen Dramen menschlicher Beziehungen. Die polnische Künstlerin schafft nicht erklärbare, zugleich befremdliche und berührende Bilder. Es sind Aufnahmen von Gesten des Kümmerns, des Selbstschutzes oder der Kontrolle, welche ebenso gekonnt arrangiert wie psychologisch aufgeladen sind. Die Paare, die die 1985 in Polen geborene Künstlerin inszeniert, sind wirklich verwandt oder verschwägert, ihre Körpersprache ist höchst ambivalent. Eine Geste kann bei Piotrowska zugleich liebevoll und dominant wirken. In der Soloschau "Stable Vices" in der Kunsthalle Basel sind jüngere Werke neben einer ganz neuen Fotoserie zu sehen.

"Joanna Piotrowska: Stable Vices", Kunsthalle Basel, bis 5. Januar 2020

Joanna Piotrowska "Untitled", 2014
Foto: Courtesy of the artist

Joanna Piotrowska "Untitled", 2014

Bauhaus-Ausstellungen in Brandenburg

Was verbindet Brandenburg mit dem Bauhaus? Mehr als bislang bekannt ist, findet das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst. "Man denkt bei Bauhaus an Weimar, Dessau, Berlin, an Gropius, an Mies van der Rohe, an weiße Architekturen, an Licht- und Schatten-Experimente, an klare Formen, an klare Farben. Man denkt weniger an Brandenburg", sagt Museumsdirektorin Ulrike Kremeier. Anlässlich des einhundertjährigen Jubiläums des Bauhauses finden nun insgesamt fünf Ausstellungen an zwei Orten, Cottbus und Frankfurt (Oder), statt. Im Zentrum des Projekts "Unbekannte Moderne" stehen bis Januar 2020 Kunst, Architektur und Design der 1920er und 1930er Jahre.

Die Präsentation "Das Bauhaus in Brandenburg" in Cottbus etwa widmet sich Spuren der Kunstschule in Industriedesign und Handwerk fernab der bekannten Zentren. Die Ausstellung "Bild der Stadt / Stadt im Bild" untersucht die Bildsprache jener Zeit und wie sich die politischen und ökonomischen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg in Stilrichtungen wie Spätexpressionismus, Dadaismus und Bauhaus niederschlugen.

Die Ausstellung "Neue Städte - Neue Menschen" in Frankfurt (Oder) zeigt das Verhältnis ästhetischer und inhaltlicher Konzepte neuen Bauens der 1920er Jahre. (dpa)

"Unbekannte Moderne", Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus und Frankfurt (Oder), 26./27. Oktober bis 12. Januar 2020

Eröffnung in Cottbus: Fr., 25. Oktober, 19 Uhr, CB Dieselkraftwerk
Eröffnung in Frankfurt (Oder): So., 27. Oktober, 11 Uhr, FF Rathaushalle

 

Industrieaufnahmen in Düren

Um die Industrialisierung im ländlichen Raum geht es in einer Kunstausstellung im Leopold-Hoesch-Museum in Düren. Zu sehen sind historische Fotografien, etwa von Albert Renger-Patzsch, August Sander und Bernd und Hilla Becher sowie zeitgenössische Arbeiten. Die Ausstellung "Vom Leben in Industrielandschaften" zeigt auch einige Aquarelle, Gemälde und Videos.

Die Region um Düren zwischen Garzweiler und den Stauseen der Eifel ist selbst durch industrielle Nutzung geprägt: Braunkohletagebau, Hochspannungsmasten, Zuckerrübenfelder, Papierfabriken und das recht nahe belgische Kernkraftwerk Tihange ergeben ein komplexes Bild.

Auch das Ruhrgebiet kommt in der Ausstellung vor, etwa mit einem Foto von einem Feld am Kanal aus den 1980er Jahren, das Ausflügler zum wilden Campingplatz machten. Die Künstler haben Motive auch in der Ferne gefunden. Eine ganze Fotoserie beschreibt das langsame Verschwinden einer Straßenkreuzung in Brandenburg durch den Braunkohleabbau. Filme zeigen den Wandel des Marmorbruchs im italienischen Carrara oder den Umgang mit der Atomreaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima. (dpa)

"Vom Leben in Industrielandschaften - Eine fotografische Bestandsaufnahme", Leopold-Hoesch-Museum, Düren, 27. Oktober bis 16. Februar 2020

Eröffnung: Sonntag, 27. Oktober, 12 Uhr


Van Gogh in Frankfurt

Das Frankfurter Städel Museum präsentiert bis zum kommenden Februar die umfangreichste Präsentation mit Werken von Vincent van Gogh (1853 - 1890) seit fast 20 Jahren in Deutschland. Mehr als 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier des Künstlers werden unter dem Titel "Making Van Gogh" gezeigt. Es sei die "bisher größte und aufwendigste Präsentation in der Geschichte des Städels", so das Museum.

"Die großangelegte Ausstellung erzählt von der Entstehung des 'Mythos van Gogh' um 1900 und von seiner Rolle als Vorbild der Expressionisten und Vorreiter der modernen Malerei in Deutschland", teilte das Museum mit. Den Kern der Ausstellung bilden 50 Schlüsselwerke aus allen Schaffensphasen des niederländischen Künstlers. Sie werden nach Angaben der Ausstellungsmacher kombiniert mit Werken von K   ünstlern, die sich van Gogh zum Vorbild nahmen. In der Städel-Ausstellung sind Arbeiten von Max Beckmann, Otto Dix, Wassily Kandinsky und Ernst Ludwig Kirchner zu sehen.

Ohne van Gogh wäre die deutsche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vollkommen anders verlaufen, sagte Kurator Felix Krämer. Städel-Direktor Philipp Demandt ergänzte, die Begeisterung für Vincent van Gogh sei heute zwar ein fast globales Phänomen, vor mehr als 100 Jahren habe das aber noch ganz anders ausgesehen. Die Ausstellung beleuchte die Rolle, die die Reaktion auf die Werke des Malers in Deutschland im frühen 20. Jahrhundert für den "Mythos Van Gogh" gespielt habe. (dpa)

"Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe", Städel Museum, Frankfurt, bis 16. Februar 2020

Vincent van Gogh "Weiden bei Sonnenuntergang", 1888
Foto: © Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande

Vincent van Gogh "Weiden bei Sonnenuntergang", 1888

Fred Stein in Hannover

Soziale Reportagen, Künstlerporträts und poetische Stadtansichten: Die Ausstellung "Fred Stein. Dresden - Paris - New York" im Sprengel Museum Hannover präsentiert 135 Fotografien des 1967 gestorbenen Fotokünstlers. Der Sohn eines Rabbiners floh im September 1933 gemeinsam mit seiner Frau Liselotte vor den Nationalsozialisten aus Dresden nach Paris, 1941 gelang die Emigration in die USA. Eine zur Hochzeit geschenkte Leica-Kamera ermöglichte dem Juristen in der Fremde die Möglichkeit zum Lebensunterhalt als Fotograf. "Sein Werk enthält ganz viel Zeitgeschichte", sagte Kuratorin Inka Schube am Montag.

Die Ausstellung ist eingebettet in die Hannah Arendt Tage, mit denen Hannover jährlich an die in Hannover-Linden geborene Philosophin erinnert. Stein fotografierte Arendt von 1944 an immer wieder, vier Porträts sind ausgestellt. Daneben porträtierte er Weggefährten im Pariser Exil wie den späteren Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) sowie Berühmtheiten des 20. Jahrhunderts, etwa Physiker Albert Einstein, Maler Salvator Dalí oder Schauspielerin Marlene Dietrich. (dpa)

"Fred Stein. Dresden - Paris - New York", Sprengel Museum, Hannover, bis 26. Januar 2020


Kunst der Nacht in Herford

Die Erfindung der Glühlampe ist eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, die vor allem in den pulsierenden Metropolen dieser Welt dem natürlichen Wechsel von Tag und Nacht ein Ende setzte. Grell erleuchtete Tankstellen und Einkaufszentren, Schichtarbeit und Nachtclubs sind nur einige Facetten dieser Entwicklung.

Die entgrenzte Nacht steht im Zentrum der Ausstellung "Im Licht der Nacht. Vom Leben im Halbdunkel" im Marta Herford. Die Werke von der frühen Moderne bis zur Gegenwart gehen der Frage nach, wie das Ordnungsprinzip von Hell und Dunkel, von Aktivität und Schlaf auf den Kopf gestellt wird, wie sich Wahrnehmung und Lebensalltag grundlegend verändern und Zwischenwelten entstehen. In Bildern, Skulpturen und Installationen erlebt man, wie das Licht der Dämmerung die Fantasie beflügelt und im Schein künstlicher Beleuchtung die Maskerade nächtlicher Akteure schillernd zu Tage tritt.

"Im Licht der Nacht. Vom Leben im Halbdunkel", Marta Herford, 26. Oktober bis 9. Februar 2020

Eröffnung: Freitag., 25. Oktober, 19.30 Uhr


Rachel Rose in Kassel

2013 erst hat die 1986 geborene Amerikanerin noch als Studentin an der Columbia University in New York ihren ersten Film fertiggestellt, heute gilt Rachel Rose als eine der wichtigsten Videokünstlerinnen der jüngeren Generation. In den letzten Jahren wurde sie rasch für ihre fesselnden visuellen Installationen und Filme bekannt. In ihrem Werk lotet die Künstlerin zumeist aus, wie unsere Beziehung zur Landschaft, das Geschichtenerzählen und die Glaubenssysteme zu Fragen von Sterblichkeit unentwirrbar miteinander verbunden sind.

Bei ihrer ersten Einzelausstellung im Fridericianum in Kassel zeigt sich nun, welch vielfältiges Werk bereits entstanden ist. In "Sitting Feeding Sleeping" von 2013 geht es um Zustände zwischen Tod und Leben, die sie bei Tieren im Zoo, bei Robotern und bei eingefrorenen Menschen in Cryptolabs fand. In "A Minute Ago" von 2014 ist sie mit Philip Johnsons Glashaus einer architektonischen Ikone der Moderne auf der Spur und verbindet sie mit dem heraufziehenden Hurrikan "Sandy". "Lake Valley" (2016) dagegen ist ein animierter Film, der das Konzept der Kindlichkeit untersucht. Und in ihren jüngsten Projekten beschäftigt sie sich mit Hexenkraft und dem Verlust des Gemeinschaftseigentums im England des 16. Jahrhunderts. In der Ausstellung in Kassel werden auch Skulpturen zu sehen sein, bei denen es ihr um das Leben selbst geht: Sie alle haben Ei-Form.

"Rachel Rose", Fridericianum, Kassel, 26. Oktober bis 12. Januar 2020

Eröffnung: Freitag., 25. Oktober, 19 Uhr

Rachel Rose "Autoscopic Egg", 2017
Foto: Lance Brewer, © Rachel Rose, Courtesy of the artist and Gavin Brown's enterprise, New York/Rome

Rachel Rose "Autoscopic Egg", 2017

Karla Black in Frankfurt

Farbpigmente, Kosmetika, Gipspulver und transparentes Klebeband kommen bei der Künstlerin Karla Black zum Einsatz. Mit alltäglichen Werkstoffen zaubert die Schottin Hybride aus Skulptur und Malerei, die von Pastelltönen und schillernden Reflexionen geprägt sind. Trotz großer Formate wirkt ihre Kunst schwerelos. Für die Frankfurter Schirn Kunsthalle hat Black eine neue Raumskulptur für die öffentlich zugängliche Rotunde entwickelt.

"Karla Black", Schirn Kunsthalle, Frankfurt, bis 19. Januar 2020

Karla Black "The Power Plant", 2018
Foto: Toni Hafkenscheid, Courtesy The Power Plant, Toronto, 2018, © Karla Black

Karla Black "The Power Plant", 2018

 

Design-Festival in Leipzig

Nachhaltiges Design steht dieses Wochenende an in Leipzig auf dem Programm: Mit der "Designers' Open" und der Grassimesse verwandelt sich die Stadt buchstäblich zu einer Hochburg der Zukunftsvisionen. Bis Sonntag zeigen internationale Modeschöpfer, Künstler und Kunsthandwerker ihre kreativen Ideen.

Mit dem neuen Themenschwerpunkt "Future Matter" nehmen die "Designers' Open" damit auch aktuelle Branchenfragen rund um nachhaltigen Modekonsum und soziale Verantwortung in den Blick. Die Besucher sehen unter anderem Laufstegkreationen aus Müll und Schmuck aus Elektroschrott. Auch das Rahmenprogramm hat die Zukunft im Blick: Spannende Vorträge im "Open Panel", internationale Sonderschau zum Thema Upcycling und preisgekrönte Designideen in den Award Shows. 

Die gleichzeitig stattfindende Grassimesse ist ein internationaler Treffpunkt für Designinteressierte und Liebhaber schöner Dinge. Sie ist Kunstausstellung und Verkaufsmesse in einem. Zeitgenössische Künstler, Kunsthandwerker und Designer können entdeckt sowie alle Kunstobjekte und Produkte auch gekauft werden. 

"Designer's Open","Grassimesse", Leipzig, bis 27. Oktober
 

David Wojnarowicz in Luxemburg

"History Keeps Me Awake at Night" gibt einen Überblick über das Werk des Künstlers, Schriftstellers und Aktivisten David Wojnarowicz (1954-1992). Es ist die erste retrospektive Ausstellung seines Werks in Europa. Von den späten 1970er bis zum Beginn der 1990er Jahre entwickelte Wojnarowicz ein vielfältiges Werk aus Fotografie, Malerei, Musik, Film, Skulptur, Texte und Engagement. Der Autodidakt erlangte im New York der 1980er Jahre eine gewisse Bekanntheit, in einer Zeit kreativer Energien, finanzieller Ungewissheiten und tief greifender kultureller Veränderungen. Er lehnte es ab, in einem wiedererkennbaren Stil zu arbeiten. Er realisierte stattdessen Werke in technischer Vielfalt und in einer Haltung radikaler Offenheit.

Wojnarowicz sah den Außenseiter als sein eigentliches Ich. Queer und später HIV-positiv, wurde er zu einem leidenschaftlichen AIDS-Aktivisten, während gleichzeitig eine unüberschaubare Zahl an Freunden, Geliebten und Fremden infolge der Untätigkeit der Regierung erkrankten und starben. Wojnarowiczs Arbeit dokumentiert und beleuchtet eine verzweifelte Phase amerikanischer Geschichte: die Krise um AIDS und die Kulturkämpfe der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Bei Wojnarowicz geht es um zeitlose Themen wie Sexualität, Spiritualität, Liebe und Verlust. Wojnarowicz, der im Alter von 37 Jahren an den Folgen seiner AIDS-Infektion starb, notierte: "Etwas Privates in eine öffentliche Sache zu verwandeln ist eine Handlung von unglaublicher Reichweite."

Einen Ausblick auf die Schau und warum David Wojnarowicz nach wie vor so wichtig ist, lesen Sie hier.

"David Wojnarowicz. History Keeps Me Awake at Night", Mudam Luxembourg, 26. Oktober bis 9. Februar 2020

Eröffnung: Fr., 25. Oktober, 18 Uhr
 

John Bock in Mannheim

Die Kunsthalle Mannheim widmet einem der wichtigsten Performance- und Videokünstlern der Gegenwart eine Ausstellung: Bereits 2013 nahm John Bock am selben Mannheimer Ort an der Gruppenschau "Nur Skulptur!" teil. Seine Beiträge damals, die Installation "Voll die Beule" und eine Show, in denen drei Darsteller sowie Skulpturen aus der Sammlung der Kunsthalle mitspielten, sind Teil der neuen Präsentation. Die skulpturale "Summenmutation“ dieser Performance wird nun gemeinsam mit der Rekonstruktion der ersten großen Arbeit "LiquiditätsAuraAromaPortfolio", mit welcher John Bock 1998 auf der Berlin Biennale der internationale Durchbruch gelang, in die Sammlung aufgenommen. Wesentliche Elemente dieser als Filmkulisse und Bühne gestalteten Installation hat der Künstler aufbewahrt und als eigenständiges Werk behandelt. Jetzt werden sie als Teil eines Re-Enactments neu aufbereitet und in einer für die Kunsthalle Mannheim ortsspezifisch eingerichteten Raum-im-Raum Installation gezeigt.

"John Bock. AuraAroma Ω-Beule", Kunsthalle Mannheim, bis 1. Oktober 2020

John Bock (M.) bei den Proben der Performance "Voll die Beule" in der Ausstellung "Nur Skulptur!", Kunsthalle Mannheim, 2013
Foto: Kunsthalle Mannheim/ Cem Yücetas

John Bock (M.) bei den Proben der Performance "Voll die Beule" in der Ausstellung "Nur Skulptur!", Kunsthalle Mannheim, 2013


Van Dyck in München

Anthonis van Dyck – in ganz Europa wurde er gefeiert für seine Porträts von Fürsten, Feldherren, Künstlern und Schönheiten seiner Zeit. Sie alle wurden von ihm unvergleichlich lebendig und zugleich repräsentativ ins Bild gebannt. Doch der Weg zum Ruhm war kein einfacher: Seine künstlerischen Anfänge standen im Zeichen des berühmten Peter Paul Rubens, dem gleichermaßen bewunderten wie fast übermächtigen Vorbild. Die frühen Historien zeugen von der intensiven Auseinandersetzung, aber auch von zähem Ringen. Erst in Italien, unter dem Einfluss der venezianischen Malerei, von Tizian und Tintoretto, fand er seinen eigenen Weg. Van Dycks Bildnisse kennzeichnet eine sensible Beobachtung der Persönlichkeit, die er zugleich mit geradezu sinnlich wahrnehmbaren Stoffen und in einem repräsentativen Dekor zu inszenieren wusste.

Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojektes, das sich unter anderem Fragen der Bildgenese und der Werkstattpraxis widmete. Der eigene Bestand wird durch internationale Leihgaben ergänzt, die, wie Zeichnungen und Ölskizzen, den Werkprozess nachvollziehen. (dpa)

"Van Dyck", Alte Pinakothek, München, bis 2. Februar 2020


Hermann Glöckner in München

Zweifellos zählt Hermann Glöckner (1889-1987) heute zu den Ausnahmekünstlern unter den Avantgardisten der deutschen klassischen Moderne. Trotz widriger politischer Umstände in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und des darauf folgenden DDR-Regimes in Ostdeutschland hat er als "Nonkonformer" in Dresden über Jahrzehnte hinweg in Abgeschiedenheit kontinuierlich ein herausragendes künstlerisches Werk geschaffen, das es noch immer zu entdecken gilt.

Lange Zeit faszinierten Glöckners Arbeiten zuvorderst Künstler. Hermann Glöckner eilt bis heute der noble Ruf eines "Artist’s Artist" voraus. Zugleich stand er von der Kunstgeschichte nahezu unbeachtet im Schatten der etablierten Meister der klassischen Moderne. Erst in den letzten Jahren wurde sein singulärer künstlerischer Beitrag über Grenzen hinweg in größere kunsthistorische Zusammenhänge gestellt und als Neuentdeckung auch einem internationalen Publikum vorgestellt.

In der Münchner Ausstellung "Hermann Glöckner – Ein Meister der Moderne" begegnen sich in einer Zusammenschau Beispiele seines frühen "Tafelwerks" aus der Zeit von 1930 bis 1935 und eine Gruppe seiner "Modelli" der 1960er- und 1970er-Jahre, die als Entwürfe zu geplanten großformatigen skulpturalen Faltungen verstanden werden können. Erstmals werden diese zentralen Werkgruppen seines abstrakt-konstruktiven Œuvres einer konzentrierten kunsthistorischen Betrachtung unterzogen. (dpa)

"Hermann Glöckner – Ein Meister der Moderne", Pinakothek der Moderne, München, bis 19. Januar 2020

Hermann Glöckner "Rechtwinkelige Durchdringung: Zeichen F auf Schwarz", um 1932
Foto: Staatliche Graphische Sammlung München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Hermann Glöckner "Rechtwinkelige Durchdringung: Zeichen F auf Schwarz", um 1932

Theaster Gates in München

Der US-amerikanische Künstler Theaster Gates schlägt mit seinem Werk eine Brücke zwischen Kunst und Leben. Mit spannungsgeladenen Raumkonstellationen macht er das Beziehungsgeflecht zwischen der stereotypen Repräsentation Schwarzer Kultur und den dahinter liegenden Machtstrukturen sichtbar. Unter Einbezug einer vielgestaltigen Praxis, die Skulptur, Installation, Film, Performance, Improvisation, musikalische Komposition und Aktionen im urbanen Raum einschließt, verwandelt Theaster Gates Räume in Orte der künstlerischen Intervention, und damit in potentielle Plattformen für politischen, kulturellen und sozialen Wandel.

Für die sechste Ausgabe der Serie "Der Öffentlichkeit" hat Theaster Gates die raumgreifende Installation "Black Chapel" entwickelt: zwei große Pavillons sowie Vitrinen beherbergen eine Vielzahl an Skulpturen, Fotografien und Dokumenten. Darüber hinaus zeigen riesige, rotierende Leuchttafeln Fotografien aus den Archiven der ikonischen Johnson Publishing Company. Erstmalig wurde dieses Bildmaterial in den Magazinen "Ebony" und "Jet" veröffentlicht – zwei Publikationen mit Kultstatus, die maßgeblich zur Verbreitung Schwarzer Kultur in den Vereinigten Staaten beitrugen. Das Zusammenspiel von Skulptur und Fotografie eröffnet einen Raum, der Fragen zu Schwarzer Geschichte, Spiritualität und Repräsentation thematisiert und visuell neu formuliert.

"Theaster Gates. Black Chapel", Haus der Kunst, München, bis 19. Juli 2020

Theaster Gates, aus der Serie "Black Madonna"
Foto: © Theaster Gates in collaboration with JNL Design

Theaster Gates, aus der Serie "Black Madonna"

Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky in München

Das Künstlerpaar Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin steht im Mittelpunkt einer Ausstellung im Kunstbau des Lenbachhauses in München. Beide zählten zu den wegweisenden Figuren der expressionistischen Avantgarde und seien noch nie in einer gemeinsamen Ausstellung gezeigt worden, teilt die Städtische Galerie mit. "Lebensmenschen" präsentiert mehr als 190 Werke und zeigt die Stationen ihres Schaffens bis hin zum Spätwerk. Ab März reist die Ausstellung weiter ins Museum Wiesbaden in Hessen, im August dann ins schweizerische Ascona.

Werefkin (1860-1938) und Jawlensky (1864-1941) hatten seit 1891 zusammen künstlerisch gearbeitet. 1896 gingen sie von Russland nach München. Im Sommer 1908 war das Paar mit den Malern Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau (Bayern), wo die Künstlerfreunde expressive Bilder mit leuchtenden Farben schufen - typisch für die 1911 entstandene Künstlergruppe des "Blauen Reiters", der sich Werefkin und Jawlensky stark verbunden fühlten. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, zog das Paar in die Schweiz. 1921 trennte es sich schließlich. (dpa)

"Lebensmenschen", Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, bis 16. Februar 2020

 

Alexej von Jawlensky "Murnauer Landschaft", 1909
Foto: Lenbachhaus

Alexej von Jawlensky "Murnauer Landschaft", 1909

 

Van Gogh-Stillleben in Potsdam

"Stillleben sind der Anfang von allem", sagte Van Gogh im Winter 1884/85. Die neue Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini untersucht den experimentellen und wegweisenden Charakter, den Vincent van Gogh (1853–1890) seinen Stillleben beimaß. Jetzt wird erstmals die Bedeutung dieses Genres in seinem Werk gewürdigt. In Stillleben hat der Künstler Singularität errungen: Sie waren das geeignete Medium für seine Suche nach Ausdruckskraft der Farbe, sie wurden zu seinem Experimentierfeld zur Erprobung malerischer Mittel und Möglichkeiten. Hier hat er die Moderne vorgedacht, ohne auf die Bedeutung zu verzichten, die das Stillleben in der niederländischen Kunst seit dem 17. Jahrhundert hatten. So entstand eine emblematisch-existentielle Malerei, deren Energie bis heute ausstrahlt.

Über 170 Stillleben hat Van Gogh in dem einen Jahrzehnt seines künstlerischen Schaffens von 1881 bis zu seinem Tod 1890 gemalt. Die Ausstellung zeigt die künstlerische Entwicklung des Malers anhand einer Auswahl von 27 Gemälden. Sie durchmisst das gesamte Œuvre des Künstlers von den in dunklen Erdtönen gehaltenen Studien des Frühwerks zu den in leuchtenden Farben gemalten Obst- und Blumenstillleben, die in den letzten Lebensjahren entstanden sind.

"Van Gogh. Stillleben", Museum Barberini, Potsdam, 26. Oktober bis 2. Februar
 

Requiem für die Plastiktüte in Waldenbuch

Anhand von geschätzt 50.000 Plastiktüten erzählt die Ausstellung "Adieu Plastiktüte!" in Waldenbuch bei Stuttgart Kulturgeschichte aus ungewohnter Perspektive. Die Objekte - Polyethylen-Fabrikate von Supermärkten, Modehäusern oder politischen Parteien - stammen von zwei Privatsammlern, wie Ausstellungsmacher Frank Lang im Museum der Alltagskultur erklärt.

Nach rund 50 Jahren, so Lang, "in denen die Plastiktüte unser Leben begleitet hat und es uns auch erleichtert hat", gehe die Ära zu Ende. Derzeit arbeitet etwa Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) an einem Verbot von leichten Kunststofftragetaschen.

So stimmt die Ausstellung - der Titel "Adieu Plastiktüte!" gibt einen Hinweis - einen emotionalen wie kritischen Abgesang an. Die Ausstellung soll laut Kurator Lang auch den Wahnsinn hinter der Konsumgesellschaft zeigen, die die Plastiktüte symbolhaft verkörpert: "Diese Lüge, die wir in vielen Lebensbereichen machen: Dass wir Dinge einfach anzetteln, einfach machen, ohne nachzudenken." (dpa)

"Adieu Plastiktüte!", Museum der Alltagskultur im Schloss Waldenbuch, 26. Oktober bis 3. Juli 2020

Eröffnung: Samstag., 26. Oktober, 14 Uhr


Design seit dem Mauerfall in Weil am Rhein

Dreißig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer widmet sich die Ausstellung "After the Wall. Design seit 1989" im Vitra Schaudepot dem Design der vergangenen drei Jahrzehnte. Anlässlich des 30. Geburtstags des Vitra Design Museums wird dabei der Einfluss der weitreichenden technischen, kulturellen und soziopolitischen Umbrüche auf das Design dieser Zeit in den Blick genommen. Die Ausstellung zeigt Schlüsselwerke aus den Bereichen Produktdesign, Möbeldesign, oder Grafik, etwa von Jasper Morrison, Philippe Starck, Hella Jongerius, Muji oder Ikea. Sie umfasst aber auch aktuelle Entwürfe junger zeitgenössischer Designer, die einen Ausblick auf die Zukunft erlauben.

Die Exponate zeigen, dass sich viele der globalen Umbrüche der letzten 30 Jahre auch im Design spiegeln: von einem wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit bis hin zu großen gesellschaftlichen Umwälzungen durch die Öffnung des Internets für die zivile Nutzung im Jahr 1989. Letzteres hat zu einer wahren Informationsflut sowie zu einer radikalen Beschleunigung unseres Alltags geführt, die auch Designer maßgeblich vorangetrieben haben – etwa mit dem ersten iPhone 2007. Jedoch weisen auch viele der gezeigten Werke auf kritische Denkweisen hin, die zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Konsum, Technologie und Ressourcen beitragen wollen.

"After the Wall. Design seit 1989", Vitra Design Museum, Weil am Rhein, 26. Oktober bis 23. Februar 2020

Eröffnung: Freitag, 25. Oktober, 18.30 Uhr

Jurgen Bey "Tree-trunk Bench", 1998
Foto: © Droog

Jurgen Bey "Tree-trunk Bench", 1998
 

Transformationen des Ichs in Wolfsburg

Gerade während des Erwachsenwerdens gewinnt die Frage nach der eigenen Identität an besonderer Bedeutung: Die Transformation des Körpers, die erwachende Sexualität, sich herausbildende gesellschaftliche Aufgaben und Zuschreibungen führen erstmals zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema Identität. Bei der Suche nach dem Selbst werden Jugendliche mit einer Flut an Identifikationsangeboten aus der realen und digitalen Umwelt konfrontiert, die sie individuell mit gesellschaftlichen Normen in Einklang bringen müssen.

Um kunstbegeisterte Jugendliche aus Wolfsburg und Braunschweig im Alter von 14 bis 17 Jahren in ihrem Prozess der Selbstfindung durch die Kunst zu unterstützen, realisiert das Kunstmuseum Wolfsburg die partizipative Ausstellung "Inside – Out. Konstruktionen des Ichs", in dem Mitarbeiterinnen und Jugendliche gemeinschaftlich ein kuratorisches Konzept erarbeiteten.

Aus einer Zusammenstellung von über 200 Werken wählten sie künstlerische Positionen nach eigenen Themen- und Fragenschwerpunkten aus und näherten sich im gemeinsamen Austausch dem Begriff der Identität an. Dabei kristallisierten sich Aspekte der sexuellen Selbstbestimmung, Schönheitsideale, Selbstinszenierung, Abgrenzung, Krisen und Konflikte für die Jugendlichen als thematisch  besonders relevant heraus.

"Inside - Out. Konstruktionen des Ichs", Kunstmuseum Wolfsburg, 26. Oktober bis 12. Januar 2020

Eröffnung: Freitag, 25. Oktober, 19 Uhr

Mário Macilau "Untitled (Moment of Transition) #5", 2014
Foto: Uwe Seyl

Mário Macilau "Untitled (Moment of Transition) #5", 2014